Empty-Nest-Syndrom: Warum Väter deutlich mehr leiden als Mütter, wenn die Kinder ausziehen

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Väter leiden besonders, wenn die Kinder flügge werden | iStock
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Endlich keine Wäscheberge mehr, keine aus dem Kinderzimmer dröhnende Musik oder Streitereien ums Aufräumen: Wenn das letzte Kind auszieht, könnte für die Eltern eigentlich ein entspannter Lebensabschnitt beginnen.

Doch tatsächlich tun sich die meisten ziemlich schwer, wenn auch der letzte Zögling endlich flügge wird. Jetzt haben Forscher etwas Überraschendes herausgefunden: Väter leiden stärker unter dem so genannten Empty-Nest-Syndrom als Mütter.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Universität Flensburg.

Analyse umfassender Daten

Alan Piper, Dozent für Ökonomie an der Universität Flensburg, analysierte gemeinsam mit seinem britischen Kollegen Ian Jackson dafür die Daten des Sozio-Ökonomischen Panels (SOEP).

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Dieses speist sich aus Umfragen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), das seit 1984 einmal im Jahr mehr als 20.000 Menschen in Deutschland befragt.

Themen dieser jährlichen Umfrage sind Fragen nach Einkommen, der Zusammensetzung des Haushalts, der Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Aus diesen regelmäßigen Umfragen ergibt sich der umfassendste Datensatz in ganz Europa.

Väter leiden mehr als Mütter

Der Ökonom Piper machte sich diesen Datenfundus zu Nutze, legte dabei aber sein Augenmerk vor allem auf den Familienstatus und das Lebensglück der Befragten. Dabei stellte er fest: Zieht das letzte Kind aus dem Haushalt aus, geht die Lebenszufriedenheit der Eltern eindeutig zurück.

Das Ergebnis: Insbesondere bei Vätern ist ein starker Zusammenhang zu vermerken. Tatsächlich scheinen sie unter dem Auszug der Kinder mehr zu leiden als die Mütter.

"Es könnte daran liegen, dass Frauen resilienter sind und mit Veränderungen in ihrem Leben etwas besser klarkommen als Männer", sagte Piper der Tageszeitung "Welt".

Während die Mütter entlastet sind, spüren die Väter Leere

Auch Arbeitsteilung im Haushalt könnte eine Erklärung sein, vermutet er. Denn in der Regel hätten Väter mehr Spaß-und Spielzeit mit den Kindern, während an Müttern nach wie vor eher die Hausarbeit hängen bliebe.

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Für die meisten Mütter stellt der Auszug der Kinder daher auch eine Entlastung dar, während bei den Vätern eine größere Leere zurückbleibt.

Dennoch ist bei beiden Geschlechtern eine deutlich gesunkene Lebenszufriedenheit zu verzeichnen, sind die Kinder erst einmal aus dem Haus. Der Studie zufolge büßen manche Eltern an Selbstvertrauen ein, andere sind traurig und manche entwickeln sogar Formen von Depressionen.

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Die vielen Kommunikationsmöglichkeiten sind ein schwacher Trost

Da hilft es leider auch nicht, dass es mittlerweile dank Smartphone, Email und Whatsapp besonders einfach ist, den Kontakt zum Kind zu halten, selbst wenn dieses im Ausland lebt.

Vielmehr berichten die Forscher, dass diese modernen Kommunikationsmittel das Unglück der Eltern sogar noch verstärken können.

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Das Kind empfindet oft kein so großes Bedürfnis nach Nähe, während die Eltern nicht verstehen können, dass es sich so wenig bei ihnen meldet - trotz zahlreicher Möglichkeiten und geringem Aufwand.

Der Job kann helfen, den Verlust besser zu verkraften

Doch es gibt auch Faktoren, die helfen können, den Schmerz über den Auszug des Kindes besser zu verkraften. Eine interessante Arbeit etwa schafft Ablenkung und gibt neues Selbstvertrauen.

Eltern erleiden einen Statusverlust, wenn sie sich selbst nicht mehr auf gewohnte Weise durch ihre Rolle als sorgendes Elternteil definieren können. Die Wissenschaftler der Studie vermuten, dass Eltern ihren Identitätsverlust durch ihren Job ausgleichen können.

Am besten hilft gegen die Trauer der verlassenen Eltern nach Einschätzung der Forscher jedoch etwas ganz anderes: eine glückliche Beziehung.

Die Scheidungsrate steigt bei Eltern mit flügge gewordenen Kindern

Denn die Wissenschaftler stellten fest, dass insbesondere Single-Eltern und Geschiedene stark unter dem Auszug ihrer Kinder leiden.

Doch auch verheiratete Paare können den Auszug der Kinder unangenehm zu spüren bekommen. Denn viele Eltern empfinden nach dem Auszug der Kinder eine vorher nicht wahrgenommene Leere in ihrer Ehe.

Tatsächlich belegt eine Studie der Universität Heidelberg, dass das Scheidungsrisiko im 'verlassenen Nest' besonders hoch ist. Mit der Pflege ihrer Beziehung sollten Paare daher besser früher als später beginnen.

Denn bei glücklich Verheirateten konnten die Forscher keine Einbußen hinsichtlich der Lebenszufriedenheit messen. Vielmehr scheinen Eheleute den Verlust beinahe vollständig ausgleichen zu können, etwa indem sie der Beziehung wieder mehr Zeit und Aufmerksamkeit widmen.

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