Melania Trump zieht ins Weiße Haus: Hat sie sich verschlechtert?

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First-Ehepaar: Melania und Donald Trump

Melania Trump (47) war nach dem Wahlsieg ihres Mannes Donald Trump (70) mit dem gemeinsamen Sohn Barron (11) in New York geblieben, damit der Junge an seiner bisherigen Schule das Schuljahr abschließen konnte. Das löste wegen der zusätzlichen Sicherheitskosten eine heftige Debatte aus. Die New Yorker Polizei soll die täglichen Kosten für den Schutz von Melania und Barron Trump auf umgerechnet 116.000 bis 133.000 Euro beziffert haben, was in der Bevölkerung großen Unmut hervorgerufen hat. Über eine halbe Million Menschen haben in einer Petition gefordert, Melania Trump solle ihrem Mann ins Weiße Haus folgen.

Außerdem kursierten auch in jüngster Zeit noch Gerüchte, wonach es beim Ehepaar Trump kriseln soll. "Der Umzug hilft nun, den Eindruck zu erwecken, dass der Präsident in einer stabilen, soliden Ehe lebt und sein Privatleben unter Kontrolle ist", sagte die Historikerin Katherine Jellison von der Ohio University.

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Ein Abstieg für Mutter und Sohn

Für Mutter und Sohn ist der Ortswechsel ins amerikanische Machtzentrum ein tiefer Einschnitt. Zwar wohnen sie dann im berühmtesten Gebäude der USA, doch gemessen am Luxus ihrer bisherigen Bleibe dürfte das neue Domizil ein Abstieg sein. Mrs. Trump und Trump junior wohnen in New York auf drei Stockwerken in einem 100-Millionen-Dollar-Penthouse an der 5th Avenue mit Blick über den Central Park.

Angeblich ist das traute Heim der Inneneinrichtung von Schloss Versailles nachempfunden: Marmor, kostbarste Ausstattung, Deckengemälde, viel Gold. Barron Trump hat für sich allein ein ganzes Stockwerk. Da kann 1600 Pennsylvania Avenue in Washington nicht ganz mithalten.

In New York leben die Trumps auf 2700 Quadratmetern, in Washington sind es "nur" 1120. Zwar gilt das Weiße Haus mit insgesamt 132 Räumen, 35 Badezimmern, acht Treppenhäuser und drei Aufzügen -
Barack Obama musste sich am ersten Abend den Weg zu seinem Schlafzimmer zeigen lassen - als wild verschachteltes, unübersichtliches Gebäude. Doch die Präsidentenfamilie lebt (im ersten und zweiten Stock), gemessen an Trumpschen Verhältnissen, in überschaubaren 16 Privaträumen, von denen mehrere als Gästezimmer dienen.

Oma und Opa kommen mit

Damit sich Barron schneller eingewöhnt, ziehen seine Großeltern mütterlicherseits, die auch im Trump Tower in New York wohnen, für einige Monate mit nach Washington. Mit ihnen kann der Junge auch Slowenisch reden. Er beherrscht die Sprache perfekt. Seine neue Schule steht auch schon fest. Barron wird die St. Andrew's Episcopal School in Potomac, Maryland, besuchen, etwa 30 Kilometer von Washington D.C. entfernt.

Der Ostflügel wird ihr Reich

Melania wird als First Lady offiziell den Ostflügel des Weißen Hauses beziehen. Ihr Mann arbeitet im ungleich größeren Westflügel, ihm stehen Hunderte von Mitarbeitern nahezu rund um die Uhr zur Verfügung, darunter auch Ivanka Trump (30), Melanias Stieftochter und eine der engsten Beraterinnen des Präsidenten. Die First Lady gebietet traditionell über nur vier Mitarbeiter: den Stabschef, einen Sekretär für die sozialen Events des Weißen Hauses, den Chefgärtner und den Chefkoch.

Immerhin habe Melania "langsam aber sicher ein eigenes Team" zusammengestellt, schreibt der "Tagesspiegel". "So heuerte sie Lindsey Reynolds als ihre Stabschefin im Weißen Haus an; Reynolds arbeitete schon unter George W. Bush in der Regierungszentrale. Niceta Lloyd, die bei der Vorbereitung der Feiern zur Amtseinführung von Donald Trump mitwirkte, soll sich um die öffentlichen Termine der First Lady in Washington kümmern."

Projekte und Rollen dieser First Lady

Vor der Wahl ihres Mannes zum US-Präsidenten hatte Melania Trump angekündigt, sie wolle sich um ein Projekt gegen Cyber-Bullying kümmern. Das ist insofern schon delikat, weil ihr eigener Ehemann wegen seines aggressiven Tons auf Twitter als oberster Cyber-Bully der USA gilt. Auf der Website des Weißen Hauses wird sie als Frau mit "Leidenschaft für Künste, Architektur, Design, Mode und Schönheit" vorgestellt. Doch die meisten Amerikaner sehen in ihr den wohl einzigen Menschen auf der Welt, der mäßigend oder gar beruhigend auf Donald Trump einwirken kann.

Einige politische Beobachter sehen in ihr sogar eine Art Widerpart zu ihrem Mann. "Während die einen mit Donald Trump ihren Retter aus der gefühlten gesellschaftlichen Geringschätzung bereits ins Weiße Haus gewählt haben, klammern sich die anderen verzweifelt an eine Heldin. Nein, nicht Hillary Clinton. Ausgerechnet First Lady Melania Trump soll die Gute sein im bösen Polit-Spiel", schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Und eine Autorin der "Washington Post" zieht aus der Tatsache, dass Melania auf den meisten Fotos nicht lächelt, den Schluss: "Für eine Frau, die mal als Model gearbeitet hat, die vorgeblich geübt ist in nonverbaler Kommunikation, scheint die Bereitschaft, auf ein Lächeln zu verzichten, weniger ein Zufall zu sein, als vielmehr ein minimaler Akt persönlicher Unabhängigkeit und Rebellion. Sie ist hier für euch, aber sie wird nicht für euch den Hampelmann machen."

Bleibt abzuwarten, inwieweit sie sich diese Unabhängigkeit bewahren kann, wenn sie ab dem 14. Juni, wie die Nachrichtenseite "Politico" berichtet, ins Weiße Haus zieht.

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