"Feige": ARD will Film über Antisemitismus in Europa nicht zeigen - und erntet heftige Kritik

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Proteste gegen Israel sind häufig von antisemitischen Vorurteilen begleitet (Symbolfoto) | getty
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Normalerweise sorgen Filme für Diskussionen, nachdem sie im Fernsehen liefen.

Eine Dokumentation über Judenhass in Europa sorgt nun jedoch für Streit, weil sie nicht gesendet wurde.

WDR und Arte weigern sich, den Film "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ auszustrahlen. In dem Film wird der Antisemitismus unter anderem in Deutschland, Frankreich, im Gazastreifen und im Westjordanland nachgezeichnet - auch der von Muslimen.

Viele verdächtigen die Sender nun, den Film zurückzuhalten, weil es darin auch um den Judenhass von Linken und Islamisten geht. Michael Hanfeld von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wirft den TV-Verantwortlichen jetzt sogar Feigheit vor.

Ausstrahlung wegen Formfehlern verweigert

"Es ist die Feigheit davor, sich mit dem wachsenden Antisemitismus auseinanderzusetzen, der die Wurzeln der deutschen wie der französischen Gesellschaft berührt. Dieser Antisemitismus kommt nicht nur von rechts, er kommt auch von der politischen Linken, und er ist ein Kennzeichen des radikalen Islams."

Die beiden Sender hatten die Filmemacher Joachim Schröder und Sophie Hafner mit dem Dreh beauftragt - dann aber die Ausstrahlung des Stücks wegen "Formfehlern" verweigert.

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Der Programmdirektor des Senders Arte, der Franzose Alain Le Diberder, begründet dies damit, dass ein ursprünglich vorgesehener dritter Koautor des Films, der deutsch-palästinensische Publizist Ahmad Mansour, abgesprungen sei. Dadurch sei die "Ausgewogenheit" des Filmes nicht mehr gegeben gewesen.

Eine sehr feinsinnige Argumentation, die bei vielen auf Unverständnis stößt. Nun hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland die TV-Sender aufgefordert, den Film freizugeben.

Kritik vom Zentralrat der Juden

Er maße sich nicht an, die Dokumentation der Autoren Joachim Schröder und Sophie Hafner journalistisch zu beurteilen, schrieb Zentralratspräsident Josef Schuster an den Arte-Präsidenten und SWR-Intendanten Peter Boudgoust. Warum formale Gründe aber die Ausstrahlung verhinderten, erschließe sich ihm nicht.

"Daher bitte ich Sie, die Entscheidung zu überdenken. Wie dargelegt halte ich die Ausstrahlung der Dokumentation für außerordentlich wichtig."

Unter anderem hatten sich die Historiker Michael Wolffsohn und Götz Aly für den Film ausgesprochen. Schuster erklärte, der Film sei vor dem zunehmenden, auf Israel bezogenen Antisemitismus höchst relevant.

Ihn zu zeigen, entspreche dem Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender.

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