Tim Mälzer kritisiert die Billigfleisch-Kultur: "Eine krankhafte Tendenz"

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TIM MLZER
Starkoch Tim Mälzer kritisiert billiges Fleisch in Discountern und Supermärkten: "In dieser Sprirale gibt es nur Verlierer." | dpa
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  • TV-Koch Tim Mälzer hat in einem Interview den Trend zu billigem Fleisch kritisiert
  • Er fordert mehr Transparenz für den Verbraucher

Fleisch ist in Discountern und Supermärkten zu oft zu äußerst günstigen Preisen zu haben. Und das zieht bei den Kunden. Tim Mälzer hat diese “Billigfleisch”-Kultur in im Interview mit dem Magazin “Stern” als “sehr unwürdig” kritisiert.

Mälzer bezeichnete den Trend zu günstigen Preisen bei Fleischprodukten als “eine krankhafte Tendenz”. Denn "in dieser Spirale gibt es nur Verlierer. Die Tiere werden unter unwürdigen Bedingungen gehalten, und beim Bauern bleibt finanziell auch kaum noch was hängen. Alles sehr unwürdig", sagte der Starkoch dem Magazin.

Tim Mälzer fordert Lebensmittelkennzeichnung für Fleisch

Er fordert mehr Transparenz für den Verbraucher: "Es gibt keine Transparenz für den Konsumenten, damit er bestimmte Kaufentscheidungen treffen kann", sagte Mälzer im Interview.

Er glaubt, der Konsum würde sich radikal ändern, wenn Deutschland Lebensmittelkennzeichnungen für Fleisch einführen würde. Ein Vorbild dafür wäre zum Beispiel die Hinweispflicht bei Eiern auf die Güteklasse, die eine enorme Veränderung im Konsum herbeigeführt hat und die Käfighaltung weitgehend zurückgehen ließ.

Die Schweiz beispielsweise zeichnet bestimmtes Fleisch mit dem Hinweis aus, dass es Hormone enthalten kann.

Deutsche essen zu viel Fleisch

Das Thema Billigfleisch hatte schon in den vergangenen Wochen zu Diskussionen geführt. Über ein 600gr-Steak für 1,99€ bei Aldi regte sich ein Facebook-User mit drastischen Worten wie “billigster Dreck” und “einfach nur krank” auf und löste damit eine heftige Diskussion auf der Facebookseite des Discounters aus.

Ein Deutscher verspeist im Durchschnitt in seinem Leben rund 748 Tiere – 661 Hühner, 45 Schweine, 31 Enten, fünf Gänse, drei Schafe und drei Rinder.

Mälzer findet: Das ist zu viel. Er gibt der “Billigfleisch-Kultur” die Schuld. “Das liegt wahrscheinlich daran, dass Fleisch ein Massenprodukt geworden ist", sagte er dem “Stern”.

Und dabei ist Tim Mälzer selbst leidenschaftlicher Fleischesser. “Ich bin kein Heiliger, auch mal eine Currywurst gehört für mich zur Esskultur, aber mich befremdet, dass Fleisch ein jeder Zeit verfügbares Produkt geworden ist", sagte er.

Man bekomme heute ja sogar sein Rinderfilet an der Nachttankstelle. Er glaube, er habe erst mit Anfang 20 sein erstes Rinderfilet gegessen. Früher war Fleisch etwas Besonderes, da gab es nur den Sonntagsbraten, meinte Mälzer.

Deshalb esse er nur zwei mal in der Woche Fleisch.

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Mit Material der dpa

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