Warum die islamistische Terrorgefahr während des Fastenmonats Ramadan weltweit steigt

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LONDON
Warum die islamistische Terrorgefahr während des Fastenmonats Ramadan weltweit steigt | Hannah Mckay / Reuters
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  • Islamistische Anschläge scheinen sich in den vergangenen Tagen zu häufen
  • Vor etwa einer Woche begann der Fastenmonat Ramadan - für die Dschihadisten der Monat für blutige Anschläge

Schon wieder erschüttert ein Terroranschlag Großbritannien. Drei Angreifer haben Samstagnacht mindestens sieben Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt.

Es ist der zweite mutmaßlich islamistische Anschlag innerhalb von knapp zwei Wochen auf den britischen Inseln. Auch in anderen Teilen der Welt wie etwa in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind in den vergangenen Tagen Dutzende Menschen getötet worden.

Die erhöhte Zahl von Terrorattacken fällt mit dem islamischen Fastenmonat Ramadan zusammen, die Fastenzeit begann am 27. Mai für Muslime in Deutschland. Für die Mehrheit der Muslime bedeutet der Ramadan, zu fasten und zu beten.

Die Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) oder von Al-Qaida nutzen den Monat allerdings für ihre blutigen Anschläge. 2016, zwei Wochen vor Beginn des Ramadans, rief der Sprecher des IS zu Anschlägen auf, um dem heiligen Monat im Islam zu gedenken.

"Der Ramadan ist der heilige Monat des Dschihads"

Ein IS-Unterstützer erklärte gegenüber der US-Zeitung “The Atlantic”: “Der Ramadan ist der heilige Monat des Dschihads.” Nach der islamischen Lehre werden im Ramadan alle guten Taten mehrfach belohnt - und für die Dschihadisten sind Anschläge gute Taten.

Wie der “Atlantic” weiter berichtet, stützen sich die Dschihadisten auch auf die Schlacht von Badr, einen Schlüsselmoment der frühen Islamgeschichte. Die Schlacht soll während des Fastenmonats stattgefunden haben.

Der Kampf wird auch im Koran erwähnt. Die Muslime konnten die Schlacht gegen einen weitaus stärkeren Gegner, die Mekkaner, gewinnen. Auch die Dschihadisten sehen sich in einen ungleichen Kampf mit dem Westen verwickelt.

Vieles deutet auf den Islamischen Staat hin

Bisher hat sich der IS nicht zu den Attacken in London bekannt. Zwei Aspekte deuten allerdings auf einen islamistisch motivierten Anschlag. Laut Zeugen riefen die Attentäter "Das ist für Allah". Außerdem passt die Vorgehensweise der Täter zum Muster der Gruppe, mit Fahrzeugen Menschen anzugreifen.

Die Gruppe reklamierte auch den Anschlag vor knapp zwei Wochen in Manchester für sich. Ein Selbstmordattentäter tötete 22 Menschen mit einer Bombe - wenige Tage vor dem offiziellen Beginn des Ramadans in vielen muslimischen Ländern.

In den vergangenen Tagen erschütterten zahlreiche IS-Anschläge Orte weltweit. In Kabul tötete eine Autobombe am Mittwoch mindestens 90 Menschen.

IS hatte Liste mit Anschlagszielen in Großbritannien veröffentlicht

Im März 2017 hatten Anhänger des IS außerdem eine Liste mit Zielen in England veröffentlicht, sagte Terror-Experte Michael Ortmann dem Fernsehsender Ntv. Auf der Liste hätten auch Touristenattraktionen wie die London Bridge gestanden, wo die Angreifer Samstagnacht in eine Menschenmenge gerast waren.

Auch wenn der IS nicht hinter dem Anschlag stecke, so habe er mit seiner Ideologie wohl als Motivgeber gedient, meinte Ortmann. In London gebe es immer noch eine große Dschihadisten-Szene.

Wie die Korrespondentin der “New York Times” Rukmini Callimachi auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, habe ein IS-Kanal wenige Stunden vor den Anschlägen noch einmal eine Rede des IS-Sprechers al-Adnani vom 2016 verbreitet.

Darin rief er Anhänger auf, Verbrechen in ihren Heimatländern zu begehen, sollten sie es nicht nach Syrien schaffen.

Mit der Praxis der Mehrheit der Muslime hat der blutige Ramadan des IS allerdings wenig zu tun. Während des Fastenmonats Ramadan dürfen gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder essen noch trinken, rauchen oder Sex haben.

In der Vergangenheit haben islamische Staaten außerdem dazu aufgerufen, während des Monats alle Kampfhandlungen einzustellen - um den heiligen Monat zu respektieren.

Mehr zum Thema: Alle Entwicklungen nach dem London-Anschlag im News-Blog

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(ks)

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