Real und die Deutsche Post greifen zu einer Maßnahme, die vielen Kunden nicht gefallen dürfte

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Real und die Deutsche Post nutzen Gesichtserkennung an ihren Kassen | asiseeit via Getty Images
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Mit einer Neuerung an ihren Kassen erregen die Einzelhandelskette Real und die Deutsche Post AG die Gemüter. In 100 Postfilialen und 40 Realmärkten sind Kameras installiert, die die Gesichter ihrer Kunden analysieren.

Durch die Analyse registrieren die Kameras das Geschlecht und das Alter des Kunden sowie die Dauer des Blickkontaktes mit dem Werbebildschirm.

Das System wurde installiert, um auf den im Kassenbereich angebrachten Bildschirmen benutzerdefinierte Werbung zeigen zu können.

Externe Unternehmen unterstützen bei Kundenwerbung

Die Echion AG, mit der Real zusammenarbeitet, beschreibt sich auf ihrer Homepage als "Spezialisten für den Einsatz digitaler Kommunikationskonzepte auf Handelsflächen."

Zu ihren Aufgaben gehört beispielsweise die Auswahl der im Markt gespielten Musik und das versprühen künstlicher Düfte, um den Kunden zum Kauf bestimmter Produkte anzuregen.

Die Gesichtserkennung ist also nur ein weiteres Instrument, um Kunden zu beeinflussen und zum Kauf zu animieren.

Aber das schätzen nicht alle Kunden und viele sind mit den Videoaufnahmen an den Kassen nicht einverstanden. Dem WDR sagte eine junge Frau, dass sie es unheimlich findet, so analysiert zu werden.

Ein Twitter-Nutzer kommentiert die Neuerung des Unternehmens hämisch, indem er den Werbespruch des Realmarktes persifliert: "#Real - Einmal hin, all deine Grundrechte dahin. #Überwachung".

Rainer Ernzer, Mitarbeiter der Deutschen Post DHL Group ist überzeugt von der Neuheit.

"Wenn Leute in der Schlange warten müssen, was schon mal vorkommt, dass sie dann wenigstens auf dem Monitor Informationen bekommen oder zielgerichtete Werbung. Das erhöht aus unserer Sicht die Kundenzufriedenheit", sagte Ernzer dem WDR.

Gesichtserkennung wirft Datenschutzfragen auf

Gegen Real und die Deutsche Post liegt wegen des Einsatzes von Kameras an Kassen bereits eine erste Strafanzeige vor.

Denn: Personen zu filmen ist nur dann zulässig, wenn eine Einwilligung vorliegt, erklärte die Datenschutzbeauftragte NRWs dem WDR.

Die Gesichtserkennung wirft also weitreichende datenschutztechnische Fragen auf. Der Bielefelder Verein Digital Courage prüft nun die Anklage.

In einer Stellungnahme von Real, die der "Lebensmittelzeitung" vorliegt, weist die Handelskette die Vorwürfe zurück, sie würde fahrlässig mit Daten umgehen.

Die Videoaufnahmen werden der Stellungnahme zufolge nur 150 Millisekunden gespeichert. „Es werden lediglich Metadaten zum eigentlichen Bild übertragen. Das Recht am eigenen Bild wird daher nicht berührt“, erklärt Real in der Mitteilung.

Zudem, so die Argumentation, holen die Deutsche Post und Real die Einwilligung der Kunden indirekt ein. Hinweisschilder am Eingang des Geschäftes weisen auf die Nutzung von Kameras innerhalb des Ladens hin.

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(ujo)

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