Kandidat im Umfragetief: Jetzt verteidigt einer der bekanntesten Armutsforscher Martin Schulz

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SCHULZ
SPD-Kandidat Martin Schulz | Fabrizio Bensch / Reuters
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  • SPD-Kandidat Martin Schulz steckt im Umfragetief
  • Die Kritik an seinen Themen reißt nicht ab
  • Jetzt springt ihm einer der bekanntesten Armutsforscher Deutschlands bei

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor falschen Ratgebern gewarnt.

Als Beispiel nannte Butterwegge den Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, der kürzlich gesagt hatte, die soziale Gerechtigkeit werde im Bundestagswahlkampf wohl nur eine untergeordnete Rolle spielen, da es den Deutschen wirtschaftlich gutgehe.

"Natürlich gibt es Missstände"

"Solche Ratgeber wünschen sich doch im Grunde nur Schlechtes für die SPD", sagte Butterwegge am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Köln. "Hüther empfiehlt der SPD eine FDP-Strategie."

Hüther hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt: "Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Verteilungs- und Gerechtigkeitsfragen auf der Tagesordnung bleiben. Missstände zu beschreiben, wo keine jetzt so richtig sind, ist auch schwierig."

Butterwegge war bei der Bundespräsidenten-Wahl als Kandidat der Linken angetreten. Er gilt als einer renommiertesten Armutsforscher Deutschlands.

Die Aussage, es gebe in Deutschland keine sozialen Missstände, sei absurd, sagte Butterwegge. "Es fehlt zum Beispiel bezahlbarer Wohnraum, viele Geringverdiener wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen - wird das jetzt nicht mehr als Missstand anerkannt?"

"Nicht überzeugend inhaltlich gefüllt"

Dass man mit solchen Themen im Wahlkampf durchaus punkten könne, habe gerade erst der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn bewiesen.

"Vor allem auch in der jungen Generation erreicht man damit Mobilisierungseffekte", sagte Butterwegge.

"Das Problem bei Martin Schulz ist nicht, dass er das Thema soziale Gerechtigkeit aufgebracht hat, sondern dass er es nicht überzeugend inhaltlich gefüllt hat."

Die SPD ist in Umfragen zuletzt immer weiter eingebrochen. Laut der aktuellsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Magazin "Stern" und den TV-Sender RTL trennen SPD und Union inzwischen wieder ganze 15 Prozentpunkte.

Kurz nachdem Schulz als Kanzlerkandidat vorgestellt wurde, überholte die SPD die Konservativen in einigen Umfragen sogar. Das war im Frühjahr. Je näher die Wahl im Herbst rückt, desto mehr Zustimmung verliert Schulz.

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