4 Gründe, warum der neue Apple-Lautsprecher unser Verhältnis zu Computern verändern wird

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Apple stellte den "Homepod" am Montag in Kalifornien vor. | Bloomberg via Getty Images
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  • Apple hat am Montag seine neuen Produkte vorgestellt
  • Insbesondere "HomePod" sorgte für Aufsehen: Der intelligente Lautsprecher wird mit der Sprachassistentin Siri ausgerüstet sein
  • Apple will so Amazons Erfolgsprodukt Echo attackieren

Siri gegen Echo - das ist kein japanischer Monsterfilm, sondern das Duell zweier Tech-Giganten. Denn mit Siri will Apple den Versandriesen Amazon und dessen intelligenten Lautsprecher Echo angreifen.

Das am Montag von Apple angekündigte Lautsprecher-Gerät mit dem Namen "HomePod" soll über die Assistenzsoftware Siri mit den Nutzern kommunizieren können. Diese ist bereits in den neueren iPhone-Modellen integriert.

Der zylinderförmige Lautsprecher wird dazu mit sechs Mikrofonen ausgerüstet. Die Nutzer können über die Sprachsteuerung des HomePods etwa Musik wählen, das Wetter abfragen und "smarte" Heimgeräte wie Lampen an- und ausknipsen.

Das Gerät soll ab Dezember für 349 US-Dollar in den USA, Australien und Großbritannien erhältlich sein. Nächstes Jahr sollen dann weitere Länder folgen.

Dass nun auch Apple mit einem intelligenten Lautsprecher um Kunden buhlt, zeigt vier Dinge:

1. Bildschirme könnten bald obsolet sein

Für die meisten Menschen ist das Sehen der wichtigste Sinn. Über das Auge nehmen wir die Welt wahr. Darum arbeiten Computer, Tablets und Smartphones mit möglichst hochauflösenden, schellen Bildschirmen, die uns in Sekundenbruchteilen mit Informationen versorgen. Hören, Tasten und insbesondere Riechen und Schmecken kommen dabei meist zu kurz.

Doch jetzt hat Apple gezeigt, dass das nicht die Zukunft sein muss. Der HomePod setzt voll auf Hören, einen Bildschirm gibt es nicht. Auch Maus und Tastatur muss niemand mehr verwenden. Die Konkurrenz von Amazon, das Gerät Echo mit der Assistentin Alexa, setzt ebenfalls auf Spracherkennung und künstlich erzeugte Stimme.

Das zeigt, wie die Zukunft aussehen könnte: Bildschirme, Maus, Tastatur, Joystick und Touchscreen verschwinden. Stattdessen nutzen wir unsere Sprache, um den Geräten Befehle zu geben. Und diese sprechen zu uns, statt Informationen auf einem Bildschirm anzuzeigen.

Wer schon einmal mit von Teig klebrigen Fingern auf dem Smartphone die Online-Backanleitung aufrufen und schauen wollte, wie lange der Kuchen nun in den Ofen muss, weiß: Viel besser geht es, wenn man sich stattdessen auf Stimme und Gehör verlassen kann.

2. Privatsphäre wird weniger wichtig

Nicht jeder wird sich darüber freuen, dass er oder sie konstant von einem mit künstlicher Intelligenz ausgerüsteten Lautsprecher ausgehorcht wird. Apple sagt, der HomePod werde jeweils nur aktiviert, wenn er mit einem „Hey Siri“ dazu aufgefordert wird. Erst dann übertrage das Gerät Daten an die Apple-Cloud.

Doch wird sich zeigen müssen, ob die Menschen wirklich dazu bereit sind, sich rund um die Uhr belauschen zu lassen. Auch wenn Siri erst dann mithört, wenn man sie darum bittet. Es ist unklar, was Apple mit all den Daten macht, die das Unternehmen über den HomePod sammeln wird.

Doch sollten der HomePod und andere Geräte wie Amazons Echo tatsächlich auf Akzeptanz bei den Menschen stoßen, wäre Apple einen Schritt weiter.

Denn dann wird es noch selbstverständlicher, dass wir auch Privates preisgeben, unser Wünsche und Sorgen mit der Maschine teilen. Die dann die Daten auswerten - und uns Produkte anbieten, die maßgeschneidert an unsere Bedürfnisse angepasst sind.

3. Gutes Technikdesign hält Einzug in unseren Wohnraum

Die Apple-Produkte sind meist teurer als die Geräte der Konkurrenz. Dafür sind sie schön und bestechen durch Design, das zwar einfach und unkompliziert daherkommt, an dem aber die Entwickler bis zum letzten Detail während Monaten feilten.

Heute sind Lautsprecher wohl kaum ein Statussymbol. Wer zeigen will, dass er Geld und Geschmack hat, stellt nicht unbedingt die besten Boxen ins Wohnzimmer.

Doch genau das gleiche galt einst für Musikspielgeräte und Mobiltelefone. Sie mussten in erster Linie einfach in der Anwendung sein und ordentlich Leistung bringen.

Mit dem iPod und einige Jahre später mit dem iPhone änderte Apple das. Nun war es ein Zeichen von Eleganz, sich ein Apple-Produkt ans Ohr zu halten oder in der Hand zu tragen.

Das Gleiche will der kalifornische Technologiekonzern nun wohl auch im Geschäft mit Lautsprechern erreichen. Gelingt der Plan, wird der HomePod zum Statussymbol, zum Zeichen des eleganten Lebens. Der für allerlei Apple-Gadgets den Weg in unser Wohnzimmer ebnet.

4. Der Durchbruch intelligenter Haustechnik steht bevor

Noch kann der HomePod noch nicht sonderlich viel: Musik abspielen, die Nachrichten vorlesen und Fremdsprachen übersetzen zum Beispiel. Aber Apple hat bereits angekündigt, man werde in Zukunft weitere Funktionen für Siri und den HomePod freischalten.

Das Unternehmen ist berühmt dafür, die eigenen Produkte ständig weiterzuentwickeln und den Kunden im Laufe der Zeit zahlreiche neue, innovative Funktionen anzubieten. Auch der iPod war einst nur ein etwas besserer, überteuerter MP3-Player. Doch über die Jahre verbesserte Apple das Gerät laufend weiter, ließ es etwa auch Videos abspielen.

Und überraschte dann die Welt mit der Idee eines MP3-Players, der auch telefonieren kann. Das iPhone war geboren.

Beobachter behalten insbesondere das "Internet der Dinge“ im Auge. Denn immer mehr Toaster, Kühlschränke, Überwachungskameras und Garagentüröffner sind untereinander vernetzt.

Kann sich der HomePod tatsächlich durchsetzen und die Konsumenten begeistern, könnte das Gerät eine zentrale Rolle in unseren Wohnungen übernehmen.

Und uns in Zukunft jeden Morgen mit künstlichem Meeresrauschen wecken, die Kaffeemaschine anwerfen und die Luft in unserem Auto über dessen Heizung auf eine angenehme Temperatur bringen. Während wir noch im Bett liegen und uns auf den Tag vorbereiten.

Jedes Technologieunternehmen, dem es gelingt, soweit in unseren Alltag vorzustoßen, kann sich sicher sein: Ihm gehört die Zukunft. Und kann uns mit zahlreichen weiteren Geräten eindecken.

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