23 Mio. Schmerzpatienten gibt es: Ihre Versorgung ist lückenhaft - was sich ändern muss

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23 Millionen Schmerzpatienten gibt es: Doch ihre Versorgung ist lückenhaft - was sich ändern muss | sturti via Getty Images
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  • Rund jeder vierte Deutsche leidet an chronischen Schmerzen
  • Das Problem: Es mangelt in Deutschland an kompetenten Ärzten
  • Was sich Experten nach jetzt ändern muss

23 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Schmerzen. Und zwar an chronischen Schmerzen.

Das Problem ist: Die medizinische Versorgung solcher Patienten ist lückenhaft, sagen Experten. "Leider müssen Schmerzpatienten durchschnittlich eine Odyssee von mehr als sechs Jahren hinter sich bringen, bis sie endlich einem Schmerztherapeuten vorgestellt werden", sagte Sven Gottschling (45). Er ist der Chefarzt am Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Uniklinikum des Saarlandes in Homburg.

Problem: Es gibt zu wenige Schmerzärzte

Einer der Gründe sei, dass es viel zu wenige Schmerztherapeuten gebe. Das liege wiederum daran, dass diese pro Quartal nur 300 Patienten behandeln dürften.

"Wenn man sich entscheidet, niedergelassener Schmerzarzt zu werden, bedeutet das schon fast einen wirtschaftlichen Totalschaden", sagte Gottschling. Kein Wunder, dass es nur etwa 1000 Ärzte in Deutschland gebe, die als niedergelassene Schmerztherapeuten tätig seien. "Die Rahmenbedingungen sind total schlecht - für den Arzt und damit auch für den Patienten."

Lösungsvorschlag: Neue Prioritätensetzung ist nötig

Das bestätigte der Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft, Thomas Isenberg: "Wir brauchen eine andere Prioritätensetzung innerhalb des ärztlichen Honorierungssystems".

Die multimodale Schmerztherapie befinde sich am unteren Ende. Da müsse im Haifischbecken Gesundheitswesen innerhalb der Ärzteschaft zum Wohle der Patienten umverteilt werden.

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Es muss ein Schmerzindikator eingeführt werden

Zudem fordert die Gesellschaft, dass für Krankenhäuser - ähnlich wie im Bereich Hygiene - gesetzlich ein Schmerzindikator eingeführt wird, um die Qualität der Akutschmerzbehandlung zu verbessern und die Kliniken vergleichbar zu machen.

Chefarzt Gottschling sagte, auf einen Termin beim Schmerztherapeuten müssten Betroffene sechs bis neun Monate warten. "Dann ist die Chronifizierung so weit vorangeschritten, dass Sie den Problemen hinterherrennen."

Problem: Schmerzmittel in Eigenregie

Die Folge: Die Betroffenen lassen sich Tabletten verschreiben - darunter laut Gottschling oft "Hochrisiko-Medikamente, die den Patienten ernsthaft gefährden".

Oder sie griffen zu Schmerzmitteln, die sie in der Apotheke rezeptfrei bekommen. Das hält Gottschling für eine "völlige Katastrophe", denn solche Substanzen könnten massiv Organe schädigen.

Stattdessen begrüßt er den professionellen Einsatz von Morphin-Präparaten und auch - mit Einschränkungen - von Cannabis.

Defizite bei der Ärzteausbildung und fehlende Aufklärung

Defizite bei der Schmerzbekämpfung sieht Gottschling nicht nur in den finanziellen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, sondern auch bei der Ausbildung der Mediziner und bei nicht ausreichend qualifiziertem Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

"Kein Mensch muss sich damit abfinden, dass er Schmerzen hat", sagte Gottschling. "Natürlich können wir es nicht jedem versprechen, aber den meisten könnten wir mit relativ einfachen Mitteln exzellent helfen." Das Problem sei nur: Viele Betroffene und auch Ärzte wüssten gar nicht, welche Hilfen es gibt. Aufklärung könnte hier also auch ein weiteres Problem lösen.

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