Politiker fordern Absage der WM in Katar - doch von der Linken kommt Unterstützung für die Ausrichter

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FOOTBALL QATAR
Politiker fordern Absage der Fußball-WM in Katar - nur von Links kommt ungewohnte Unterstützung | Ibrahem Alomari / Reuters
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  • Im Jahr 2022 soll in Katar die Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden
  • Doch der derzeitige Vorwurf, Katar würde Terroristen finanzieren, lässt erneut Kritik an der Vergabe aufkommen
  • Einige Politiker fordern deshalb die WM im Emirat abzusagen

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wackelt immer mehr. Zwar war die Vergabe der Sportgroßveranstaltung von vornherein umstritten, doch die Kritik flammt nun nach der Isolation des Emirats erneut auf.

Mehrere arabische Golfstaaten und Ägypten werfen Katar vor, Terroristen zu finanzieren. Daraufhin hatten die Länder ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen und die Grenzen zu Katar geschlossen.

Politiker von der Union bis zu den Grünen fordern nun die Austragung der WM in Katar zu überdenken.

Mehr zum Thema: Eklat am Golf: Darum geht es bei der diplomatischen Krise zwischen Katar und seinen Nachbarn

Kauder: "WM ist kaum vorstellbar"

Aus Sicht von Unionsfraktionschef Volker Kauder wiegen die Vorwürfe "zu schwer". "Die Diskussion über die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Katar muss ernsthaft geführt werden“, sagte Kauder der "Passauer Neuen Presse".

"Es ist kaum vorstellbar, dass in einem Land, aus dem der Terrorismus massiv unterstützt wird, ein WM-Turnier ausgetragen werden kann", erklärte er. Katar müsse nun selbst alles tun, um Klarheit zu schaffen.

Die Maßnahmen müssten auch transparent gemacht werden. "Die Vergabe an Katar war ohnehin problematisch genug. Seit langem gibt es zahlreiche Berichte, dass der islamistische Terrorismus auch aus Katar heraus unterstützt wird", sagte der CDU-Politiker.

Es sei verständlich, dass jetzt einige arabische Staaten aus der Region reagierten, wobei die Motivlage aber von Staat zu Staat durchaus unterschiedlich sein dürfte, so Kauder.

Roth: "Bei Entscheidung für Katar ging es schlichtweg ums Geld"

Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte, "die Entscheidung für Katar war von Anfang an falsch". Katar sei kein Fußballland, der Entschluss für das Emirat habe nichts mit dem Sport zu tun gehabt. Es sei "schlichtweg ums Geld" gegangen.

"Und jeder konnte damals schon wissen, dass das Land zu den Hauptsponsoren des internationalen Terrorismus gehört", erklärte Roth in einem Interview mit der "Westdeutsche Zeitung".

Deshalb muss aus ihrer Sicht die Vergabe überprüft werden: "Aber bitteschön nicht, weil Saudi-Arabien seine Rolle als Regionalmacht gerade wieder rücksichtslos ausbauen will. Sondern weil Katar grundlegende Menschenrechtsstandards nicht einhält."

DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte zuvor die Vorwürfe "besorgt zur Kenntnis" genommen. Zwar zieht er eine politische Lösung einer Boykott-Androhungen vor.

"Aber eines steht unabhängig davon fest: Grundsätzlich sollte sich die Fussballgemeinschaft weltweit darauf verständigen, dass große Turniere nicht in Ländern gespielt werden können, die aktiv den Terror unterstützen."

Linke erwartet bei Absage milliardenschwere Klagen

Grünen-Politikerin Roth forderte von DFP-Präsident Grindel jedoch, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Aus ihrer Sicht muss der DFB-Chef im Fifa-Rat seinen Einfluss geltend machen, "damit die Fifa endlich klare Kriterien für die Vergabe einer WM festlegt". Werden Standards missachtet, brauche die Fifa einen Plan B, sagte Roth.

Derweil bekommt Ausrichter Katar Unterstützung von ungewöhnlicher Seite: So warnt die Linke vor den Konsequenzen, die eine Absage der Fußball-WM 2022 in Katar nach sich ziehen würde.

Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der sportpolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, André Hahn: Angesichts des Baufortschritts bei Stadien, Straßen und Hotels "würde es bei einer Absage des WM-Turniers milliardenschwere Klagen gegen die Fifa und gegebenenfalls auch gegen jene Mitgliederverbände geben, die sich für den Entzug der WM besonders stark gemacht haben." Außerdem stelle sich die Frage, welches Land kurzfristig einspringen könnte.

Hahn unterstrich aber zugleich, dass auch er die Vergabe der Fußball-WM an Katar von Anfang an für falsch gehalten und dies auch öffentlich scharf kritisiert habe.

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