200 Dollar für 500.000 Tonnen Wasser - wie Nestlé eine ganze Gegend ausnimmt

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200 Dollar für 500.000 Tonnen Wasser - wie Nestlé eine ganze Gegend ausnimmt | iStock
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Das Geschäft mit dem Wasser ist längst zu einer äußerst lukrativen Einnahmequelle geworden. Insbesondere der Nestlé-Konzern verdient mit teils kruden Methoden Milliarden für das flüssige Gold. Im amerikanischen Bundesstaat Michigan soll Nestlé eine ganze Gegend leer pumpen.

Dafür zahlt der Getränke-Gigant eine lächerlich geringe Gebühr. Nicht nur die Anwohner leiden darunter, sondern auch ein ganzes Ökosystem.

200 Dollar für 500.000 Tonnen Wasser

Es gilt als besonders frisch und authentisch: "Ice Mountains - 100% Spring Water“ ist in den gesamten USA ein äußerst beliebtes Wasser, das vom Nestlé-Konzern produziert und verkauft wird. Insgesamt 4,8 Millionen Flaschen pro Tag.

Für das "Quellwasser“ verwendet Nestlé das Oberflächenwasser der Schneeschmelze und pumpt dieses ab. 500.000 Tonnen Wasser entnimmt der Konzern und zahlt dafür eine Gebühr von gerade mal 200 Dollar - die Wasserflaschen erlösen am Ende über 100 Millionen Dollar.

Normalerweise fließt das Wasser in Bäche und Flüsse. Das Ausbleiben des Wassers zerstört dadurch das empfindliche Ökosystem der Gegend. Die Anwohner der kleinen Stadt Evart sind entrüstet.

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Auf der Webseite wirbt Nestlé für das Wasser und gibt sich grün und umweltbewusst. Credit Mountain Spring Water

So auch die Anwohnerin Maryann Borden. Der kleine Fluss hinter ihrem Häuschen ist inzwischen nicht mehr als ein winziges Rinnsal. Was geschehen ist? "Nestlé ist hergekommen“, sagte sie in einem Interview mit der "New York Times“.

Wasser als Handelsgut

Nestlé gilt als Vorreiter der Wasser-Privatisierung. Der damalige CEO Peter Brabeck-Letmathe hatte sich in der Vergangenheit schon öfter kontrovers zu den Methoden von Nestlé geäußert. Wasser sei ein normales Handelsgut und nur ein marktgerechter Preis könne die natürlichen Ressourcen schützen.

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Für die Menschen der Gegend bedeutet dies übersetzt: Das Wasser ist bei Nestlé besser aufgehoben. Maryann Borden sorgt sich um die Folgen: "Ich kann nicht verstehen, warum sie so viel Wasser entnehmen dürfen? Wie soll sich die Gegend davon erholen?"

Denn anders als ein Farmer fügt Nestlé das Wasser nicht dem lokalen Wasserkreislauf wieder hinzu. Das schädigt die Umwelt massiv.

"Eine einzigartige Erfahrung"

"Quellwasser ist etwas ganz Besonders, das ist eine Kostbarkeit", schwärmt Nelson Switze, von Nestlé USA. Er ist verantwortlich für das nachhaltige Wirtschaften. "Wir bringen das zu den Leuten. Sie können es genießen, wenn sie es brauchen. Das ist eine einzigartige Erfahrung."

Paradox: Obwohl Nestlé nur einen winzigen Obolus für das Wasser bezahlt und die Natur unter dem aggressiven Wasserraub leidet, profitieren die Anwohner davon.

Denn "Ice Mountain“ sorgt in der Stadt Evart für Jobs und Steuereinnahmen. Der Finanzbeamte der Stadt ist überzeugt, dass der Deal mit Nestlé, die Stadt über die nächsten 100 Jahre bringen würde.

In Anbetracht des aggressiven Ausbeutung stellt sich allerdings die Frage, was die Stadt am Ende davon hat.

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(ks)