"Markus Lanz": Islamismus-Experte benennt den Zusammenhang zwischen Religion und Terror

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MANSOUR
Islamexperte Ahmad Mansour bei Markus Lanz | screenshot
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Es war, als würden die Worte aus ihm herausplatzen. In der Talkshow "Markus Lanz" prangerte der Psychologe und Islamismus-Experte Ahmad Mansour das Schweigen vieler Muslime zu der jüngsten Serie von Terroranschlägen mit deutlichen Worten an.

"Ich schäme mich, mit den Tätern eine Sprache, eine Religion und ein Buch zu teilen", sagte er. "Ich finde keine Worte, um dies zu beschreiben, außer dieser ganz starken Scham."

Der Programmdirektor der European Foundation for Democracy ist Islamismus-Experte. Er gehörte zudem jahrelang der deutschen Islamkonferenz an. In dieser Zeit wollte er unter anderem eine Debatte über Antisemitismus unter deutschen Muslimen anstoßen, stieß damit aber nicht bei allen Teilnehmern auf Gegenliebe. Heute arbeitet er für Hayat, eine Berliner Beratungsstelle gegen Radikalisierung.

"Ungeheur im Namen der Religion"

In der Talkshow stellte er nun die oft geäußerte Behauptung in Frage, dass islamistischer Terror nichts mit dem Islam als Religion zu tun habe. "Es gibt ein gewisses Islamverständnis, das wir endlich, endlich benennen müssen", so Mansour. Er selbst stand als Jugendlicher kurz davor, Terrorist zu werden.

"Wir haben uns nicht die Frage gestellt, wie solche Ungeheuer im Namen unsere Religion entstehen."

Er nannte als Beispiel die Vorstellung von einem Gott, der die Menschen entmündige und dessen Regeln man sich unterwerfen müsse und eine Konzentration auf das Jenseits, die unterstellt, dass dieses Leben unbedeutend sei.

Dies erleichtere es Terroristen, Menschen zu Selbstmordattentaten zu überreden: "In einer Sekunde bist du bei Gott und bekommst alles, was du willst."

"Muslime wir Kuscheltiere behandelt"

Verschärft würde dieses Problem durch linke Politiker, die Muslime "wie Kuscheltiere" behandeln. Lehrer, die fastenden muslimischen Kindern versuchten, davon zu überzeugen, dass sie in der Hitze des Sommer trinken müssten, seien zum Beispiel von Linken attackiert worden.

"Wir Muslime müssen in der Lage sein, den Jugendlichen, der neuen Generation, eine Religion anzubieten, die ohne Wenn und Aber hinter der Demokratie und Menschenrechten steht", appellierte er.

Donnernder Applaus unter den Zuschauern. "Ein bemerkenswerter Satz", resümierte Lanz.

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