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10/06/2017 02:03 CEST | Aktualisiert 11/06/2017 16:09 CEST

EU-Kommissar Günther Oettinger über Brexit: "Rosinenpickerei darf es nicht geben!"

Thierry Monasse via Getty Images
Günther Oettinger will nicht, dass sich Großbritannien beim "Brexit" die Rosinen heraussucht.

  • EU-Kommissar Günther Oettinger mahnt zur Eile in den Brexit-Verhandlungen

  • Es gebe bis zum Austreten Großbritanniens aus der EU noch viel zu tun

  • Der CDU-Politiker mahnte die Briten, nicht nur die Rosinen herauszupicken

Für Günther Oettinger ist klar: Die Briten dürfen bei den Brexit-Verhandlungen nicht trödeln. "Es darf keine weiteren Verzögerungen der Verhandlungen über das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union geben. Der Zeitdruck wächst mit jedem Tag" betonte Oettinger.

Der CDU-Politiker und frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg ist seit Anfang 2017 EU-Kommissar für Haushalt und Personal.

Im Interview mit der Zeitung "Passauer Neue Presse" zeigte Oettinger: Es gibt noch viel zu tun. Der rechtliche Status von drei Millionen Festland-Europäern in Großbritannien und einer Million Briten in der EU müsse geklärt werden. "Für sie sollte es durch den Brexit keine Verschlechterung geben", forderte der Politiker.

Spannung zwischen Nordirland und Irland

Zudem gelte es, die Zukunft des Grenzverkehrs zwischen Nordirland und Irland zu klären. Nordirland ist Teil des Vereinigten Königreiches, die Menschen sind aber stark verbunden mit den Bürgern Irlands.

Tritt Großbritannien aus der Europäischen Union aus, könnte eine EU-Außengrenze auf der irischen Insel entstehen, was den Grenzübertritt und den Warenverkehr stark einschränken würde.

"Das sind die Freizügigkeit, die Freiheit des Handels mit Waren und Dienstleistungen sowie die Sicherheit von Investitionen", sagte Oettinger zur "Passauer Neuen Presse".

"Wir wollen Großbritannien nicht schädigen"

Und er forderte: "Rosinenpickerei darf es nicht geben!" Zwar wolle die EU-Kommission die Interessen der Mitgliedstaaten konsequent, aber nicht hartherzig vertreten. "Wir wollen Großbritannien nicht schädigen."

Aber man könne nicht garantieren, dass sich tatsächlich eine Einigung finden lasse. Ein Platzen der Verhandlungen wollte er nicht ganz ausschließen.

Mit Großbritannien verlässt ein Nettozahler die EU

Oettinger mahnte, der Brexit werde ein Loch in den EU-Haushalt reißen. Da die Briten Nettozahler sind, werden nach dem Brexit 10 bis 13 Milliarden Euro in der Kasse fehlen.

Das trifft auch Deutschland: ""Wir werden um höhere Beiträge für die Mitgliedstaaten, auch für Deutschland, nicht herumkommen."

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(sk)