Warum das Verstörendste an Trumps Klima-Rede nicht der Ausstieg aus dem Paris-Abkommen ist

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Warum das Verstörendste an Trumps Klima-Rede nicht der Ausstieg aus dem Paris-Abkommen ist | Kevin Lamarque / Reuters
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  • US-Präsident Trump hat mit seiner Rede zum Klimabeschluss seine "America First"-Doktrin demonstriert
  • Für die "Washington Post" ist das die eigentlich besorgniserregende Entwicklung

Die USA haben es getan: Am Donnerstag hat US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt.

Trump gilt als Leugner des Klimawandels. "Es ist Ende Juli und echt kalt draußen in New York. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?", schrieb Trump einmal auf Twitter.

Das Verstörendste an seiner Rede ist jedoch nicht, dass Trump wissenschaftliche Fakten zur Erderwärmung nicht berücksichtigt hat. Das Wort Klimawandel kam dem US-Präsidenten am Donnerstag im Rosengarten des Weißen Hauses gar nicht über die Lippen.

Das eigentlich Besorgniserregende an der Rede ist: Sie zeigt, was Trumps Doktrin "America First" für die Welt bedeutet. Der Slogan ist seit Trumps Wahlkampf bekannt, auch bei seiner Antrittsrede legte der US-Präsident dar, was er damit meine.

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"Die feierliche Eröffnung der wahren Trump-Doktrin"

Doch am Donnerstag ist überdeutlich geworden, wie sehr sich die Welt unter Donald Trump ändern wird. Für einen Kolumnisten der "Washington Post" war es gar "die feierliche Eröffnung der wahren Trump-Doktrin".

Trump beschäftigte sich in seiner Rede nicht mit dem Klima - sondern vor allem mit den anderen Unterzeichnern des Pariser Klimaabkommens. “Diese Vereinbarung hat weniger mit dem Klima zu tun als vielmehr damit, dass andere Länder die ökonomische Oberhand gegenüber den Vereinigten Staaten gewinnen wollen", sagte er.

Die "Washington Post" kommentiert daher auch, dass Trumps Rede hauptsächlich auf seiner verschwörungstheoretischen Sicht der Welt aufgebaut habe.

"Länder, die früher als Verbündete der USA galten, werden nun als düstere Bedrohung gesehen. Das Pariser Klimaabkommen wurde beschrieben als Teil einer größeren Verschwörung gegen die USA, verfolgt von Ländern, die traditionell als Partner angesehen wurden", heißt es da.

Trumps Chef-Ideologe ist zurück

Stichwortgeber für diese Ideologie ist Trumps Chefstratege Steve Bannon. Bei der Verkündung des Austritts saß er in der ersten Reihe. Bannon hatte zusammen mit dem Chef der US-Umweltbehörde Scott Pruitt auf Trump eingewirkt, das Abkommen aufzukündigen.

In Dokumentationen hat Bannon seine düstere Weltsicht ausgebreitet. Er glaubt, dass sich die USA in einem Krieg mit dem Islam befinden, dass den USA unweigerlich ein Krieg mit China blüht. Bannon sieht die Politik als brutalen Wettstreit, wir oder die anderen. "America First" geht auch auf den Chefstrategen zurück.

Zuletzt war es ruhiger geworden um Bannon, es schien, als habe er seinen Einfluss auf den US-Präsidenten verloren. Der Aussteig der USA aus dem Klimaabkommen aber zeigt: Trump hört wieder auf seinen Chefstrategen.

Für die Welt bedeutet das, dass sich die USA vermutlich weiter aus der internationalen Polit-Bühne zurückziehen werden. Trumps Auftritte während seiner Europareise bei der Nato und auf dem G7-Gipfel haben das bereits angedeutet.

Die "Washington Post" zieht ein Fazit der Rede im Rosengarten: Sie habe einen Einblick in den "echten Trump und seine Sicht auf der USA und der Welt" offenbart. Das sei verstörender als die Klima-Entscheidung selbst.

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(ks)