Comey verzichtet auf Frontalangriff gegen Trump – gerade das bringt den Präsidenten in Bedrängnis

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Comey verzichtet auf Frontalangriff gegen Trump – gerade das bringt den Präsidenten in Bedrängnis | Bloomberg via Getty Images
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Es waren nicht die ganz schweren Geschütze, die der Ex-FBI-Chef James Comey bei seiner Anhörung im US-Senat gegen US-Präsident Donald Trump auffuhr.

Im Grunde bestätigte Comey bei der Befragung über die Hintergründe der Russland-Affäre vor allem das, was er bereits in seinem gestern veröffentlichten Eröffnungsstatement dargelegt hatte.

Doch gerade weil sich der ehemalige Geheimdienst-Direktor nicht in wilden Anschuldigungen und unüberlegten Vorwürfen verzettelte, könnte sein Auftritt Trump schwer in Bedrängnis bringen.

Comeys wichtigste Punkte:

► Comey kritisierte, Trumps Regierung habe seine Entlassung als FBI-Chef mit einer schlechten Führung und einer schwachen Position der Bundespolizei begründet. "Dies waren Lügen, schlicht und einfach“, sagte er.

► Comey vertiefte seinen Vorwurf, Trump habe versucht, ihn anzuweisen, Ermittlungen gegen den inzwischen entlassenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallenzulassen. Trumps Worte: "Ich hoffe, Sie sehen einen Weg, das fallen zu lassen, von Flynn abzulassen", habe er als Anordnung verstanden.

► Auch Justizminister Sessions, der sich wegen möglicher Befangenheit aus den Ermittlungen in der Russland-Affäre heraushalten muss, rückte Ex-FBI-Chef Comey in den Fokus. Es gebe Gründe für diesen Schritt Sessions, die der Öffentlichkeit noch nicht bekannt seien, sagte Comey vielsagend.

Nüchtern und solide

Der ehemalige FBI-Chef machte bei seiner Befragung einen aufgeräumten Eindruck, konnte die Fragen der anwesenden Senatoren meist punktgenau beantworten – und schien seine Worte sehr bedacht zu wählen. Keine Spur von Verbitterung über den Mann, der ihn erst vor wenigen Wochen entlassen hatte.

Mehrmals wies Comey Fragen zurück, die er mit dem Verweis auf laufende Ermittlungen nicht beantworten wollte.

Comey ließ sich nicht auf Spekulationen ein. Die wenigen juristisch relevanten Vorwürfe, die er dem US-Präsidenten ganz direkt machte, dürften so umso schwerer angreifbar sein.

Die vielen Anekdoten, von denen der entlassene Geheimdienst-Direktor minutiös zu berichten vermochte, werfen zudem ein beunruhigendes Licht auf den Regierungsstil des US-Präsidenten, ohne dass Comey aus seiner Rolle fallen und in die Offensive gehen musste.

Anekdoten werfen kein gutes Licht auf Trump

So berichtete der Ex-FBI-Chef etwa von einem privaten Dinner mit dem US-Präsidenten. Er war überrascht, da er fest davon überzeugt gewesen sei, "dass auch andere anwesend“ sein würden, erzählt Comey.

Seine nüchternen aber vernichtenden Worte über Trump ("Es geht um seine Natur. Ich hatte den Eindruck, es könnte sein, dass ich die Aufzeichnungen brauchen werde, nicht nur um mich selbst zu verteidigen, sondern auch das FBI“) werden nachwirken.

Die Debatte um die Russland-Affäre kann so nur an Fahrt aufnehmen – für Trump wird es brenzlig. Am Ende dessen, was heute um 10 Uhr morgens amerikanischer Zeit im US-Senat begann, könnte Trumps Amtsenthebung stehen. Doch dafür braucht es Fakten.

Die ersten hat Comey nun geliefert.

Mit Material der dpa.

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