Trumps Kleinkrieg auf Twitter mit dem Bürgermeister von London sorgt für Entsetzen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRUMP
US-Präsident Donald Trump | The Washington Post via Getty Images
Drucken

Während Europa noch über die Folgen des Terroranschlags in London diskutiert, tobt sich US-Präsident Donald Trump auf Twitter aus.

Und sorgt damit für Entsetzen.

Seit die ersten Meldungen am Samstagabend von dem Ereignissen in der britischen Hauptstadt über die Ticker liefen, nutzt Trump das Ereignis, um Werbung für seine eigene Politik zu machen - und Londons Bürgermeister anzugreifen.

Trump hatte am Sonntag in einem Tweet eine Aussage des Bürgermeisters Sadiq Khan völlig verdreht - und muss sich seitdem scharfe Kritik anhören.

Das “New York Magazine” schreibt jetzt gar vom “hässlichsten Tweet” in Trumps Zeit als Präsident.

”Ihr müsst nicht alarmiert sein”

Khan hatte sich nach dem Attentat in einer Botschaft an die Bürger gewandt. Er wollte beruhigen und forderte die Bürger auf, kühlen Kopf zu bewahren. Die Menschen müssten "nicht alarmiert sein, wenn sie jetzt mehr Polizei auf den Straßen" sähen, sagte er.

Als Trump den Auftritt von Kahn sah, griff er zum Smartphone und twitterte: “Mindestens 7 Tote und 48 Verletzte bei einem Terroranschlag und der Londoner Bürgermeister sagt, dass es keinen Grund gebe “alarmiert zu sein”.

Trump warf dem Bürgermeister der Stadt damit indirekt vor, die Bedrohung durch Terroristen zu verharmlosen. Problem für Trump: Das hatte Khan nie getan.

Laut dem “New York Magazine” schämten sich einige Mitarbeiter im Außenministerium der USA für diesen Ausfall. Die US-Botschaft in London fühlte sich sogar dazu veranlasst, Khan auf Twitter zu verteidigen und seine Führungsstärke zu loben.

Trump legt nach

Khan selbst ließ über seinen Sprecher wissen, er habe Wichtigeres zu tun, als auf Trump zu antworten. Der habe sein Zitat aus dem Kontext gerissen.

Aber anstatt nun zurückzustecken und sich einen digitalen Maulkorb zu verpassen, fühlte Trump sich veranlasst nachzulegen.

Trump schrieb: “Erbärmliche Ausrede von Londons Bürgermeister Sadiq Khan. Die MSM (Abkürzung für Mainstream-Medien, Anm. d. Red.) bemühen sich sehr, sie zu verkaufen!”

Das “New York Magazine” urteilt: “Diese offensichtlich unehrliche und demagogische Lüge über den Bürgermeister einer trauernden Stadt ist wohl der hässlichste Tweet in Trumps bisheriger Präsidentschaft.”

In weiteren Tweets zu dem Anschlag in London warb Trump für seinen Einreisestopp für Muslime, über den gerade das höchste US-Gericht entscheidet.

Außerdem beschwerte sich Trump darüber, dass nicht mehr über Waffenbesitz diskutiert werde. Zudem behauptete er, dass politische Korrektheit für den Terror verantwortlich sei.

Als Mittel im Kampf gegen den Terror sind die Twittermaßnahmen des Präsidenten denkbar ungeeignet. Ernstzunehmen ist das alles nicht.

Indem Trump auf Twitter wieder mal den Raufbold spielt, verstärkt der US-Präsident eher eine Entwicklung, die globale Auswirkungen hat: Die USA verabschieden sich mit jedem Tweet Trumps ein bisschen mehr als Weltmacht - und als ernstzunehmender Partner im Kampf gegen den Terror.

Obama hat gezeigt, wie es anders geht

Wie sehr sich Trump in seiner Reaktion auf den Terror von seinem Amtsvorgänger Barack Obama unterscheidet, zeigt ein Blick Obamas Reaktion nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt.

Ein Sprecher Obamas hatte damals gesagt, Obama sei in Gedanken und Gebeten bei den Deutschen. Am nächsten Tag rief er Kanzlerin Angela Merkel an und bot ihr Hilfe bei der Terrorbekämpfung an.

In Großbritannien fordern inzwischen fast zwei Millionen Briten in einer Petition von ihrer Regierung, Trumps Staatsbesuch im Oktober abzusagen. Auch Londons Bürgermeister schloss sich jetzt dieser Forderung an.

Er sagte: “Ich finde, wir sollten dem US-Präsidenten nicht den roten Teppich ausrollen. Seine Politik negiert einfach alles, wofür wir stehen."

Und auch die Amerikaner wenden sich immer mehr von Trump ab. In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup finden nur noch 36 Prozent der Wähler, dass Trump einen guten Job macht. Das ist ein neuer Negativrekord. Mitte März waren noch 45 Prozent der Amerikaner mit seiner Arbeit zufrieden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g


(sk)