"Scheiß auf den Terror, rette das Bier": Wie ein Kneipenbesucher nach dem London-Anschlag zum Helden wird

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Acht Minuten dauert der Terror in London. Drei Attentäter rasen erst in eine Menschenmenge, verlassen später das Auto und stechen auf Gesichter und Kehlen von Fußgängern und Kneipenbesuchern ein.

Menschen schreien, flüchten, verstecken sich hinter Tischen in Restaurants und Bars. Sie versuchten, ihr Leben zu retten.

Zwischen all den Fliehenden wird ein Mann nun zum überraschenden Helden.

Ein Twitter-Nutzer teilte einen Schnappschuss von der London Bridge. Man sieht Menschen in Panik fliehen. Auch der Mann rechts im Bild rennt wohl um sein Leben - allerdings scheint er peinlich genau darauf zu achten, auch ja keinen Tropfen seines Bieres zu verschütten.

“Gott segne die Briten”, kommentierte der Twitter-Nutzer sein Foto.

"Scheiß auf den Terror, bring das Bier in Sicherheit"

Der Twitter-Beitrag ging viral.

Pathetisch gesagt vielleicht deswegen, weil sie in dem Bier-Mann ein Symbol des Widerstandes gegen den Terror sehen. Einen Kneipengänger, der den Terroristen nur so viel Macht über sich einräumt, wie unbedingt nötig. Er lässt sich aus der Kneipe vertreiben, aber darüber hinaus wird er sich nicht beeinflussen lassen.

Vielleicht sind viele auch nur froh, in all dem Grauen wenigstens einen Ansatzpunkt für Humor gefunden zu haben.

Nach dem Motto: Scheiß auf den Terror, Hauptsache das Bier ist in Sicherheit, kommentiert der Blog "Schlecky Silberstein".

“Schließlich hat er 5,50 Pfund für den Pint gezahlt”, schrieb ein Twitter-Nutzer. Bei so einem Preis will man natürlich nichts herschenken.

Ein anderer kommentierte: “Wir müssen Prioritäten setzen. Wir sind immer noch Briten.”

Einige fanden, dass es für Scherze allerdings noch zu früh sei. Immerhin sind bei dem Anschlag sieben Menschen gestorben und Dutzende weitere verletzt worden.

Darf man überhaupt schon lachen?

Ein Nutzer schrieb etwa: “Erfreut euch an euren Witzen über verschüttetes Bier und ignoriert das vergossene Blut.”

Als Antwort gab eine Nutzerin zurück: “Keiner ignoriert das vergossene Blut, aber Humor gibt uns die Kraft, für diejenigen zu kämpfen, die verletzt und ermordet wurden. So machen wir das hier!”

Terroristen wollen mit ihren Taten Angst verbreiten. Wenn dabei viele Bilder entstehen, die das Entsetzen dokumentieren, spielt ihnen das in die Karten.

In London, so scheint es, hat ein unschuldiger Kneipenbesucher mit seinem Bier zumindest teilweise diese Strategie unterlaufen.

Mehr zum Thema: Verwirrung, Wut und Angst: Wie die Menschen in London am Tag nach dem Anschlag reagieren

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(sk)

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