Eklat am Golf: Darum geht es bei der diplomatischen Krise zwischen Katar und seinen Nachbarn

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  • Mehrere arabische Länder haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen
  • Dem Land wird vorgeworfen, Terroristen zu finanzieren - doch bei der Krise geht es noch um etwas anderes
  • Im Video oben seht ihr, welche Folgen der Abbruch der Beziehungen am Montag nach sich zog

Seit Montag ist das kleine Emirat Katar weitgehend isoliert auf der diplomatischen Bühne am Persischen Golf. Mehrere Golfstaaten und Ägypten haben Beziehungen zu Katar abgebrochen, die Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen auch ihre Grenzen.

Der Vorwurf an das Emirat: Das Land soll Terrororganisationen, darunter auch die Terrormiliz "Islamischen Staat" (IS), und den Iran unterstützen.

Schon länger ist das Verhältnis zwischen Katar und den anderen Golfstaaten gespannt. Nun erfolgte der offizielle Bruch.

Das sind die Hintergründe der diplomatischen Krise:

1. Was wird Katar vorgeworfen?

Die Golfstaaten werfen Katar vor, Terrororganisationen wie den Islamischen Staat (IS) sowie den Iran zu unterstützen.

Tatsächlich gehen Experten davon aus, dass Geld aus Katar sozusagen als Startkapital für den IS gedient hat. Spenden sollen damals allerdings auch aus den anderen Golfstaaten wie Saudi-Arabien oder Kuwait gekommen sein.

Noch immer aber sollen private Financiers aus Katar Geld an die radikalsten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad geben.

Zu diesem Ergebnis kommt etwa ein Bericht der konservativen Foundation for Defense of Democracies aus Washington. Sie kritisierte Anfang des Jahres Katars nachlässige Bemühungen, die Terrorfinanzierung zu stoppen.

Doch auch Saudi-Arabien steht in der Kritik, Terroristengruppen zu finanzieren. Außerdem ist die strenge Lesart des Islams im saudischen Königreich, der Wahabismus, auch nicht so weit entfernt von der radikalen Ideologie der Dschihadisten.

Stecken hinter dem Abbruch der Beziehungen also andere Motive?

2. Um was geht es Saudi-Arabien?

Für viele Beobachter drängt sich der Verdacht auf, dass Saudi-Arabien als mächtigster Staat am Golf mit dem Abbruch seiner Beziehungen die Muskeln spielen ließ.

Gayle Tzemach Lemmon, Forschungsbeauftragter des Council of Foreign Relations, sagte gegenüber dem US-Sender CNN, es gebe zwei Theorien über den Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

“Eine ist, dass sich Saudi-Arabien von Donald Trumps Besuch ermutigt fühlte. Die Trump-Regierung nimmt eine knallharte Position gegenüber dem Iran ein”.

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US-Präsident Trump bei seinem Besuch in Riad, Quelle: Reuters

Der US-Präsident hatte Ende Mai das saudische Königreich besucht - und bei einer Rede die versammelten arabischen Verbündeten auf eine gemeinsame Front gegen den Iran eingeschworen - einen Erzfeind von Saudi-Arabien.

Allerdings ist Katar kein Verbündeter des Irans im strengeren Sinne.

Hier kommt die zweite Theorie von Lemmon ins Spiel. Ende Mai sorgte ein Bericht für Aufsehen, in dem Katars Emir Tamim bin Hamad al-Thani ausgerechnet den Iran gelobt hatte.

Katar dementierte den Bericht schnell. Die Staatsmedien des Emirats seien Opfer einer Hackerattacke gewesen, hieß es. Doch die Empörung in den anderen Golfstaaten war groß.

Laut Lemmon könnten die anhaltenden Spannungen zwischen Katar und den restlichen Golfstaaten schon vor und vor allem nach der Hacking-Aktion zum Abbruch der Beziehungen an diesem Montag geführt haben.

3. Warum sind die Beziehungen zwischen Katar und den Golfstaaten so angespannt?

Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region. Und in diesem Pulverfass leistet sich das kleine Emirat Katar eine eigene Außenpolitik.

So hat Katar beispielsweise während des “Arabischen Frühlings” die Muslimbrüder in Ägypten unterstützt, eine Vereinigung, die Saudi-Arabien als Terroristen ansieht.

Außerdem ist Katar ein Verbündeter der Palästinenserorganisation Hamas. Diese wird auch vom Iran unterstützt.

Dazu kommt, dass Katar zuletzt tatsächlich eine freundlichere Linie gegenüber dem Iran eingenommen hat. Emir al-Thani gratulierte Ende Mai dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani zur Wiederwahl.

Mit dem Abbruch der Beziehungen möchte Saudi-Arabien vermutlich Katar wieder auf Kurs bringen.

Der Iran selbst reagierte mit Schadenfreude auf die diplomatische Krise. Vize-Stabschef Maid Aboutalebi twitterte, er sei verwundert, wie politisch "zerbrechlich die arabischen Staaten sein müssen, wenn ein kleines Emirat wie Katar für sie zu einer strategischen Gefahr wird".

4. Wie werden die USA reagieren?

Sowohl Saudi-Arabien als auch Katar sind Verbündete der USA. Ende Mai traf US-Präsident Trump in Riad noch auf den Emir von Katar und scherzte über einen möglichen Waffendeal.

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Emir al-Thani und US-Präsident Trump in Riad, Quelle: dpa

Nun ist erst einmal Krisenmanagement in Washington angesagt. Die Trump-Regierung wird keinen Verbündeten in der Golfregion verlieren wollen. In Katar befindet sich die größte Militärbasis der USA in der Region.

Nach Darstellung der USA am Montag habe die diplomatische Krise allerdings keine Auswirkungen auf die Einsätze des US-Militärs im Nahen Osten.

5. Was bedeutet die Blockade für Katar selbst?

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen dürfte Katar trotz seines Reichtums aus Öl und Gas schwer treffen.

Auch, weil die wirtschaftlichen Kontakte davon betroffen sein werden. Alle Nachbarstaaten ließen zudem die Grenzen sperren.

Die Fluglinien von Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten stoppten den Luftverkehr mit Katar, die nationale Fluglinie von Katar setzte bis auf weiteres Flüge nach Saudi-Arabien aus.

Im Land selbst wächst die Angst vor der Abschottung. Wie Doha-News berichtet, ist es in der Hauptstadt zu Hamsterkäufen gekommen.

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Menschen in einem Supermarkt in Doha (Katar), Quelle: AP

6. Ist die WM in Katar in Gefahr?

Im Jahr 2022 wird die Fifa-Fußballweltmeisterschaft im Emirat stattfinden. Die Vergabe der Weltmeisterschaft nach Katar war bereits von vornherein umstritten.

So wird die Menschenrechtslage im Königreich kritisiert, auf den Baustellen der WM sollen laut Recherchen fast jeden Tag Arbeiter sterben. Das Emirat bestreitet die Vorwürfe.

Das Turnier scheint durch die diplomatische Krise jedoch nicht gefährdet zu sein. Denn der Anpfiff soll erst in knapp fünf Jahren erfolgen.

Zeit genug also, um den Bruderzwist zwischen den Golfstaaten wieder beizulegen.

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