Er kehrte zurück, um seine Rechnung zu bezahlen: Dieser Londoner steht für das, wonach sich jetzt alle sehnen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Viele Londoner sind aufgewühlt, erschüttert, wütend, verzweifelt.

Aber sie wollen es nicht sein. Und schon gar nicht zeigen. Weil es sich anfühlen würde wie eine Niederlage.

Und so betonen versuchen sie, sich so normal zu verhalten wie möglich.

Einer dieser Londoner ist Richard Angell.

Der Direktor des linken Think Tanks Progress hat die Menschen gesehen, die von den Terroristen verletzt wurden. Er hat blutüberströmte Londoner gesehen. Angell saß im Restaraurant Arabica an einem Tisch am Fenster, als die Terroristen auftauchten. Er sah, wie Gäste die Angreifer mit Gläsern und Möbeln zurückschlugen, bevor sie unter Tischen Deckung suchten und schließlich ins Obergeschoss flohen.

Er will zurück, um zu bezahlen

Er will unbedingt zurück ins Arabica, sobald es öffnet. "Ich muss noch meine Rechnung bezahlen", sagt er. Außerdem habe er den Kellnern noch kein Trinkgeld gegeben. Und das, obwohl diese sich in der schlimmen Situation um die Gäste gekümmert hätten.

Und: "Das Essen war wunderbar. Und ich möchte noch den Rest meines Hauptgangs."

So hat er es dem Nachrichtenportal "Buzzfeed" erzählt und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dem "Mirror", "5News", der BBC.

Wenn es die Terroristen darauf anlegten, dass er nicht mehr gemütlich mit Freunden einen Gin Tonic trinken kann, dann werde er das öfter statt seltener machen.

Die Sehnsucht nach einer Geschichte, die gut ausgeht

Angells Geschichte geht durch die Medien. Klar, ein so bereitwillig erzählender Augenzeuge macht Journalisten die Arbeit leichter.

Aber es gibt noch einen Grund, warum Angell jetzt über alle Kanäle flimmert: Die Menschen sehnen sich nach so einer Geschichte, wie er sie erzählt.

Sie spiegelt eine Einstellung wider, auf die viele Londoner stolz sind. Das war beim Anschlag von Westminster so. Und so ist es auch diesmal. Es geht um Haltung und Stolz. Man wird den Terroristen keine Macht geben.

Und die Geschichte nährt die Hoffnung, dass es etwas gibt, das jeder dem Terror entgegensetzen kann, auch wenn er nicht im Kugelhagel steht.

Letztlich ist es die Hoffnung, dass das Gute am Ende doch siegt.

Mehr zum Thema: "Scheiß auf den Terror, rette das Bier": Wie ein Kneipenbesucher nach dem London-Anschlag zum Helden wird

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g


(ks)

Korrektur anregen