Es ist einfach: Entweder lügt Trump oder Comey. Wer ist glaubwürdiger?

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JAMES COMEY
Trump gegen Comey, Aussage gegen Aussage. Comey sagt vor dem Geheimdienstausschuss aus. | dpa
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  • Am Donnerstag hat Ex-FBI-Chef Comey vor dem Geheimdienstausschuss ausgesagt
  • Die Aussagen von Trump und Comey widersprechen sich deutlich
  • Nun geht es darum: Wer ist glaubwürdiger?

“Aussage gegen Aussage”, würden Juristen zu der Debatte sagen, die gerade die USA in Atem hält.

Präsident Donald Trump und der ehemalige FBI-Direktor James Comey haben sehr unterschiedliche Versionen dessen präsentiert, was sich während ihren wenigen Gespräche ereignete.

Der Gespräche, die vermutlich zu Comeys Entlassung aus dem Amt des FBI-Direktors führten.

Comey hat am Donnerstag seine Sicht der Ereignisse vor dem Geheimdienstausschuss des Senats dargelegt. Er schilderte detailliert die Aussagen, die der Präsident über die Ermittlung des FBIs zu den Verbindungen zwischen Russland und der Trump-Kampagne getroffen haben soll.

Comeys Schilderung zufolge, versuchte der Präsident in die Ermittlung einzugreifen, wollte den damaligen FBI-Direktor dazu zwingen, ihm seine Loyalität zuzusichern und versuchte, ihm die öffentliche Versicherung abzuringen, dass gegen ihn persönlich nicht ermittelt werde.

Trump, sein Anwalt und seine Mitarbeiter dementierten diese Aussage.

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Wenn es darum geht, herauszufinden, was tatsächlich in diesen privaten Treffen und Telefonaten gesagt wurde - angenommen es gibt keine geheimen Aufzeichnungen - steht Comeys Wort also gegen das von Trump.

Sehr unterschiedliche Aussagen

Trumps und Comeys Aussagen unterscheiden sich in verschiedenen Punkten:

● Comey sagte aus, dass Trump während eines Essens am 27. Januar sagte: “Ich brauche Loyalität. Ich erwarte Loyalität.” Trumps privater Anwalt Marc Kasowitz aber sagt, dass der Präsident “nie formal oder inhaltlich” um Loyalität gebeten habe.

● In einem Interview mit Lester Holt von NBC News behauptete Trump, dass das Treffen im Januar stattgefunden hatte, weil Comey mit dem Präsidenten “essen wollte”. Comey aber sagte am Donnerstag, dass eigentlich Trump ihn eingeladen hätte, mit ihm im Weißen Haus zu dinieren.

● Comey, Generalbundesanwalt Jeff Sessions und andere Offizielle nahmen am 14. Februar an einem Briefing im Weißen Haus teil. Comey zufolge bat ihn Trump um ein Gespräch unter vier Augen nach dem Briefing. Der Präsident soll während der folgenden Unterhaltung gesagt haben, dass er hoffe, Comey könne die Untersuchung gegen den Nationalen Sicherheitsberater Flynn “sein lassen”. Trump hat dies dementiert.

● Nachdem Trump den FBI-Direktor am 9. Mai entlassen hatte, behauptete die Trump-Regierung, dass die Geheimdienstbasis das Vertrauen in ihren Direktor verloren hätte. Comey sagte am Donnerstag aus: “Das sind Lügen, schlicht und einfach.”

● Trump hat wiederholt bestritten, dass Russland auf irgendeine Weise in die Wahl 2016 eingegriffen hätte und die Berichte als “Fake News” abgetan. Comey jedoch sagte während der Anhörung am Donnerstag, dass er “keine Zweifel” an der Einmischung Russlands hätte. “Das ist so wenig fake wie etwas nur sein kann”, sagte er dem Ausschuss.

● Trump schlug am Freitagmorgen nach der Anhörung zurück. Er bezeichnete Comey via Twitter als Lügner und beschuldigte ihn als “Leaker”. Comey hatte zugegeben, dass er über einen Freund ein Memo über seine Interaktionen mit Trump an die “New York Times” weitergegeben hatte.

Welche ist glaubhafter?

Der demokratische Senator Martin Heinrich fasste während der Anhörung am Donnerstag treffend zusammen: “Im Grunde genommen geht es darum, wem man Glauben schenken sollte.”

Comey, der 2013 zum Direktor des FBI ernannt wurde, hat viele Jahre für das Justizministerium gearbeitet. Und obwohl er selbst als Republikaner registriert ist, hat er sowohl für republikanische als auch demokratische Präsidenten gearbeitet, unter anderem Bill Clinton und George W. Bush. Comey ist somit nicht parteipolitisch befangen.

Comey war innerhalb des FBI hoch angesehen und gilt als integer – nicht zuletzt wegen seiner Aussagen vor dem Aufsichtsgremium der Vereinigten Staaten im Jahr 2007. Damals belastete Comey den Justizminister Alberto Gonzalez, weil dieser das unbefugte Abhören amerikanischer Bürger unter Präsident Bush angeordnet hatte. Comey belastete sich damit auch teilweise selbst, da er zur Zeit des Vergehens als stellvertretender Justizminister gearbeitet hatte. Auch während der Befragung am Donnerstag lobten Abgeordnete beider Parteien Comeys Ehrlichkeit.

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Die wahrscheinlich größte Kontroverse seiner Karriere war sein Vorgehen gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die in ihrer Zeit als Innenministerin einen privaten Server für ihre Emails benutzt hatte.

Zunächst hatten Republikaner seine Entscheidung kritisiert, nicht gegen Clinton zu ermitteln. Als Comey diese revidierte und nur wenige Tage vor der US-Wahl bekannt gab, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen würden, war der Aufschrei der Gegenseite umso größer.

Viele Demokraten, darunter Clinton selbst, machen Comey mitverantwortlich für Donald Trumps Wahlsieg. Der Ex-FBI-Direktor hat zugegeben, dass ihm bei dieser Entscheidung nicht ganz wohl war. Der Ruf und die Glaubwürdigkeit der Behörden hätten für ihn jedoch Vorrang gehabt.

“Das war eine furchtbare Situation und mir wird ein bisschen schlecht, wenn ich daran denke, dass meine Entscheidung den Ausgang der Wahl beeinflusst haben könnte. Trotzdem würde ich jederzeit wieder so entscheiden”, sagte er bei einer Anhörung vor dem Kongress im Mai.

Trumps Glaubwürdigkeit ist im besten Falle fragwürdig

Der Präsident und sein Team haben die Öffentlichkeit wiederholt belogen. Die HuffPost zählte 100 deutliche Unwahrheiten in den ersten 36 Tagen seiner Amtszeit. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Amerikaner kein großes Vertrauen in die Aussagen Trumps zu den Russland-Nachforschungen hat (Eine wesentlich kleinere Anzahl vertrauen Comeys Aussagen zu dem Thema nicht.)

Die Lügen des Präsidenten sind mal unbedeutsam – wie als es um die Größe des Publikum bei seiner Amtseinführung ging. Manchmal sind die Lügen Trumps aber ungleich gefährlicher: Etwa seine haltlosen Aussagen, dass Millionen von Nicht-US-Bürgern illegal bei der Präsidentschaftswahl abgestimmt hätten.

Trump behauptete, dass er Aufnahmen von “tausenden” Muslimen in den USA gesehen habe, die nach den Anschlägen vom 11. September gefeiert hätten. (Dies wurde als falsch entlarvt.)

Er deutete an, dass Präsident Barack Obama den Trump Tower überwacht haben lasse. (Dafür gibt es keinen Beweis.) Außerdem verfestigte er wiederholt den Mythos, dass Barack Obama kein gebürtiger Amerikaner sei. (Obama wurde in Hawaii geboren.)

Nun ist es an Sonderermittler Robert Mueller zu entscheiden, welcher Version der Ereignisse er Glauben schenkt. Auch Mueller diente unter Präsidenten beider Parteien und ist für seine politische Neutralität bekannt.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei HuffPost. Er wurde aus dem Englisch übersetzt von Marie-Theres Rüttiger und Anna Rinderspracher.

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