NACHRICHTEN
09/06/2017 09:15 CEST | Aktualisiert 09/06/2017 12:07 CEST

Heroin-Sucht: Forscher arbeiten an Impfstoff gegen die Droge - so vielversprechend sind Versuche

xubingruo via Getty Images
Ein Forscher-Team vom Scripps Research Institute in Kalifornien hat ein Verfahren vorgestellt, der Süchtigen in Zukunft möglicherweise dabei helfen könnte, von Heroin wegzukommen.

  • Wissenschaftler haben an Affen einen Impfstoff getestet, der Heroin im Blut der Tiere neutralisiert

  • Eines Tages könnte das Vakzin Suchtpatienten helfen, von der Droge loszukommen

  • Ob der Impfstoff jemals für Menschen zugelassen wird, ist bislang noch unklar

Heroin tötet jedes Jahr weltweit unzählige Menschen. Erst am Dienstag hat die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union Alarm geschlagen: Demnach ist die Zahl der Drogentoten in den 28 EU-Staaten sowie in der Türkei und Norwegen zum dritten Mal in Folge gestiegen. In den USA hat sich die Zahl der Heroin-Konsumenten in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt.

Heroin macht erst high und zerstört den Drogensüchtigen dann Stück für Stück, körperlich wie psychisch.

Nun hat ein Team um die Wissenschaftler Paul Bremer und Kim Janda vom Scripps Research Institute in Kalifornien ein Verfahren vorgestellt, der Süchtigen in Zukunft möglicherweise dabei helfen könnte, von der Droge wegzukommen. Die Wissenschaftler haben einen Impfstoff gegen Heroin an Affen getestet, wie die “Süddeutsche Zeitung” berichtet.

Im Fachmagazin "Journal of the American Chemical Society" schreiben die Wissenschaftler, den Impfstoff erstmals erfolgreich an Rhesusaffen getestet haben. Tests an Ratten hatten schon früher vielversprechende Ergebnisse geliefert.

Impfstoff verhindert die Wirkung der Droge

Im aktuellen Versuch löste der Impfstoff demnach eine Immunreaktion im Körper der Affen aus. Daraufhin sollen sich Antikörper an das Heroin und sein Abbauprodukt 6-Acetylmorphin gebunden haben - und die Droge so unwirksam gemacht haben. Damit konnte die Droge den Forschern nach die so genannte Blut-Hirn-Schranke nicht durchschreiten und im Gehirn an einen Rezeptor andocken.

Das ist das Besondere an dem neuen Therapie-Ansatz. Denn die Rezeptorbindung führt eigentlich zu den Wirkungen der Droge: ein Rauschzustand, auf den ein Gefühlstief und Verwirrtheit folgen. Im Extremfall kann es auch zu einem Kreislaufstillstand kommen.

In Folge der Behandlung der Affen mit dem Impfstoff Vakzin blieb der Effekt des Heroins bei unterschiedlich starken Dosierungen laut den Forschern weitgehend aus. Genau wie nennenswerte Nebenwirkungen.

Das könnte euch auch interessieren: 11 interessante Fakten über Heroin

Die Wirkung der Impfung ist bisher zeitlich begrenzt

Im ersten Monat nach der Behandlung war die beschriebene Wirkung dem Zeitungsbericht zufolge besonders hoch und endete nach etwa acht Monaten. Zwei der untersuchten Affen zeigten demnach eine besonders starke Reaktion auf die Impfung. Diese beiden Affen waren bereits schon einmal geimpft worden.

Die Forscher hoffen nun auf eine Art Erinnerungsfunktion des Körpers, der auch Menschen helfen könnte.

Ein weiterer Effekt der Impfung ist laut der "Süddeutschen Zeitung" besonders: Da die Therapie verhindert, dass die Droge die Blut-Hirn-Schranke durchdringt, könnten Suchtpatienten weiterhin mit Schmerzmitteln und anderen Notfall-Präparaten behandelt werden, die an den Rezeptoren im Gehirn andocken.

Hoffnung auf Hilfe für Heroinsüchtige

Die Ergebnisse lassen die Forscher hoffen, dass es eines Tages möglich ist, Heroinsüchtige zu impfen. Dies könnte den Patienten helfen, von der Droge wegzukommen, weil der Rausch ausbleibt. Damit nimmt die Motivation ab, sich einen weiteren Schuss zu setzen.

Aber genau darin besteht auch eine Gefahr. Denn: bleibt der Rausch aus, könnten sich Süchtige genötigt sehen, die Dosis zu erhöhen oder auf andere Drogen umzusteigen.

Vakzin soll nun in klinischen Studien getestet werden. "Wir glauben, dieser Impfstoff wird sich auch in Tests mit Menschen als sicher herausstellen", sagt Studienautor Janda. Es ist aber zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar, ob das Mittel jemals für Menschen zugelassen wird.

Mehr zum Thema:

Mit dem Foto ihres sterbenden Sohnes warnt eine Mutter vor einem unterschätzten Suchtmittel

Wie es sich anfühlt, von einem kiffenden Vater großgezogen zu werden

(cho)

Sponsored by Trentino