Im Strudel der Katar-Krise schlägt sich Erdogan auf die Seite des Emirat - das hat gute Gründe

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ERDOGAN QATAR
Im Strudel der Katar-Krise schlägt sich Erdogan auf die Seite des Emirat - was das bedeutet | Handout . / Reuters
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  • Inmitten der diplomatischen Krise um Katar baut die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit dem Emirat aus
  • Türkeis Präsident Erdogan zeigt mit dem Schritt einerseits seine Solidarität mit dem Emirat
  • Andererseits könnte die Türkei auch versuchen, wirtschaftlich und politisch von der Isolation Katars zu profitieren

Die Fronten in der Katar-Krise werden zunehmend klarer. Nun hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Position bezogen. Inmitten der diplomatischen Krise am Persischen Golf baut die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit dem Emirat aus.

Das Parlament in Ankara ratifizierte am Mittwochabend ein Abkommen, wonach die Türkei zusätzliche Truppen in Katar stationieren und Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden wird. Das Abkommen sieht auch gemeinsame Übungen der Streitkräfte beider Länder vor. Das vermeldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Erdogan: "Wir missbilligen die Sanktionen gegen Katar"

Bereits am Dienstagabend hatte Erdogan die Isolation des Emirats seitens Saudia-Arabiens und anderer arabischer Staaten kritisiert. Die derzeitige Lage nütze "keinem der Länder in der Region", er missbilligte die Sanktionen. Und: "Sie kommen zu einer Zeit, in der wir Solidarität und Zusammenarbeit mehr denn je benötigen", so Erdogan.

Denn die Türkei pflegt bereits seit längerem gute Beziehungen zu Katar - doch die bestehen bislang auch zu den anderen anderen Golfstaaten.

Was steckt also hinter dem jüngsten Schritt?

Erdogan könnte sich für einen Gefallen revanchieren wollen: Noch in der Nacht des türkischen Putsches im vergangenen Sommer sicherte Katars Scheich Tamim bin Hamad Al Thani dem türkischen Staatsoberhaupt Solidarität zu. Mehr noch: Er bot Erdogan sogar ein Flugzeug zur Flucht ins Emirat an.

Die Türkei will seinen Einfluss in der Golfregion nicht verlieren: Der jüngste Schritt deute darauf hin, "dass die Türkei ihre Verteidigungsbindungen mit Katar als eine unentbehrliche Säule ihrer strategischen Haltung in der Region sieht", erklärte der türkische Verteidigungsexperte Can Kasapoglu "Al Jazeera". "Die Militärbasis in Katar ist eine wichtige Machtprojektion für die Türkei", fügte Kasapoglu hinzu.

Ankara könnte von der Krise auch wirtschaftlich profitieren: Saudi Arabien hat seine Landesgrenze zu Katar geschlossen, zusammen mit den anderen Golfstaaten wird versucht, auch die Verbindungen über das Meer oder die Luft größtmöglich einzuschränken. Vor allem die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Wasser könnte auf Dauer problematisch werden - es soll deshalb bereits zu Hamsterkäufen gekommen sein. Katar verhandelt deshalb mit der Türkei und dem Iran, um die Versorgung sicherzustellen. Außerdem ist das Emirat ein wichtiger Standort für türkische Bauunternehmen. Diese sollen dort Aufträge in Höhe von fast 15 Milliarden US-Dollar realisieren.

Die beiden Länder pflegen beide ein enges Verhältnis zu zu radikal-islamischen Organisationen: Die Golfstaaten und Ägypten beschuldigen Katar, die Hamas und die Muslimbruderschaft zu unterstützen. Erdogan hält die Vorwürfe hingegen für "unbegründet". Auch der türkische Präsident demonstriert gerne seine Verbundenheit mit beiden Organisationen. Zudem kursieren auch seit längerem Berichte, wonach der türkische Geheimdienst Waffen an extremistische Gruppen in Syrien geliefert haben soll.

Mehr zum Thema: Eklat am Golf: Darum geht es bei der diplomatischen Krise zwischen Katar und seinen Nachbarn

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(lp)