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10/06/2017 21:00 CEST | Aktualisiert 11/06/2017 10:21 CEST

"Mauern lösen keine Probleme": In Mexiko stichelt Merkel gegen US-Präsident Trump

ALFREDO ESTRELLA via Getty Images
"Mauern lösen keine Probleme": In Mexiko stichelt Merkel gegen US-Präsident Trump

  • Bundeskanzlerin Merkel hat in Mexiko-Stadt indirekt US-Präsident Trump kritisiert

  • Das Errichten von Mauern werde keine Probleme lösen, sagte sie

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei ihrem Mexiko-Besuch US-Präsident Donald Trump kritisiert. Denn Trump will zur Abwehr von illegalen Einwanderern eine gigantische Mauer entlang der Grenze zu Mexiko bauen.

Merkel sagte am Samstag bei einer Diskussion mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Mexiko-Stadt: "Das Errichten von Mauern und Abschottung wird das Problem nicht lösen." Das Wichtigste sei, Fluchtursachen vor Ort zu bekämpfen.

Trump erwähnte sie nicht. In den Köpfen der Zuhörer dürfte er trotzdem gewesen sein, als Merkel über Mauerbau und Abschottung sprach. Der US-Präsident hat sich wegen seines Bauwerks mit der mexikanischen Regierung angelegt.

Die lehnt es strikt ab, dafür zu bezahlen - wie Trump immer wieder gefordert hat.

Wanderungsbewegungen müssten gesteuert werden

Schlepperbanden und Menschenhändler müssten freilich bekämpft werden, sagte Merkel bei ihrem Besuch. "Das ist eine große Herausforderung, aber durch die Verbesserungen der Grenzanlagen wird man das Thema nicht lösen können."

Sie erinnerte an die antiken Weltreiche von China und Rom. "Nur wenn große Imperien es geschafft haben, mit ihren Nachbarn vernünftige Beziehungen aufzubauen und die Wanderungsbewegungen zu steuern, waren sie erfolgreich", sagte die Bundeskanzlerin.

Jedes Jahr versuchen Zehntausende Menschen aus Lateinamerika, über Mexiko in die USA zu gelangen. Vor allem aus Mittelamerika fliehen viele vor der Gewalt der mächtigen Jugendbanden. Die sogenannten Maras kontrollieren dort ganze Stadtviertel und zwangsrekrutieren junge Menschen.

Allerdings wandern schon seit Jahren weniger Menschen aus Mexiko in die USA ein, als umgekehrt wieder aus den Vereinigten Staaten zurückkehren.

Merkel warb für Offenheit im Handel

Auch in den Wirtschaftsbeziehungen warb Merkel für Offenheit. "Wir fühlen uns den gleichen Prinzipien verpflichtet: offener und fairer Handel zum Nutzen aller", sagte sie auf dem Podium an der Seite von Präsident Peña Nieto. "Wirtschaftliche Kooperation ist einer der wichtigsten Pfeiler unserer Brücke der Zusammenarbeit."

Über 1900 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung sind in Mexiko registriert, darunter Industrieriesen wie VW, BASF und Bayer. Gemeinsam beschäftigen sie rund 120.000 Mitarbeiter und erwirtschaften rund acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Deutschland ist der sechstwichtigste Investor in Mexiko. Seit 1999 flossen rund 14,7 Milliarden Dollar in das Land. Im kommenden Jahr wird Mexiko Gastland der Hannover Messe sein.

Das Handelsvolumen beträgt knapp 18 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Und es könnte mehr werden: Angesichts der protektionistischen Wirtschaftspolitik von US-Präsident Trump will Mexiko seine Beziehungen mit anderen Regionen stärken. Derzeit wird das Freihandelsabkommen mit der EU aktualisiert.

Mehr zum Thema: Argentiniens Präsident neckt Merkel - die reagiert schlagfertig

(jazi)

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