Theresa May will mit der Splitterpartei DUP regieren – die gehört zu den radikalsten Parteien Großbritanniens

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THERESA MAY
Theresa May will mit der Splitterpartei DUP regieren – die gehört zu den radikalsten Parteien Großbritanniens | Leon Neal via Getty Images
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  • Die britischen Konservativen brauchen die nordirische Partei DUP, um zu reagieren
  • Die DUP ist gegen den "harten" Brexit – und vertritt sonst äußerst radikale Ansichten
  • In der Partei tummeln sich Kreationisten, Schwulenfeinde und Abtreibungsgegner

Die britische Premierministerin Theresa May will eine Regierung mit Unterstützung der nordirisch Democratic Unionist Party (DUP) bilden. Nur die Konservativen und die DUP hätten die Fähigkeit und den Auftrag, dem Land dringend notwendige Stabilität zu geben, sagte May.

Zuvor hatte sie bei einem Besuch im Buckingham-Palast die formelle Erlaubnis zur Regierungsbildung bei Queen Elizabeth II. eingeholt.

Doch wer ist die DUP überhaupt? Kritiker bezeichnen die Partei als rückwärtsgewandt, da sie sich seit Jahren für strengere Abtreibungsgesetze und gegen die Homo-Ehe einsetzt.

Der britische Channel4-Nachrichtensprecher Jon Snow bezeichnet die DUP als "eine der extremsten politischen Größen auf den britischen Inseln“.

Streit um nordirische Außengrenze

Die DUP ist die wichtigste protestantisch-unionistische Partei in Nordirland. Sie wurde 1971 von dem als politischen Hardliner geltenden protestantischen Pfarrer Ian Paisley (1926-2014) gegründet.

Derzeit wird sie von Arlene Foster geführt. Die DUP...

► ... setzt sich strikt für den Erhalt der Einheit des Vereinigten Königreichs ein und vertritt im Nordirland-Konflikt die pro-britische Seite.

► ... befürwortet den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Beim Brexit-Referendum, bei dem Nordirland insgesamt für den Verbleib in der EU stimmte, hatten vor allem Gebiete der Unionisten für den Austritt votiert.

Foster sprach sich aber wegen der besonderen Situation des einstigen Bürgerkriegslands an der Grenze zur Republik Irland gegen einen "harten" Brexit aus, der Grenzkontrollen über die Zugehörigkeit zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion stellt. Die Nordiren befürchten wirtschaftliche Nachteile und Probleme, wenn sie ihre Verwandten im EU-Land Irland besuchen wollen.

DUP wird zum Königsmacher

Die DUP und die katholisch-republikanische Sinn Fein, die sich seit 2007 die Macht teilen, verhandeln seit Wochen erfolglos über eine neue Regierungskoalition in Belfast.

Aus der Parlamentswahl im März gingen die Unionisten nur noch mit hauchdünnem Vorsprung als stärkste Partei hervor. Das Bündnis war im Januar im Streit über ein misslungenes Förderprogramm für erneuerbare Energien zerbrochen.

Da Premierministerin Theresa May in der Parlamentswahl die Mehrheit verloren hat, wird die DUP wohl zum Königsmacher werden und ihr helfen, weiterhin eine Regierung zu führen.

Offenbar wissen auch viele Briten nicht Bescheid über die nordirische Partei, die plötzlich landesweit wichtig ist. Jedenfalls war sie die meistgegoogelte Partei im Land in der Nacht zum Freitag. Auch die DUP-Website brach unter den vielen Anfragen zeitweise zusammen.

Absurde Ansichten der DUP

► Die DUP hat in Vergangenheit immer wieder mit wirren Aussagen und Forderungen für Wirbel in Nordirland gesorgt. So ist der hochrangige DUP-Politiker Mervyn Storey etwa überzeugt, dass die Erde nur 10.000 Jahre alt ist.

► Viele Politiker der Partei sollen dem Gedankengut der Kreationisten nahestehen, die die Erschaffung der Erde und der Menschheit strikt nach dem Alten Testament erklären und die Evolutionstheorie ablehnen. Auch den Klimawandel hat die Partei bislang nicht öffentlich anerkannt.

► In Nordirland blockiert die Partei seit langem das Recht auf Abtreibungen. DUP-Politiker Tom Buchanan bezeichnete Homosexualität in einer Rede vor Schulkindern vor einigen Jahren als "Abscheulichkeit" – und sorgte damit für einen landesweiten Skandal.

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(mf)