Rechte sammeln Geld gegen Flüchtlingsrettung - doch sie haben nicht mit der Gegenaktion gerechnet

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REFUGEES BOAT
Rechte starten Crowdfunding gegen Flüchtlingsboote - doch die Aktion geht nach hinten los | Zohra Bensemra / Reuters
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  • Rechte sammeln im Internet Geld, um aktiv gegen die Arbeit von Flüchtlingsrettern im Mittelmeer vorzugehen
  • Eine britische Journalistin hat deshalb eine Gegenkampagne gestartet
  • Sie will damit gerade nach den jüngsten Anschlägen in Großbritannien ein Zeichen zu setzen

Für Tausende Flüchtlinge ist das Mittelmeer bereits zum Grab geworden. Allein in diesem Jahr sind laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk bereits über 1700 Menschen beim Fluchtversuch ums Leben gekommen oder werden noch vermisst. Dank der Arbeit zahlreicher Hilfsorganisationen und etlicher freiwilliger Retter ist die Zahl nicht noch höher.

Doch der österreichische Ableger der neurechten "Identitären Bewegung" will nun aktiv gegen die Helfer vorgehen. Die Rechten wollen Rettungen behindern oder gar verhindern. Sie haben dazu bereits Mitte Mai eine menschenverachtende Crowdfunding-Aktion gestartet. Mittlerweile sollen schon über 60.000 Euro zusammen gekommen sein - mehr als ursprünglich geplant.

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Der aggressive Titel der Aktion: "Die Invasion stoppen – Europa verteidigen!" Die Identitären werfen Flüchtlingshelfern und Rettungsorganisationen vor, hunderttausende Menschen "illegal" nach Europa zu bringen. Mit dem nun gesammelten Geld sollen Boote, Crews und Recherche finanziert werden, um sich den Flüchtlingen - im Duktus der Rechten - "in den Weg zu stellen" und "Europa zu verteidigen".

Gegenkampagne sammelt binnen 24 Stunden mehrere Zehntausend Euro

Dass es die Identitären ernst meinen, zeigten französische Rechte im Mai: Eine Gruppe hatte ein Boot gemietet und damit ein Rettungsschiff in der Nähe der italienischen Hafenstadt Catania bedrängt, ehe die Küstenwache einschritt.

Nachdem die britische Zeitung "The Guardian" am Sonntag über das rassistische Vorhaben berichtete, startete die britische Journalistin und Feministin Caroline Criado-Perez kurzerhand eine Gegenaktion.

Binnen weniger als 24 Stunden kam bei "Unite Against Terror" bereits ein größerer Betrag zusammen, bislang 63.700 Pfund (umgerechnet etwa 73.100 Euro) von über 450 Spendern.

In der Gegenkampagne heißt es, dass die "rechten Agitatoren euch weiß machen wollen, dass diese verzweifelten Menschen, diese traumatisierten Familen, eine Gefahr für uns darstellen". Allerdings sei es Realität, dass die Menschen selbst vor Terror fliehen würden.

Geld soll "Ärzte ohne Grenzen" zugute kommen

Gerade nach den Terrorattacken in Manchester und London solle man nicht den Fehler machen, "Angst und Hass nachzugeben".

Das Geld, das bei "Unite Against Terror" zusammenkommt, soll an die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen gespendet werden. Diese unterhalten eines der größten Such- und Rettungstrupps für in Not geratende Flüchtlinge im Mittelmeer.

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(Mit Material von dpa)

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