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09/06/2017 15:30 CEST

"Tatort: Level X": So wird der Krimi aus Dresden

MDR/Gordon Muehle
Gorniak (Karin Hanczewski) und Sieland (Alwara Höfels, l.) beißen sich an Magnus Cord (Daniel Wagner) die Zähne aus

Konnten sich die ersten beiden "Tatort"-Folgen aus Dresden noch nicht so recht entscheiden, ob sie nun mit Humor oder Ernsthaftigkeit punkten wollen, ist die Sache im dritten Fall von Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) klar: Zu lachen gibt es hier absolut nichts. Stattdessen herrscht Angst (um die Jugend von heute), Wut (über die Jugend von heute) und Unverständnis (über die Jugend von heute). Denn die beiden Ermittlerinnen und ihr noch irritierterer Chef tauchen in die Welt der Online-Vlogger und Internet-Starlets ein.

Worum geht es?

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Der 17-jährige Robin, seiner beachtlichen Fangemeinde besser bekannt als Simson, hat es als "Prankster" - so die Bezeichnung für jemanden, der öffentlich Streiche spielt und diese filmt - zu Internet-Ruhm gebracht. Seine groß angelegten Streiche streamt er meist live und erreicht damit Millionen von Menschen, vornehmlich im Teenager-Alter. Als er bei einem besonders dreisten "Prank" mit einer Drohne eine Rockerbande filmt, wird er, immer noch live auf Sendung, auf offener Straße erschossen.

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Die Liste der Verdächtigen ist erstaunlich lang und reicht von seinem gewissenlosen Manager (Daniel Wagner) über einen erfolglosen Konkurrenten (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) bis hin zu einem von Simson erpressten Arzt. Doch wie sich herausstellt, gibt es in dem scheinbar so öffentlich dokumentierten Leben von Simson mehr Geheimnisse als gedacht.

Lohnt sich das Einschalten?

Nicht unbedingt. Dass ein derart aktuelles Thema aufgegriffen wird, ist wenig verwunderlich, vielmehr überfällig, schließlich ist der Starkult um YouTube-Stars, Instagram-Influencer und Vlogger nicht mehr nur am Aufkeimen, sondern längst in voller Blüte. Weniger Sinn ergibt hingegen, weshalb "Level X" im Rahmen der ARD-Themenwoche "Woran glaubst du?" ausgestrahlt wird. Der Zusammenhang zwischen Internet-Kult und Religiosität wirkt an den Haaren herbeigezogen. Weder der atheistische Vater auf der einen Seite und die Pfarrerin als Mutter auf der anderen sind der Geschichte im Geringsten dienlich, und Simsons Manager als Pseudo-Prediger ist mehr Gimmick als Denkanstoß.

Viel interessanter ist das Spannungsfeld zwischen den Jugendlichen und den Ermittlern, die dem anglifizierten Jargon und den Prioritäten der Generation Klick zunächst mit amüsiertem Unverständnis und schließlich mit brodelnder Ungeduld gegenüberstehen. Allen voran Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach), der "das verdammte Internet" am liebsten ganz abschalten würde. Man ist hier deutlich um Differenziertheit bemüht - weder ist die Jugend absolut verkommen, noch taugen die Älteren als perfekte Vorbilder.

Zum großen Teil wird dieses Potential aber verschenkt, indem man die größten Reibungspunkte dem Manager überlässt, der weit jenseits der 30 ist, aber daherkommt wie das fleischgewordene Klischee eines 16-Jährigen und in einem verkrampft jugendlichen Schwall aus Anglizismen spricht. Das ist nicht nur unglaubwürdig, sondern auf Dauer nervtötend. Besonders ärgerlich ist das Ende, als der "Tatort" - im wahrsten Sinne des Wortes - ein Thema anschneidet, das viel zu sensibel ist, um als dramatisches Finale herzuhalten...

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