Trump droht, die Vormachtstellung der USA zu verspielen: Für diese 4 Nationen ist das eine Riesenchance

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Trump droht die Vormachtstellung der USA zu verspielen: Für diese 4 Nationen ist das eine Riesenchance | Sean Gallup via Getty Images
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Er wollte die USA wieder groß machen. Oder großartig. Wie auch immer man Donald Trumps breit gespucktes "great“ übersetzten mag.

Doch stattdessen isoliert der US-Präsident sein Land immer weiter. Halbgare Einreiseverbote, Strafzoll-Drohungen – und jetzt der folgenschwere Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen.

Nicht nur klimapolitisch hat Trump etwas ins Rutschen gebracht. Ökonomen und US-Unternehmensbosse wie der Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein warnen vor einem Abstieg in die Zweitklassigkeit, Trump-Vorgänger Obama wirft der Regierung Führungsschwäche vor.

Und Europa? Hat das Vertrauen in den Partner USA spätestens in dem Moment verloren, als Trump im Rosengarten des Weißen Hauses vor die Kameras trat und sagte: "Ich vertrete die Bürger von Pittsburgh, nicht die Bürger von Paris.“

Doch statt Frust vernimmt man aus den Hauptstädten der Welt vor allem eins: Angriffslust. Denn wo die USA als scheinbar unanfechtbare Großmacht ausfallen, eröffnen sich für viele Staaten ungeahnte Spielräume.

Besonders für 4 Länder könnte Trumps Abwendung von der Weltgemeinschaft eine Chance sein:

1. China

Für Peking war Trumps Rückzug aus dem Pariser Abkommen eine gute Nachricht. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch diplomatisch könnten die Chinesen in den kommenden Jahren einen großen Schritt nach vorne machen.

Als zum ersten Mal Zweifel am US-Verbleib im globalen Klimapakt aufkamen, versicherte die chinesische Regierung fast reflexartig: "Wir halten am Pariser Abkommen fest.“

"Während die USA Verbindungen einreißen, baut China, das in der internationalen Diplomatie bisher eher zögerlich war, in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf“, sagte Alex Wang, Professor für Umweltrecht an der Universität California Los Angeles dem US-Magazin "Vox“.

Die bisher größte Klimasünder-Nation hat erkannt, dass sie von einem fleißigem Engagement beim Thema Klimaschutz zu einem immer wichtigeren Partner für Europa und andere starke Wirtschafsmächte werden könnte.

Gleichzeitig will China Europa angreifen: Der ambitionierte Regierungsplan sieht vor, in vielen Sektoren die Technologielücke zu westlichen Firmen zu schließen und selbst Weltmarktführer hervorzubringen.

Einerseits bietet Chinas Aufholjagd europäischen Unternehmen Chancen, weil sie ihr Know-How anbieten können. Langfristig muss sich Europas Industrie aber auf mehr Wettbewerb einstellen.

Publizist Alexander Görlach erklärt in einem Gastbeitrag in der HuffPost: "China übernimmt daher nun auf der globalen Bühne die Rolle, die ihrem Selbstverständnis nach eigentlich den USA zugestanden hätte.“

Das Reich der Mitte habe sich zudem bereits mehrfach auf der internationalen Bühne zum Freihandel bekannt und erklärt, sich als starker Akteur für die globalisierte Weltordnung einzusetzen.

2. Deutschland

Als Führungsmacht des liberalen Europas lastet viel Druck auf Deutschland.

"Die EU und insbesondere Deutschland müssen nun die Frage klären, (…) welche Vorstellungen sie von einer neuen Weltordnung haben“, sagte der Politologe Werner Weidenfeld im Gespräch mit der HuffPost, nachdem Angela Merkel Donald Trump in ihrer viel beachteten Bierzelt-Rede das Misstrauen ausgesprochen hatte.

Klimapolitisch könnte Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen, glaubt Lukas Hermwille vom Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Merkel könnte Klimaverträge mit US-Bundesstaaten wie Kalifornien schließen und damit Trumps Veto unterwandern. "Kalifornien etwa arbeitet immer noch sehr intensiv an der Energiewende“, sagte Hermwille.

Doch auch in anderen Bereichen macht die Abkehr von Donald Trump ein Umdenken notwendig. Noch immer besteht das Risiko eines brutalen Handelskrieges mit den USA.

Trump macht immer wieder deutlich: Er betrachtet den deutschen Exportüberschuss als "unfair“. "Das wird sich ändern“, twitterte der Republikaner zuletzt drohend.

"Die EU Kommission verhandelt bereits heute mit zahlreichen Ländern über neue Freihandelsabkommen und führt Gespräche mit anderen darüber, die Verhandlungen in der nahen Zukunft aufzunehmen“, sagte Galina Kolev, Handelsexpertin am IW Köln der HuffPost. "Somit funktioniert Freihandel auch ohne Trump – allerdings nur für die beteiligten Länder.“

Sicherheitspolitisch versucht die Bundesregierung zudem viel, sich für einen möglichen Bruch Trumps mit der Nato abzusichern.

Bisher sei Deutschland "militärisch ohne die Nato aufgeschmissen", sagte Claudia Major, Nato-Expertin der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Doch in Berlin ist man von der Idee einer gemeinsamen EU-Armee angetan. Noch ist die nicht mehrheitsfähig.

Das Verteidigungsministerium versucht daher in kleinteiligeren Partnerschaften mit anderen europäischen Ländern, ein schlagfertigeres europäisches Verteidigungsbündnis aufzubauen.

Mehr zum Thema: "Deutschland baut eine geheime Europa-Armee": Was hinter dem provokanten Bericht eines US-Magazins steckt

Man kann davon ausgehen: Mit jedem wirren Tweet des amerikanischen Präsidenten wird man diese Bemühungen in Berlin ernster nehmen.

3. Russland

Die Schwäche der Vereinigten Staaten spielt niemandem so sehr in die Karten wie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Die klassische Schwarz-Weiß-Front zwischen Washington und Moskau scheint durch den neuen Präsidenten ohnehin aufgebrochen – jetzt kann Putin darauf hoffen, dass Trump sich wirtschaftlich und diplomatisch noch weiter verzettelt.

Der Kreml-Chef könnte den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen sogar nutzen, um eine Annäherung an die USA zu erreichen. Den Putins Hauptziel ist noch immer die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen.

"Ich werde nicht über Obama, oh, ich meine: Trump urteilen wegen der Entscheidung, die er getroffen hat", sagte der russische Präsident nach Trumps Rosengarten-Auftritt.

Ein bisschen provokante Gleichgültigkeit war das, zugleich aber auch ein Angebot an den US-Präsidenten, der so lange als potenzieller Best-Buddy Putins gehandelt wurde.

Man könne sich doch weiterhin verständigen, erklärte Putin. Je weiter Trump sich vom Westen isoliert, desto näher könnte er an den Osten rücken. Diese Gleichung kennt auch der Kreml.

4. Frankreich

In der dunklen Stunde der USA, leuchtet der Stern des französischen Präsidenten Emmanuel Macron umso heller.

Nicht Merkel preschte nach der US-Aufkündigung des Pariser Abkommens vor, sondern der neu gewählte Liberale im Élysée-Palast von Paris.

Auf Trumps Hinweis, er wolle Paris nachverhandeln, sagte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron barsch: "Es gibt nichts zu verhandeln.“ Der Franzose steckte für Europa die Grenzen ab.

Macron rief Trump mehr oder weniger sarkastisch zu: "Let's make our planet great again!“ Lange hatte kein US-Präsident so mit sich umspringen lassen müssen.

Doch hinter Macrons forscher Rhetorik steckt auch ein Plan – nicht nur klimapolitisch. US-Umweltforscher rief der französische Präsident auf, nach Frankreich zu kommen.

"Ich rufe allen, die gegen den Obskurantismus kämpfen, die für den Klimaschutz oder erneuerbare Energie forschen, zu: Ab Mai habt ihr in Frankreich eine neue Heimstatt!“

Auch in der EU will Macron etwas in Bewegung setzen – und die Skepsis gegenüber Trump könnte ihm dafür den Rückenwind verschaffen. In den meisten Ländern setzt sich die Idee durch: Europa muss die Lücke füllen, die sich den sprunghaften US-Präsidenten auftut.

Mehr zum Thema: 6 Dinge, die Emmanuel Macron in Europa ändern will

Ob Macron seine geplanten Reformen in Brüssel vor diesem Hintergedanken durchsetzen kann? Zunächst muss der die Parlamentswahlen gewinnen, die in rund einer Woche in Frankreich beginnen.

Doch dann scheint derzeit viel möglich.

Mit Material der dpa.

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