"The Dinner" im Kino: Deshalb lohnt sich der Film

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THE DINNER
An diesem Tisch werden dunkle Geheimnisse serviert. Richard Gere und Steve Coogan brillieren im neuen Kammerspiel "The Dinner". | ChubbCo Film
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  • "The Dinner": Der Kinofilm der Woche am 8. Juni
  • Filmfans sagen: "The Dinner" sollte man nicht verpassen
  • Ein Dinner-Abend mit Richard Gere wird zum Thriller

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"The Dinner" - das Kino-Highlight am Donnerstag, den 8. Juni:

Bei einem Familiendinner kommen mit den beiden ungleichen Brüdern Stan (Richard Gere) und Paul Lohmann (Steve Coogan) und ihren beiden Ehefrauen Claire (Laura Linney) und Katelyn (Rebecca Hall) nicht nur sehr unterschiedliche Menschen zusammen, sondern auch düstere Geheimnisse auf den Tisch.

Die Söhne der beiden Paare haben ein schlimmes Verbrechen begangen. Nun ist es an den Erwachsenen, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Der Film basiert auf dem Roman „"Het Diner"” des niederländischen Autors Herman Koch.

Gesellschaftsdrama am Restaurant-Tisch

Die elementaren Probleme unserer Gesellschaft werden gerne in Polit-Thrillern wie "House of Cards" oder Dystopien wie "The Walking Dead" thematisiert.

Doch es geht auch auf einer völlig anderen Ebene: In "The Dinner” wird die Familie als kleinste Einheit der Gesellschaft exemplarischer Austragungsort für Themen wie Gewalt und Verantwortung. Es ist ein unheilvolles Kammerspiel, bei dem mit jedem Gang ein neues düsteres Geheimnis aufgetischt wird.

Auch die Zusammensetzung der Dinner-Gemeinschaft ist exemplarisch für die moderne Gesellschaft, denn in "The Dinner" werden Gewinner und Verlierer an einen Tisch zusammen gerufen: Stan Lohmann ist der Muster-Sohn, ein erfolgreicher Politiker, der für das Amt des Gouverneurs kandidiert.

Sein Bruder Paul ist der Verlierer, dessen Leben wegen Depressionen aus der Bahn geraten ist. Diese beiden so ungleichen Männer haben aber etwas gemeinsam: Ihre beiden Söhne, aufgewachsen in einem reichen Umfeld und dadurch blind geworden für die Not anderer, haben eine Obdachlose mit Streichhölzern angezündet und dadurch umgebracht.

Regisseur Moverman als Moralapostel

Die schreckliche Tat der Jungen ist bislang unentdeckt geblieben, aber es bleibt die Frage, ob die Eltern nicht die Pflicht haben, mit ihrem Wissen zur Polizei zu gehen. Sehr wohl wissen sie aber auch, dass das die Zukunft ihrer Kinder zerstören und auch Stans politische Karriere beenden würde.

Regisseur Oren Moverman genießt seit seinem Debüt "The Messenger" den Ruf, ein scharfer Gesellschaftskritiker zu sein und hat das in "The Dinner” aufs Neue bestärkt. Die Konstellation erinnert an Roman Polańskis "Der Gott des Gemetzels", doch der Deckmantel der moralischen Überlegenheit ist bei Movermanns Thriller wesentlich dünner. Zu schwer wiegt das Verbrechen der Kinder.

Mit der elterlichen Schutzfunktion gegenüber der bürgerlichen Pflicht treffen zwei elementare gesellschaftliche Systeme aufeinander und so entsteht eine Tragik, die über die filmische Ebene hinaus wirkt.

Das Anzünden einer Obdachlosen mag als Aufhänger der Geschichte etwas weit hergeholt wirken, aber man muss ihn symbolisch verstehen: Es geht nicht um diese eine Familie, um dieses eine Dinner. Es geht um die Gewalt innerhalb der Gesellschaft, die sich oft in genau dieser unverständlichen Weise zeigt.

Gerade deshalb ist "The Dinner” ein Film, der Kinobesucher noch eine ganze Weile nach dem Verlassen des Saals weiter beschäftigen sollte.

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(mtr)