"Krachende Niederlage": So kommentieren deutsche Politiker die Wahl in Großbritannien

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"Krachende Niederlage": So reagieren deutsche Politiker auf die den Wahlausgang in Großbritannien | dpa
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  • Ohrfeige für Theresa May und die Tories, Riesenerfolg für Jeremy Corbyn und Labour - so die knappe Zusammenfassung der britischen Parlamentswahl
  • Ähnlich sehen das auch deutsche Politiker - nur bei der Fortführung der Brexit-Verhandlungen herrscht Uneinigkeit

Theresa May hat sich verspekuliert. Die konservativen Tories unter Führung der Premierministerin haben die absolute Mehrheit verfehlt. Auf der anderen Seite konnte die sozialdemokratische Labour-Partei mit Jeremy Corbyn deutliche Zugewinne machen.

Natürlich wurde auch Deutschland Ausgang der Parlamentswahl in Großbritannien aufmerksam verfolgt.

Doch wie schätzten die deutschen Politiker die Wahlschlappe der konservativen Tories? Wie verlaufen die Brexit-Verhandlungen weiter? Und was bedeutet das Wahlergebnis in Großbritannien für die Bundestagswahl?

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sieht in der Abstimmung einen Warnschuss für die Bundestagswahl. "Entschieden wird an der Wahlurne, nicht in Umfragen", sagte sie der HuffPost. "Das müssen wir auch in Deutschland beherzigen."

Für die FDP bedeute das: "Wir freuen uns zwar über gute Umfrageergebnisse, kämpfen aber bis zuletzt um jede Stimme - mit Inhalten, nicht mit einem Ich-bin-ich-Programm." Damit sei May gescheitert - und "damit könnten auch in Deutschland einige scheitern."

Schulz: "Was für eine Aufholjagd!"

Martin Schulz hingegen freut sich über das gute Ergebnis von Labour und ihres Parteivorsitzenden Corbyn. Auf Twitter gratuliert er dem Genossen. "Was für eine Aufholjagd!", so Schulz euphorisch. "Labour hat im Wahlkampf auf das Thema gesetzt, das die Menschen überall in Europa bewegt: Gerechtigkeit."

Schulz nannte das Wahlergebnis "gigantisch" für Labour. Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl sagte er, Labour habe den Wahlkampf mit Themen wie Gerechtigkeit, Solidarität, Zusammenhalt in der Gesellschaft geprägt. Das seien auch die Themen, mit denen die SPD in Deutschland den Wählern ein Angebot mache.

Martin Schulz kündigte sogar schon an, sich mit Jeremy Corbyn für Gespräche treffen zu wollen.

Schulz: "Eine krachende Niederlage für Theresa May"

Zugleich war das Wahlergebnis "eine krachende Niederlage für Theresa May", schrieb Schulz auf Facebook. Aber auch die Brexit-Befürworter hätten sich eine "schallende Ohrfeige" eingefangen. Im Londoner Parlament gebe es nun eine Mehrheit von Brexit-Skeptikern, so Schulz bei einer Diskussionsveranstaltung an der Uni Gießen. "Ich glaube, dass da jetzt eine große Dynamik reinkommt."

"Die Brexit-Verhandlungen werden in einem völlig neuen Licht zu bewerten sein", betonte der SPD-Chef später in Frankfurt am Main. So könne die nordirische Democratic Unionist Party (DUP), die die Tories in einem Parlament ohne Mehrheit dulden wolle, kein Interesse daran haben, dass die EU-Außengrenze zwischen der Republik Irland und Nordirland verläuft.

Mehr zum Thema: Was Martin Schulz von Corbyns Erfolg lernen muss, wenn er doch noch Kanzler werden will

"Sie (May, Anm. d. Red.) hat gesagt, sie will eine starke Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union", erinnerte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). "Die hat sie nicht bekommen. Ich finde, die britischen Bürgerinnen und Bürger haben gezeigt, dass sie mit sich nicht spielen lassen wollen", so Gabriel in Wolfenbüttel.

Lambsdorff: "Ergebnis macht Brexit-Verhandlungen nicht einfacher"

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir sah im Wahlergebnis eine Richtungsentscheidung für die EU-Austrittsverhandlungen: "London muss einsehen, dass Zugeständnisse notwendig sind, um die Brexit-Verhandlungen erfolgreich abzuschließen. Die neue Regierung muss zügig ihre Position gegenüber der EU-27 klarstellen."

Allerdings warnte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger auch vor einem schwachen Verhandlungspartner. Damit laufe man Gefahr, "dass die Verhandlungen für beide Seiten schlecht laufen", so Oettinger im Deutschlandfunk.

Vor allzu großer Euphorie in Brüssel warnte der Vizepräsident des Europaparlaments und FDP-Präsidiumsmitglied Alexander Graf Lambsdorff. "Das Ergebnis wird die Verhandlungen über den Brexit nicht einfacher machen, da die britische Seite geschwächt und nervös in Brüssel erscheinen wird", warnt Lambsdorff.

Skeptisch zeigte sich auch CDU-Brexit-Experte Elmar Brok: "Ich kann der EU nur raten, abzuwarten und sich nicht einzumischen."

Linke: "Ein ermutigendes Signal gegen den Rechtsruck in Europa"

Die Linke-Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger sehen im Wahlausgang "ein ermutigendes Signal gegen den Rechtsruck in Europa und zeigen, wie wichtig den Menschen soziale Gerechtigkeit ist."

"Weder mit Nationalismus und Anti-EU-Rhetorik noch mit linker Sozialromantik lassen sich Mehrheiten erreichen. Diese Botschaft aus Frankreich hat nun auch die Britischen Inseln erreicht", zeigte Ingo Kramer erfreut. Er ist der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

In eine gänzlich andere Richtung interpretiert AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland das Votum der Briten. Das hätte "relativ wenig mit dem so sehr gefürchteten Brexit zu tun". Vielmehr hätte May die absolute Mehrheit deswegen verfehlt, "weil sie die innere Sicherheit und allen voran die Terrorgefahr nicht zügig in den Griff bekommen hat", glaubt Gauland.

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