Roberto Blanco wird 80

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Roberto Blanco ist für sein Lachen berühmt

Na klar: Gute-Laune-Bär, Spaßvogel, Stimmungskanone! Das sind die gängigsten Begriffe, unter denen Roberto Blanco firmiert. Sie stehen ihm quasi ins Gesicht geschrieben. Er lacht ständig und zeigt dabei seine schneeweißen Zähne. Daran hat selbst der Zahn der Zeit nichts geändert. Am heutigen Mittwoch (7. Juni) wird er 80, ein Alter, das nicht so recht zu ihm passen will.

Würde man das deutsche Unterhaltungswesen mit einem Möbelhaus vergleichen, dann wäre Roberto Blanco die Abteilung "Gelsenkirchener Barock". Seit 60 Jahren gehört er zum Schlager-Inventar. Und wie das so ist mit Schlagern wie "Heute so, morgen so", "Ein bisschen Spaß muss sein", "Ich komm zurück nach Amarillo" oder "Der Puppenspieler von Mexiko" - mit der Zeit wirken sie etwas plüschig und leicht angestaubt.

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Der junge Roberto: Multikulturell, vielsprachig, hochtalentiert

Dabei fing alles mal ganz anders an: Als Roberto Blanco, Sohn von kubanischen Unterhaltungskünstlern, in Tunis geboren, in Beirut und Madrid aufgewachsen, 1956 nach Deutschland kam, wirkte er ein bisschen wie der junge Sam Cook. Multikulturell, vielsprachig, hochtalentiert, Klassestimme und jenes brodelnde lateinamerikanische Musik- und Tanzfeeling, das zu schönsten Hoffnungen berechtigt. Inzwischen ist er eher im Festzelt-Genre gelandet.

Natürlich hat er Karriere gemacht. Schlagerhits, TV-Shows, Filme: Roberto Blanco war einer der Besseren im deutschen Showbiz. Lachend, singend, tanzend - so liebten ihn die Bundesbürger, und niemand war ihm böse, als er mit seinem Song "Samba si, Arbeit no!" (1979) nur auf dem vierten Platz beim nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest landete. Insgesamt scheiterten seine vier Versuche ins ESC-Finale zu kommen.

Brauner Bomber, schwarzer Riese haben sie ihn auch gern genannt, irgendwie schwang immer ein bisschen Rassismus mit, wenn man mit/über Roberto Blanco lachte. "Ganz ruhig bleiben, sonst musst du wieder in den Busch", hat Frank Elstner bei seiner Show "Montagsmaler" zu seinem Gast gesagt. Und der bayerische Innenminister lobte den deutschen Staatsbürger Roberto Blanco (CSU-Ehrenmitglied), er sei "ein ganz wunderbarer Neger". Blanco fand die Bemerkung unglücklich, war aber nicht beleidigt.

Die Sache mit den Stewardessen

Die Geschichten über sein buntes Leben waren stets mindestens so faszinierend wie seine Songs. Roberto Blanco sagte, er habe auf das Niederschreiben seiner Memoiren verzichtet, weil er dann "meine ganzen Affären" ausplaudern müsste. Und das wolle er nicht. "Sagen wir so: Liebe und Leidenschaft kamen nie zu kurz", sagte er in einem Interview der "tz".

Im gleichen Gespräch schwärmte er von Flugbegleiterinnen: "Ach, die Stewardessen... Ich erinnere mich da an einen Urlaub in Brasilien, wo wir im gleichen Hotel wie die Stewardessen von Lufthansa, Varig, Pan Am und so waren. Ja, und jede Nacht sind wir mit einer anderen Airline geflogen."

50 Jahre Ehe, hunderte Affären?

Weitaus weniger harmonisch ist der Umgang mit der Ex-Gemahlin Mireille Blanco, seiner ersten Frau. Sie waren fast 50 Jahre verheiratet und haben zwei gemeinsame Töchter. Gern erzählte der Sänger über Mireille, dass sie die Schwester seiner Stiefmutter sei, damit wäre sie gleichzeitig auch seine Stieftante und seine Kinder wären also seine Cousinen. Soweit der lustige Teil dieser Liaison.

Fotos zeigten das Ehepaar im Mai 2007 als Zuschauer eines Tennisturniers, beide blickten mürrisch in andere Richtungen. Einen Tag später sah man Roberto auf dem gleichen Turnier, diesmal mit einer Freundin, und Roberto strahlte bis über beide Ohren.

"Die Ehe war die Hölle", klagte Mireille Blanco in einem Gespräch mit der Schweizer Zeitung "Blick". Und: "Rückblickend empfinde ich meine Ehe als Diktatur." Die rechtskräftige Scheidung erfolgte 2012. Da hatte Roberto Blanco allerdings schon seiner fast 40 Jahre jüngeren Freundin, der Kubanerin Luzandra, auf den Seychellen sein Jawort gegeben. Es sei eine Art Verlobungsfeier unter Palmen gewesen, er sei doch kein Bigamist, sagte Blanco. 2013 folgte die offizielle Trauung in München.

Neues Liebesglück und Familienstreit

Das neue Glück wurde leider von einem hässlichen Streit um den Unterhalt für Mireille überschattet. In diesen Kleinkrieg mischte sich auch die Tochter Patricia (47) ein, die im "Big Brother"-Haus bekannt wurde. Sie stand fest an der Seite der Mutter: "Meine Mama hat ihr Leben für ihn aufgegeben, uns Kinder großgezogen und ihm jeden Seitensprung verziehen. Das hat sie nicht verdient", sagte sie damals.

Das neue Ehepaar Blanco ist mittlerweile nach Österreich in die Nähe von Salzburg gezogen - und pflegt sein Liebesglück. Er nennt sie Mami, sie ihn Papi. Vergangenen Herbst lag er kurz im Krankenhaus, die Medien berichteten von einem Schwächeanfall, doch das ist offenbar ausgestanden. Er hat ein paar Kilo abgenommen und wirkt topfit. Er hat ein neues Album aufgenommen und denkt überhaupt nicht an Ruhestand.

Roberto Blanco schaut wieder siegessicher nach vorn. Zu seinem 80. will er in München ein rauschendes Fest feiern. Mit 400 Freunden, weil: Ein bisschen Spaß muss sein. So oder so.