Trump reagiert nicht auf die Vorwürfe des Ex-FBI-Chefs - die Attacken übernimmt sein Sohn

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DONALD TRUMP JUNIOR
Trump reagierte nicht auf die Vorwürfe des Ex-FBI-Chefs - die Attacken übernahm sein Sohn | Bill Clark via Getty Images
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  • Während der Anhörung von Ex-FBI-Direktor Comey blieb US-Präsident Trump schweigsam
  • Die Attacken übernahm sein Sohn, Donald Trump Junior, mit einer regelrechten Twitter-Tirade

US-Präsident Donald Trump blieb zunächst ruhig. Während der von ihm gefeuerte FBI-Direktor James Comey vor dem Geheimdienstausschusses aussagte, griff Trump kein einziges Mal zu seinem Handy, um einen Tweet abzuschicken.

Die Attacken auf Comey übernahm dagegen sein ältester Sohn, Donald Trump Junior. Über 20 Tweets setzte der während der rund zweieinhalbstündigen Anhörung ab.

Comey nannte den US-Präsidenten einen Lügner und belastete ihn stellenweise schwer. Trump Junior versuchte selbstverständlich, seinen Vater in ein positives Licht zu rücken – mit aus dem Kontext gerissenen Aussagen und persönlichen Attacken gegen den ehemaligen FBI-Direktor.

Keine große Sache, findet Trump Junior

Die Republikaner hatten auf dem Kurznachrichtendienst für die Anhörung an diesem Donnerstag den Hashtag "Big League Truths", also zu Deutsch etwa "hochklassige Wahrheiten", ausgegeben. Eine Anspielung auf eines der Lieblingsworte des US-Präsidenten.

Nach wenigen Minuten dachten die Republikaner und Trump Junior eine solche hochklassige Wahrheit ausgemacht zu haben. "Gemäß Comey hat der US-Präsident nie verlangt, die Russland-Untersuchungen einzustellen. Russland hat auch keine Stimme während der Wahl manipuliert. Gut zu wissen", hieß es auf dem Twitter-Account der Republikaner.

"Keine große Sache, oder?", kommentierte Trump Junior.

Ob Trump von Comey die Einstellung der Untersuchung forderte, war einer der zentralen Punkte der Anhörung. Sollte der Präsident das tatsächlich mit Absicht gefordert haben, könnte ihm das als Behinderung der Justiz ausgelegt werden - und damit als Vergehen, das ein Amtsenthebungsverfahren rechtfertigt.

Später erklärte Comey, er habe Trumps Aussage über die Flynn-Untersuchung, "Ich hoffe, Sie können das fallenlassen", als Anweisung empfunden.

Trump Junior attackiert Comey persönlich

Trump Junior schrieb, bei seinem Vater könne man immer sicher wissen, wenn er etwas als Befehl meine.

Der ehemalige FBI-Direktor beantwortet die Frage, warum er dem US-Präsidenten nicht klar gemacht habe, dass eine solche Forderung nach der Einstellung einer laufenden Untersuchung nicht rechtmäßig sei. Comey sagte, er sei dazu nicht stark genug gewesen.

Das nutzte Trump Junior für eine persönliche Attacke: "Wenn er ein 'stärkere Kerl' gewesen wäre, hätte er ein Verfahren eingeleitet und das Gesetz befolgt? Sie waren der Direktor des FBI, wen wollen sie verarschen?"

Die größte Offenbarung waren für Trump Junior allerdings Comeys Aussagen über die Presse. Der bezeichnete einige der Artikel, die sich auf anonyme Quellen im Weißen Haus stützten, als falsch. Außerdem gab er zu, nach einem Tweet von Trump ein Memo an einen Freund an die Presse weitergegeben zu haben.

"Hab ich etwas verpasst oder hat Comey gerade gesagt, dass er einen Freund gesagt hat, Informationen an die Presse zu geben? Ist das ein Witz?", schrieb Trump Junior.

Trump Junior nahm das als Anlass, die Integrität von Comey in Frage zu stellen. Den Aussagen des ehemaligen FBI-Direktors an diesem Donnerstag nimmt das allerdings nicht deren Brisanz.

Die wahre Geschichte sei eine andere

Ein Kommentator der "Washington Post" sagte über Trump Juniors Twitter-Tirade: "Er ist sehr gut darin, sich die Rosinen herauszupicken."

Nach dieser bemerkenswerten Anhörung folgt wieder einmal das altbekannte Spiel: Die Anhänger des Präsidenten versuchen, die Geschichte positiv für Trump zu drehen - und greifen sich die Aussagen heraus, die ihre Sicht unterstützen.

So teilte Trump junior als Fazit einen Tweet seines Vaters. Darin heißt es: "Die wahre Geschichte, stellt sich heraus, handelt von Überwachung und Leaks." Und nicht von der möglichen Behinderung der Justiz durch den US-Präsidenten.

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(lp)