CNN soll Demonstration nach London-Anschlag inszeniert haben - das steckt hinter dem Vorwurf

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DEMO
Fake-News-Vorwürfe: CNN soll Aufnahmen mit Muslimen inszeniert haben - das steckt dahinter | Screenshot/Twitter
Drucken
  • Ein Twitter-Nutzer hat Dreharbeiten des US-Senders CNN in London nach dem Anschlag gefilmt
  • Die Aufnahmen sollen suggerieren, wie die CNN-Mitarbeiter eine Demonstration inszenieren
  • Doch sowohl der Sender selbst, als auch andere anwesende Journalisten bestreiten die Vorwürfe

Ein Twitter-Video setzt den US-Sender CNN unter Druck. Der darin scheinbar filmisch festgehaltene Vorwurf: CNN soll eine Protestaktion von Muslimen, die gegen den Terroranschlag von London demonstrierten, nur inszeniert haben.

Der Nutzer mit den Namen "markantro" hatte den Clip am Sonntagnachmittag mit dem Kommentar "CNN erschafft die Erzählung. #Fake News" ins Netz gestellt. Das mehr als zwei Minuten lange Video zeigt Moderatorin Becky Anderson bei Dreharbeiten in der Londoner Innenstadt.

Haltloser Vorwurf: CNN soll Plakate übergeben haben

Zu sehen ist eine von Polizisten abgesperrte Straße. Kurz nach Beginn der Aufnahme wird eine Gruppe von Demonstranten hinter die Absperrung geleitet. Genauso, dass sie ihre Protestplakate gegen den Anschlag und die Terrormiliz "Islamischer Staat" präsentieren können.

Deutlich wahrnehmbar ist auch, wie mindestens ein Mitarbeiter die Frauen, Männer und Kinder erst in Position bringt, ehe Anderson mit ihrer Moderation beginnt.

Im Internet wurde deshalb - vor allem von rechter Seite - der Vorwurf laut, dass die Demonstranten und damit der Protest gar nicht echt seien.

Gerade aus dem Umfeld der US-amerikanischen Alt-Right-Bewegung wurde der Beitrag vielfach geteilt, bis jetzt fast 15.000 mal. Teilweise wurde sogar behauptet, dass der Sender den Demonstranten die Schilder überreicht hätte.

Auch die AfD behauptet auf ihrer Facebook-Seite, dass die Demonstration nie stattgefunden habe. Die rechtspopulistische Partei wittert gleich eine große Verschwörung:

"Ein ganzes Set wurde aufgebaut, die Statisten mit traditionell islamischer Kleidung ausgestattet. Schilder und Blumen lagen bereit, die augenscheinlichen Schauspieler wurden professionell platziert."

Doch diese Vorwürfe sind falsch: Denn Fotos und Beobachtungen zeigen, dass die Demonstranten über mehrere Stunden und auch an verschiedenen Orten protestierten. Bewusst wird das vom Verfasser des Videos und von rechten Nutzern verschwiegen.

Protestplakat: "ISIS wird verlieren"

So hatte der Pressefotograf Raphael Satter knapp anderthalb Stunden nach den CNN-Aufnahmen getwittert: "Eine Gruppe Londoner Muslime erschien mit Blumen und Plakaten. Darauf geschrieben: 'ISIS wird verlieren' und 'Liebe wird siegen'". Das Foto zeigt die Protestierer deutlich sichtbar an einem anderen Ort.

Auch ARD-Mitarbeiter Rob Broomby hält die Vorwürfe für haltlos: "Die Gruppe war fast den ganzen Tag vor Ort - mehrere Stunden lang." Sie habe mit vielen anwesenden Journalisten gesprochen.

Broomby schildert auch die Hintergründe zu den Aufnahmen mit dem CNN-Team: Polizisten hätten die Gruppe durch die Absperrung durchgelassen, um Blumen an einer spontan eingerichteten Gedenkstelle an einer Verkehrsinsel niederlegen zu können.

CNN: "Vorwürfe sind Unsinn"

Parallel dazu sei CNN dann live gegangen und Moderator Anderson habe auf das reagiert, was sich hinter ihr abspielte, so Broomby. "Das war meinem Gefühl zufolge ein normales journalistisches Vorgehen."

Auch aus Sicht des Senders war alles in Ordnung, die Vorwürfe seien "Unsinn": "Die Polizei ließ die Demonstranten durch die Absperrung, um ihre Plakate zu zeigen. CNN hat dies gemeinsam mit anderen Medien schlicht gefilmt."

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(poc)