Antibiotika-Verordnung: Gröhe will 4 Dinge ändern, damit es weniger resistente Keime gibt

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Gesundheitsminister Hermann Gröhe will sich für einen besseren Antibiotika-Einsatz stark machen | Reuters
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  • Antibiotika werden zu oft verschrieben, resistente Keime werden zur Gefahr
  • Gesundheitsminister Hermann Gröhe will das Problem nun angehen
  • Diese 4 Maßnahmen sollen gegen resistente Keime helfen

Trotz erster Erfolge werden einer Studie zufolge immer noch zu viele Antibiotika unnötig verschrieben. Das gefährdet auf Dauer ihre Wirksamkeit.

Für manche Erreger gibt es kein Gegenmittel mehr, weil sie Widerstände entwickelt haben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, Ärzten komme beim sachgerechten Einsatz von Antibiotika eine Schlüsselrolle zu.

► Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen fordert deshalb eine Handreichung für Ärzte zum Umgang mit dem Medikament. "Wir haben keine einzige Leitlinie, die den Ärzten genau darstellt, wie Antibiotika eingenommen werden sollen."

► Außerdem müsse es in den Krankenhäusern mehr Hygienefachkräfte geben, damit die resistenten Keime sich nicht ausbreiten.

► Auch in die Forschung müsse mehr Geld investiert werden. "Von der Pharmazie ist das ein Bereich, der dramatisch vernachlässigt worden ist."

Gesundheitsminister Gröhe betonte, neu entwickelte Antibiotika sollten möglichst sparsam eingesetzt werden. Das macht die Forschung für Pharmaunternehmen nicht besonders attraktiv.

► "Notwendig sind deshalb Anreize, die den wirtschaftlichen Nutzen zumindest teilweise vom Umsatz entkoppeln", sagte Gröhe der dpa. Im Auftrag der 20 Industrie- und Schwellenländer erarbeite die OECD dazu gerade eine Studie.

Der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hardy Müller, fordert vor allem mehr finanzielle Unterstützung der Initiativen in Krankenhäusern und Arztpraxen. "Entscheidend ist immer noch, was beim Patienten ankommt", sagte Müller.

Problem: Antibiotika hilft bei Virus-Infektionen nicht - und wird trotzdem verschrieben

Den TK-Zahlen zufolge ist die Quote der Antibiotika-Verordnungen zwar zurückgegangen, lag im vergangenen Jahr bei erkältungsbedingt krangeschriebenen Beschäftigten aber noch immer bei 27 Prozent. Im Vergleichsjahr 2008 waren es noch 38 Prozent.

"Die überwiegende Zahl der Erkältungsinfekte ist durch Viren hervorgerufen - und gegen eine Virus-Infektion hilft das Medikament nicht", sagte Tim Steimle von der TK.

Ärzte betonen Patientenaufklärung

"Die niedergelassenen Ärzte verordnen Antibiotika in verantwortungsvoller Weise", sagte Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Häufig sähen Ärzte sich jedoch mit dem Wunsch der Patienten konfrontiert, unbedingt ein Antibiotikum zu erhalten.

Alle Seiten betonen deshalb den Stellenwert der Patientenaufklärung. "Wir brauchen in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass Antibiotika nicht bei jedem Husten oder einer tropfenden Nase helfen", sagte Gröhe.

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