"Starke Worte, wenig dahinter": Terror-Experte kritisiert Premier Mays Anti-Terror-Plan

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAY
POOL New / Reuters
Drucken

Nach einem Terroranschlag stellt sich immer dieselbe große Frage: Warum?

Warum wüten Menschen so bestialisch?
Warum musste ausgerechnet mein Mann, meine Frau, mein Kind sterben?

Nach dem Anschlag von London kommt ein großes Warum dazu:

Warum hat niemand die Täter aufgehalten, bevor sie loszogen?

Zwei der drei Mörder waren der Polizei bekannt

Denn zwei der drei Mörder waren der Polizei bekannt. Einer, Khuram Shazad Butt, war sogar als Dschihadist in einer viel beachteten TV-Dokumentation zu sehen.

Peter Neumann vom King's College in London, einer der renommiertesten deutschen Terror-Experten, sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk am Dienstagmorgen, den britischen Behörden seien in den vergangenen Jahren "ziemlich große Fehler unterlaufen" bei der Einschätzung der Gefährder.

Dennoch nahm er die Behörden in Schutz: In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Verdachtsfälle derart nach oben geschnellt, dass die Polizei nicht genug Kapazitäten habe. "Das Tempo hat so stark zugenommen, dass diese Entscheidungen immer wahrscheinlicher auch Fehler beinhalten."

Zwei der drei Mörder waren der Polizei bekannt

Londons früherer Bürgermeister und jetziger britischer Außenminister, Boris Johnson, sagte in der BBC, er habe Verständnis für die Frage, wie Butt durchs Netz schlüpfen konnte. Aber die Schuld für den Anschlag trügen die Terroristen. Ähnlich argumentierte auch der aktuelle Bürgermeister Sadiq Khan.

Auch andere Experten geben zu, dass Anschläge, die wie in diesem Fall mit Alltagsgegenständen verübt werden und wenig logistischen Aufwand erforderten, kaum rechtzeitig zu entdecken und zu verhindern seien.

Neumann warf aber Premierministerin Theresa May, die früher Innenministerin gewesen war, vor, dass sie nicht viel früher angesetzt habe.

Denn alle drei Täter stammten aus dem Umfeld des radikalen Predigers Anjim Choudhry, der erst 2015 wegen Unterstützung der Terrormiliz IS angeklagt worden war. Er habe zuvor Dutzende Menschen für den Krieg und für Anschläge rekrutiert, ohne behelligt zu werden.

"Starke Worte, wenig dahinter"

May hatte einen Vier-Punkte-Plan angekündigt, um dem Terror zu begegnen. Für Neumann bloß "starke Worte, wenig dahinter".

Die Pläne seien bereits lange bekannt. Denn anders als Deutschland habe Großbritannien schon länger ein Konzept.

May hatte unter anderem darauf gedrängt, Extremisten im Internet besser zu bekämpfen. Obwohl das Netz im aktuellen Fall wohl keine große Rolle gespielt hat.

Neumann sagte, es brauche drei Dinge, um dem Terror im Internet zu begegnen:

► Strafbare Inhalte müssten schneller entfernt werde. Da gebe es bereits Fortschritte.

► Die Kapazitäten der Sicherheitsbehörden, die Kommunikation zu überwachen und die Informationen auszuschöpfen, müssten erhöht werden

► Die Menschen suchten im Internet nach Antworten. Die Behörden müssten diese Menschen ansprechen, bevor es die Extremisten täten.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

(mf)

Korrektur anregen