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07/06/2017 07:56 CEST | Aktualisiert 07/06/2017 08:28 CEST

IS-Experte erklärt bei "Markus Lanz", wie die islamische Welt auf den Terror reagieren sollte

Screenshot/ZDF
"Viel mehr Muslime müssen aufstehen": IS-Experte erklärt, was in der islamischen Welt passieren sollte

  • Ein Trauma-Forscher und IS-Experte forderte bei "Markus Lanz" mehr Zeichen für Frieden in der islamischen Welt

  • Der Islam im Nahen und Mittleren Osten sei reformbedürftig, sagte er

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen war der Trauma-Psychologe und Experte für den Islamischen Staat (IS), Jan Kizilhan bei Markus Lanz im ZDF zu Gast.

Natürlich war der Terroranschlag in London vom Samstag das Thema der Sendung.

Kizilhan beschäftigt sich in seinen Büchern unter anderem mit der Psyche von IS-Kämpfern und anderen islamistischen Terroristen. Die Auslegung des Islams, die dem IS zu Grunde liegt, nannte er in der ZDF-Sendung am Dienstagabend eine "faschistische, totalitäre Ideologie". Europa müsse sich nun darauf vorbereiten, dass der Terror endgültig auf dem Kontinent angekommen sei.

Moderator Markus Lanz verwies auf die Aktion von 130 Imamen in London, die den Attentätern das muslimische Totengebet versagten, und fragte Kizilhan, was er von einer solchen Geste halte.

Der Psychologe wurde deutlich und sagte, dass er sich solche Aktionen viel öfter wünschen würde. "Es ist wichtig, dass die islamische Welt Zeichen setzt", sagte er. "Wenn der Islam ein Glaube des Friedens ist, so müssen die Milliarden Menschen von Muslimen sich ja gerade selbst gekränkt und gedemütigt fühlen."

Doch das Setzen von Zeichen vermisse er. "Vielmehr Muslime müssten aufstehen und aufschreien und sagen, dass hat nichts mit unserer Religion zu tun." Das würde dazu führen, dass die Islamisten auch in ihren Herkunftsländern an Zuspruch verlieren und geächtet werden würden.

"Terroristen wollen unsere Gesellschaft spalten"

Gerade in diesen Ländern sei die Vergangenheit jedoch von Gewalt geprägt. Auch die Verfolgung von Minderheiten wie den Jesiden hätte eine gewisse Tradition. Das Fazit von Kizilhan: "Wir sind noch nicht so weit, von einem friedlichen Islam sprechen zu können." Er forderte in der Sendung eine theologische Neuausrichtung und Reform des Glaubens.

Kizilhan verwies aber auch auf die lange Geschichte von Kränkungen und Ungerechtigkeit des Nahen und Mittleren Ostens durch den Westen. Außerdem gebe es unter Muslimen weltweit nur ein Prozent der Gläubigen, die den IS unterstützen würden.

Eine generelle Dämonisierung des Islams sei laut Kizilhan gefährlich. Vor allem auch, weil die IS-Terroristen genau darauf mit ihren Taten spekulieren würden: "Sie wollen unsere Gesellschaft spalten", sagte er. Nach den Anschlägen würde die Gesellschaft konservativer werden und mehr Menschen seien gegen Muslime und Migranten eingestellt.

Das Problem sei, sagte Kizilhan am Ende seiner Redezeit, vor allem der Nahe und Mittlere Osten. Wir müssten uns selber verstärkt für Demokratie und Menschenrechte dort einsetzen.

"Ich würde mir wünschen, dass wir weniger Waffen und mehr Goethe-Institute dorthin exportieren", sagte er.

Mehr zum Thema: Der Islam ist unser stärkster Verbündeter im Kampf gegen die Mörder

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(bp)

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