Trump zündelt - schon wieder - in einem der heikelsten Konflikte der Welt: Experten sind entsetzt

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Trump zündelt - schon wieder - in einem der heikelsten Konflikte der Welt: Experten sind entsetzt | Jonathan Ernst / Reuters
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Die Welt kennt das: US-Präsident Donald Trump zündelt mit Tweets und bulligen Sätzen direkt neben einem politischen Pulverfass. Und seine Leute müssen Feuerwehr spielen, damit nicht alles in die Luft fliegt.

Das war bei der Nato-Diskussion so. Und ist nun am Golf so.

Trump verbucht die Isolation Katars als seinen Erfolg im Anti-Terror-Kampf

Am Dienstag hat Trump das Zerwürfnis zwischen Katar auf der einen Seite und Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Bahrain, Jemen und Ägypten auf der anderen Seite als seinen Erfolg reklamiert.

Der Hintergrund: Diese Staaten hatten Katar vorgeworfen, Terrororganisationen wie die Muslimbruderschaft und den Islamischen Staat zu finanzieren. Außerdem stören sie sich an den guten Beziehungen Katars zum Iran.

"Während meiner Reise kürzlich in den Nahen Osten habe ich klargestellt, dass es nicht länger eine Finanzierung radikaler Ideologien geben kann. Die Regierungschefs haben auf Katar gezeigt – schaut!", twitterte er.

Als er damals zu 50 arabischen Staatschefs sprach, hatte Trump einen entschiedenen Kampf gegen den Terror angemahnt. "Sie alle sagten, sie würden die Finanzierung von Extremismus hart verfolgen, und alle Hinweise deuteten auf Katar", schrieb Trump.

Warum Katar für die USA so wichtig ist

Im Pentagon, so schreibt die "New York Times", war man entsetzt.

Denn Trump zündelte da in einem der schwierigsten Konfliktherde der Erde und beleidigte ein zwar kleines, aber für die USA doch sehr wichtiges Land:

Katar ist der größte Stützpunkt der USA in der Region. Dort haben US-Geheimdiente eine Basis, dort liegt die Al Udeid Air Base mit etwa 11.000 amerikanischen und verbündeten Soldaten. Von dort aus fliegt die US-Luftwaffe Angriffe auf Extremisten in Syrien und in Afghanistan. Guido Steinberg, Nahost-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik, sagte: "Nun könnte die gegenwärtige Krise dazu führen, dass die VAE und die Saudis keine Offiziere in das Kommandozentrum der USA in Katar schicken werden."

Katar finanziert Ableger großer US-Universitäten im Nahen Osten.

Katar ist einer der sechs Staaten des Golf-Kooperationsrates, die in der Terrorabwehr zusammenarbeiten und ein Gegengewicht zum Iran bilden wollen – der den USA und deren engstem Verbündeten in der Region, Saudi-Arabien, traditionell als Gegner gilt.

Und Katar war Teil der saudi-arabischen Militärmission im Jemen gegen schiitische Huthi-Rebellen. Nach dem Ausschluss zog Katar seine Truppen aus der Grenzregion zum Jemen zurück. Jetzt muss Saudi-Araboen andere finden, die diese Lücke schließen.

Außen- und Verteidigungsministerium bemühen sich um Entspannung

Und so versuchten Außenministerium und Verteidigungsministerium, Trumps Twitter-Botschaften schnellstens zu entschärfen. Alle betonten die Wichtigkeit Katars für die USA, ihre Dankbarkeit gegenüber dem Emir, dass die USA dort so gut arbeiten könnten. Auch wenn in Sachen Kampf gegen die Finanziers des Terrors noch Luft nach oben sei.

So sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert: "Wir sehen, dass Katar einige große Erfolge erzielt hat, die Finanzierung von Terrorgruppen zu stoppen."

Und die US-Botschafterin in Katar, Dana Shell Smith, hatte offenbar schon vorher geahnt, dass Trump sich einmischen könnte, und eine entsprechende Nachricht getwittert:

Welche Rolle spielte Trump wirklich?

Ganz unrecht hat Trump wohl nicht, wenn er einen Zusammenhang herstellt zwischen seinem Besuch Saudi-Arabien und der Krise am Golf.

► Trump hatte bei seinem Besuch nicht nur besagte Anti-Terror-Rede gehalten, sondern auch einen gigantischen Waffendeal über insgesamt 350 Milliarden US-Dollar mit Saudi-Arabien eingefädelt. Nahost-Experte Steinberg vermutet, dass sich die Saudis infolgedessen ermutigt fühlten, durchzugreifen, wie sie es wollten.

► Die möglicherweise von Russland geleakten Meldungen über missliebige Äußerungen von Katars Emir waren da wohl nur ein willkommener Auslöser.

► Die "New York Times" zitiert den Geheimdienstexperten Bruce O. Riedel von der Denkfabrik Brookings Institution. Der glaubt, die Saudis benutzen Trump sogar: "Die Saudis spielen Donald Trump wie eine Geige."

Warum Saudi-Arabien Katar isolieren will

Die Animositäten zwischen Saudi-Arabien und Katar haben Tradition:

Die Finanzierung von Terroristen wie dem IS und der Hamas, die nach Ansicht von Experten definitiv aus Katar befördert wird, dürfte kaum der Ausschlag sein. Denn Katar ist nicht der einzige Staat in der Region, der da verdächtig ist. Und Saudi-Arabien selbst gilt zwar inzwischen als effektiv im Kampf gegen den Terror, liefert mit seiner ultrakonservativen Auslegung des Islam aber vielen Terroristen eine ideologische Grundlage.

► Es gibt andere Gründe für die Feindseligkeit. Katar finanziert die Muslimbrüder, eine panarabisch ausgerichtete, soziale und politische Organisation, die in einigen Ländern als Terrororganisation eingestuft wird. Beobachter vermuten, dass die Saudis den Muslimbrüdern unterstellen, ihr Machtdenken weiter zu verfolgen. Außerdem hatten sich die Muslimbrüder im Zweiten Golfkrieg auf die Seite des Irak gestellt - anders als die internationale Koalition, der auch die Saudis angehörten.

► Katar unterhält, schon wegen der gemeinsamen Gasfelder, vergleichsweise gute Beziehungen zu Saudi-Arabiens Erzfeind Iran.

Trump geht kleinen Schritt zurück Richtung Entspannung

Offenbar haben Trumps Beamte ersten Erfolg in ihrem mittlerweile schon gut geübten Krisenmodus. Am Dienstagabend (Ortszeit) soll Trump mit dem saudischen König Salman telefoniert haben. Er habe darauf hingewiesen, dass der Zusammenhalt der Golfstaaten essentiell für die Terrorbekämpfung sei. Das kann man als Versuch der Entspannung werten

Dass die Beziehungen sich wieder normalisieren, wäre nicht nur für die Stabilität in der Region wichtig. Katar hält über ihre Beteiligungsnetzwerk Qatar Investment Authority (QIA) nennenswerte Anteile an VW und der Deutschen Bank.

Welche Folgen eine weitere Isolation Katars hätte, ist schwer zu schätzen. Beobachter fürchten, dass Katar durch seine Mitspracherechte etwa Geschäfte deutscher Konzerne mit anderen Golfländern behindern könnte.

Mehr zum Thema: Eklat am Golf: Darum geht es bei der diplomatischen Krise zwischen Katar und seinen Nachbarn

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