Wahlen in Großbritannien: Was passiert, wenn die britische Premierministerin die Mehrheit verliert

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THERESA MAY
Wahlen in Großbritannien: Was passiert, wenn die britische Premierministerin die Mehrheit verliert | POOL New / Reuters
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  • Umfragen zeigen: Die Konservativen in Großbritannien könnten die Mehrheit verlieren
  • Dieser Ausgang der Wahl hätte wohl bedeutende Auswirkungen auf die Brexit-Verhandlungen

Es könnte knapp werden für die britische Premierministerin Theresa May. Nach den jüngsten Umfragen droht ihrer Partei sogar, die Mehrheit im Unterhaus zu verlieren.

Von der Wahl hängt auch die Herangehensweise der Briten an die Brexit-Verhandlung ab. Ihr Ausgang könnte weitreichende Auswirkungen darauf haben, wie sich Großbritannien von der Europäischen Union trennt.

Sollte May ihre Mehrheit verlieren, gibt es zwei Möglichkeiten:

► Ihre Tories-Partei erhält immer noch die meisten Stimmen. May müsste dann mit einer Koalition oder in einer Minderheiten-Regierung weitermachen. Letzteres gilt als wahrscheinlicher, da in Großbritannien Koalitionsregierungen nicht üblich sind.

► Ihr Herausforderer, Labour-Chef Jeremy Corbyn, holt die Mehrheit der Stimmen und wird Premierminister.

May braucht eine Mehrheit im Unterhaus

Premierministerin May möchte mit der vorgezogenen Unterhauswahl eine größere Mehrheit für ihre konservativen Tories. Ein deutlicher Wahlsieg würde ihr mehr Handlungsfähigkeit bei den bevorstehenden Brexit-Verhandlungen geben.

Die Regierungschefin hält weiterhin an einem "harten Brexit" fest. Sollten ihre Bedingungen nicht erfüllt werden, hat sie bereits gedroht, die Verhandlungen platzen zu lassen: Kein Deal sei besser als ein schlechter.

Dann wäre das Schicksal der drei Millionen EU-Ausländer auf den britischen Inseln ungewiss. Auch der Zugang zum Binnenmarkt der EU wäre für Großbritannien dann ungeklärt.

Sollten die Tories ihre Mehrheit verlieren, aber immer noch die meisten Stimmen erhalten und damit die Premierministerin mit May stellen, könnte ihr "harter Brexit" scheitern. Schließlich hatte May angekündigt, dass das Parlament dem finalen Brexit-Deal mit der EU noch zustimmen darf.

Und wenn Labour gewinnt?

Bei insgesamt 650 Abgeordneten im Unterhaus ergäbe sich rechnerisch bei 326 Stimmen eine absolute Mehrheit. In den 650 Wahlkreisen gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen - die übrigen Stimmen entfallen und werden auch landesweit nicht berücksichtigt.

Dass Jeremy Corbyns Labour-Partei die absolute Mehrheit im Parlament erreicht, gilt als unwahrscheinlich. Es ist jedoch möglich, dass Labour die Wahl tatsächlich gewinnt. In diesem Fall müsste Corbyn eine Koalition schmieden oder eine Minderheiten-Regierung bilden, um Regierungschef zu werden.

Eine Koalition hat Corbyn allerdings schon ausgeschlossen.

Brexit-Verhandlungen sollen nächste Woche beginnen

Sollte Corbyn an die Macht kommen, dürfte sich der Beginn der Brexit-Gespräche verzögern. Brüssel wünscht sich einen Start der Austrittsverhandlungen in der Woche ab dem 19. Juni.

Im Gegensatz zu seiner Kontrahentin scheint Corbyn offen für Kompromisse und Übergangslösungen. "Kein Deal wäre in Wirklichkeit der schlechteste Deal von allen", sagte er im Vorfeld der Wahl.

Mit Corbyn würden sich die Brexit-Verhandlungen vermutlich einfacher gestalten.

Doch fest steht: Sollte keine der beiden großen Parteien die deutliche Mehrheit erreichen, erschwert sich der gesamte Brexit-Prozess.

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