Der tragische Tod der früheren Miss Sachsen Jette Hömke zeigt, was in unserer Gesellschaft schief läuft

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Der tragische Tod von Henriette Hömke, ehemalige Miss Sachsen und Ex-Freundin des Schalke-Torwarts Ralf Fährmann, beschäftigt gerade die halbe Republik.

Denn wie jetzt herauskommt, ist die junge Frau während eines Ägypten-Urlaubes vergangenen April mit nur 29 Jahren an Magersucht verstorben.

Ein schlimmer Tod - an dem wir, die Gesellschaft, Anteil haben.

Die Fitnesstrainerin postete fleißig Fotos auf ihrem Facebook-Account, die ihre dünnen Arme und ihr abgemagertes Gesicht zeigen. Und obwohl ihre Magersucht sie immer schwächer werden ließen, betrieb Hömke wohl exzessiv Sport, bis ihr Körper kollabierte.

Schlank sein ist schon lange nicht mehr genug

Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen?

Hömke, die aus Chemnitz stammt, wurde im Jahre 2006 mit 19 Jahren zur "Miss Sachsen“ gekürt. Damals war sie noch schlank, aber nicht abgemagert. Doch Hömke fand sich nicht schön genug, obwohl sie einen Schönheitswettbewerb gewonnen hatte. Die junge Frau wollte abnehmen - erst ein paar Kilos, dann immer mehr.

Denn wer in der Öffentlichkeit etwas gelten will, wer einen Modelvertrag ergattern und viele treue Fans begeistern möchte, der muss dünn sein, richtig dünn. Das ist die Botschaft, die nicht nur die Schönheitsindustrie, sondern auch die Medien und auch ihre Konsumenten jeden Tag hinauskrähen: Je dünner, desto besser. Schlank sein ist schon lange nicht mehr genug.

Und diese Botschaft hat Hömke verinnerlicht. Ihre Bilder zeigen, wie wichtig ihr Fitness und vor allem ein dünner Körper waren. Für viele Menschen, die wir tagtäglich in den sozialen Netzwerken und in der Werbung sehen, ist dieses Ziel der Lebensinhalt.

Du willst für Louis Vuitton modeln? Dann bist du zu fett, wenn du nur Größe 34 trägst.

Du willst "Germany's Next Topmodel" werden? Sorry, das geht auch nur, wenn du dich herunterhungerst und komplett auf Körperfett verzichtest.

Du willst einfach nur ein Bikinifoto auf Facebook posten? Dann mach dich auf hämische Kommentare gefasst, wenn du nicht dem Magerwahn folgst.

Wir schauen ihnen zu, wenn sie auf Instagram und Covern ihre dünnen Ärmchen und Beinchen präsentieren

Aber tragen die Schuld nur die Medien, Heidi Klum und die Schönheitsindustrie? Oder sind es nicht auch wir?

Wir kaufen Produkte lieber ein, wenn ein dünnes Model dafür wirbt. Wir zucken mit den Achseln, wenn wir wieder einmal über Bilder eines abgemagerten Models oder Schauspielerin stolpern.

Wir schauen ihnen zu, wenn sie auf Instagram und Covern ihre dünnen Ärmchen und Beinchen präsentieren. Ist ja ihr Problem. Nur dass Magersüchtige mit dem Problem alleine nicht mehr fertig werden und wir die Krankheit auch noch befeuern.

Eine Celebrity hat zugenommen - ist sie zu fett? Bekommt sie jetzt keine Rollen mehr? Wird ihr Freund sie für eine Dünnere verlassen? Darauf folgt der Blick in den Spiegel: Bin ich dann auch zu fett? Und damit nicht schön genug, nicht gut genug?

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Magersucht ist eine grausame, tückische Krankheit

An der Debatte beteiligen sich also nicht nur Schönheitsindustrie, Medien und Trolle im Internet - sondern wir alle. Und wenn es nur dadurch ist, wegzuschauen, wenn jungen Frauen eingetrichtert wird, dass sie nur etwas wert sind, wenn sie dünn sind.

Dabei ist das Problem weit verbreitet. Zahlreiche Models berichten von Essstörungen und Magersucht. Und sie sind die Vorbilder junger Mädchen, die ihnen nacheifern und ihre dünnen Körper bewundern.

Magersucht ist eine grausame, tückische Krankheit. Betroffene müssen ihr Leben lang gegen die Erkrankung kämpfen - wenn sie denn überhaupt erkennen, in welchen tödlichen Strudel die Magersucht sie hineingezogen hat. Freunde, Familie und Partner haben das Gefühl, hilflos zusehen zu müssen, denn die Krankheit ist schwer zu therapieren.

Hömkes Schicksal zeigt, dass es uns nicht egal sein sollte, welche Auswirkungen der Magerwahn hat. Wir dürfen nicht mehr wegschauen.

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