Corbyn will die britische Premierministerin stürzen: Das denkt seine Labour-Partei über den Brexit

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Jeremy Corbyn will Theresa May ablösen. | ISABEL INFANTES via Getty Images
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Das hatte sich Theresa May anders vorgestellt.

Die britische Premierministerin hatte vorgezogene Neuwahlen in der Hoffnung einberufen, ihre Mehrheit im Parlament auszubauen. Sie fordert Rückhalt bei den Brexit-Verhandlungen und warf der Opposition, allen voran der Labour-Partei vor, diese manipulieren zu wollen.

Doch ausgerechnet jetzt bröckelt Mays Rückhalt in der Bevölkerung. Neue Umfragen zeigen, dass die lange tot gesagte Labour-Partei nicht viele Prozentpunkte von einem Wahlsieg trennen.

Bislang ist es nur ein theoretisches Szenario: Doch ausgeschlossen ist nicht, dass Labour-Chef Jeremy Corbyn heute Abend die Premierministerin stürzt. Was würde das für den Brexit bedeuten?

Das sind die Brexit-Eckpunkte der Labour-Partei:

► Vor dem Referendum zum Brexit hatte Labour, ebenso wie die konservativen Tories, einen Austritt aus der Europäischen Union abgelehnt.

► Aber: Labour akzeptiert den Ausgang des Brexit-Referendums und will nun eine neue Beziehung mit der EU: "Nicht als Mitglied, aber als Partner“.

► Labour will weiterhin vom gemeinsamen Markt und der Zollunion profitieren. Dass das nicht funktionieren kann, hat man in Brüssel jedoch bereits unmissverständlich deutlich gemacht. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte: "Ich habe das Gefühl, dass sich einige in Großbritannien darüber noch Illusionen machen. Das aber wäre vergeudete Zeit."

► Corbyn will, dass Großbritannien weiter in den Forschungsorganisationen der EU vertreten ist. So etwa in der Europäischen Atomgemeinschaft. Auch am Studentenaustauschprogramm Erasmus will die Labour-Partei weiter teilnehmen.

► Labour will sich für EU-Bürger einsetzen, die in Großbritannien arbeiten. Die Tories hatten immer wieder angedeutet, diese in den Verhandlungen mit der EU als Druckmittel einsetzen zu wollen. Über 2 Millionen Europäer in Großbritannien fürchten um ihre Zukunft.

► Corbyn steht dem Konzept der offenen Grenzen im Gegensatz zu May eher positiv gegenüber. May will dafür sorgen, das jährlich höchstens 100.000 Menschen mehr aus dem Ausland nach Großbritannien ziehen, als Menschen im selben Jahr das Land verlassen. Die Labour-Partei lehnt eine solche Quote ab. Ein genaues Konzept für die Migrationspolitik haben aber beide Parteien noch nicht vorgelegt.

► Im Gegensatz zu den Tories lehnt die Labour-Partei ein Scheitern der Brexit-Verhandlungen kategorisch ab. May hatte immer wieder erklärt: "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal.“ Corbyn hingegen will am Verhandlungstisch "sensibler und seriöser“ auftreten.

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