POLITIK
07/06/2017 13:14 CEST | Aktualisiert 08/06/2017 13:46 CEST

Sagt die Fußball-WM in Katar endlich ab!

Getty/HuffPost
Sagt die Fußball-WM in Katar endlich ab!

Korruption, Sklaverei, Tote auf Baustellen – und nun eine diplomatische Krise, weil Katar Terroristen finanzieren soll. Niemals war eine Weltmeisterschaft so umstritten wie jene im Wüstenstaat, niemals war eine dem Fußball so unwürdig.

Spätestens jetzt muss es heißen: Sagt die WM in Katar endlich ab! Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat recht wenn er sagt, dass die „Diskussion über die Austragung ernsthaft geführt werden“ muss.

Große Turniere können nicht in Ländern gespielt werden, die Terroristen finanzieren und ihnen Unterschlupf gewährt. Ja, auf die Idee hätte man auch vorher kommen können. Die Vorwürfe stehen seit langer Zeit im Raum.

Schon die Wahl war eine Farce

Offenbar braucht es Saudi-Arabien, dass auch die deutsche Politik die WM deswegen in Katar hinterfragt. Es war höchste Zeit. Das Emirat ist einfach der falsche Gastgeber.

Diese WM hat nichts mehr mit Sport zu tun, sondern mit dem durchkommerzialisierten Fifa-System, das dafür sorgt, dass eine Fußball-WM in so einem Land wie Katar stattfinden kann.

Schon die Wahl war eine Farce.

Niemand mit Verstand hätte die Weltmeisterschaft dort stattfinden lassen. Mit ihren Petrodollars schmierten die Scheichs deswegen Fifa-Funktionäre, um den Zuschlag zu erhalten.

Doch bei Temperaturen über 50 Grad im Sommer und extrem hoher Luftfeuchtigkeit sind Fußballspiele dort undenkbar. Nun wurden die Spiele auf den Winter verlegt – es dauerte Jahre, bis die Fifa ihren Fehler zugeben wollte. Den Preis müssen nicht nur die Fußballligen zahlen, die ihren Spielplan umstellen müssen. Sondern auch die Fans.

Eine Farce war die Wahl auch deshalb, weil Katar quasi keine Fußballinfrastruktur besaß. Man hätte das Turnier auch auf dem Mond abhalten können. Acht neue Stadien muss das Land bauen - sowie die Metropolen drumherum gleich mit dazu.

Eine WM hat in diesem Land nichts verloren

Und das alles auf dem Rücken moderner Sklaven aus Indien und Pakistan. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass Löhne nicht gezahlt, die Arbeiter in winzigen Containern zusammenpfercht werden und so pro Jahr tausend Menschen auf den Baustellen sterben. Jeder kann den Blutzoll ausrechnen, den die Fifa für diese WM in Kauf nimmt.

Und nun der Vorwurf, dass Katar Terroristen unterstützt und Unterschlupf gewährt. Der Wüstenstaat bestreitet das zwar, doch kaum ein Experte zweifelt ernsthaft daran.

Doha soll den IS, die Muslimbruderschaft, die Hamas und Al Qaida mindestens indirekt unterstützen. Damit wäre das Land mitverantwortlich für Anschläge wie in Berlin, Manchester und London. Eine Weltmeisterschaft hat in einem solchen Land nichts verloren, wenn sich die Vorwürfe erhärten.

Wie lange will die Fifa bei diesem Chaos noch kommentarlos zuschauen?

Als am Wochenende die Terrorvorwürfe erhoben wurden, schwiegen sich die Fußballgrößen aus. Stattdessen müsste die Fifa von Katar maximal Aufklärung fordern. Aber die Anforderungen des Fußballweltverbandes an das Land sind denkbar dehnbar. Boykott-Forderungen ist die Fifa gewohnt, immer wieder lässt sie sie abschmettern und steckte dafür schon oft Hohn, Spott und radikale Kritik aus der Fußballwelt ein.

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Nach der WM 2006 in Deutschland wurde jedes WM-Turnier von Gegnern als Thema instrumentalisiert. 2010 in Südafrika herrschten Sicherheitsbedenken, vor dem Turnier 2014 in Brasilien gingen Millionen auf die Straße, um gegen die eigene Regierung und deren Prestige-Produkt WM zu demonstrieren.

Auch beim Turnier in Russland im kommenden Jahr hat man ein schlechtes Gefühl - nicht nur, weil auch sie unter Korruptionsverdacht steht.

Präsident Putin sichert mit den Spielen die Macht seines Regimes, das auf Korruption gebaut ist, Homosexuelle verfolgt, die Meinungsäußerung einschränkt und in Europa Grenzen verschoben hat. Die völkerrechtswidrige Annexion der Krim hätte auch ein Grund sein können, die WM in Russland abzusagen.

Ein Boykott kommt für die Fifa nicht infrage

Doch eine Weltmeisterschaft bietet immer auch die Chance der Öffnung. Wenn alle Welt auf das Riesenreich schaut, finden auch Oppositionelle, Unterdrückte und deren Probleme Gehör.

Ein Boykott kommt für die Fifa aber aus anderen Gründen nicht infrage. Der Verband hat mit seinen WM-Ausrichtern und Sponsoren milliardenschwere Verträge abgeschlossen. Ein Entzug würde den Weltverband in juristische Auseinandersetzung mit hohem ökonomischen Risiko stürzen.

Eine Neuvergabe der WM 2022 wäre für die Fifa vermutlich nur dann sinnvoll, wenn sie äußere Umstände dazu zwingen. Etwa, wenn die Isolation die WM aus logistischen Gründen unmöglich macht oder das Pulverfass Nahost in naher Zukunft explodiert.

Erst einmal wurde eine Fußball-WM neu vergeben.

Für das Turnier 1986 verzichtete Kolumbien aus ökonomischen Gründen. Mexiko sprang ein und stemmte das Turnier trotz eines schweren Erdbebens wenige Monate vor WM-Beginn.

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(mf)

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