Wie die bekannte Russland-Expertin Krone-Schmalz schamlos Werbung für den Kreml macht

Veröffentlicht: Aktualisiert:
KRONESCHMALZ
Wie eine der renommiertesten Russland-Experten Deutschlands schamlos Werbung für den Kreml macht | ullstein bild via Getty Images
Drucken

Wladimir Putin bekommt wieder Schützenhilfe aus Deutschland – an der Buch-Front. Der renommierte C.H.Beck Verlag in München hat ein neues Werk von Gabriele Krone-Schmalz angekündigt – der mit der markanten Herz-Frisur, die von 1987 bis 1991 ARD-Korrespondentin in Moskau war und bis heute in den Medien als Russland-Expertin gefragt ist.

Schon der Titel und der Ankündigungs-Text des Buches lassen aufhorchen. "Eiszeit - Wie Russland dämonisiert wird und warum das so gefährlich ist.“

Damit nährt Krone-Schmalz den Verdacht, dass sie auf die Methode baut, die klassisch ist für die Verteidiger von Diktatoren: Man setzt Kritik an den Herrschern gleich mit Kritik an dem Land, das sie beherrschen.

So wenig man ein Buch vor dessen Erscheinen abschließend beurteilen kann, so eindeutig scheint die Stoßrichtung von Krone-Schmalz neuem Werk anhand der bereits veröffentlichten Verlagstexte.

Dort wirft die frühere Korrespondentin, die heute eine Ferienanlage in Spanien betreibt, "Fragen“ auf, die dem Kreml-Duktus auffallend ähneln.

Etwa: "Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Horrornachricht aus dem "Reich des Bösen". Warum ist das so?“

Vielleicht sollte Gabriele Krone-Schmalz einmal den Gedanken in Erwägung ziehen, dass schlechte Nachrichten durch schlechte Ereignisse zustande kommen. Tatsächlich sind die Ermordungen von Regime-Gegnern, das Wegsperren von Kritikern, das Verfolgen von Homosexuellen, das Angreifen von Nachbarländern – um nur einen Bruchteil zu nennen - Horrornachrichten.

Gabriele Krone-Schmalz dreht hier seit Jahren den Spieß um: So gut wie keine Spur von Aufregung über die Missstände selbst, dafür jede Menge Aufregung über diejenigen, die über diese Missstände berichten.

Weiter fragt Gabriele Krone-Schmalz in der Buchankündigung: "Geht es wirklich nur um Menschenrechte und westliche Werte? Oder zeigt sich hier ein Antirussismus, der auf eine lange Tradition in der deutschen Geschichte zurückblicken kann?"

Allein der Begriff "Antirussismus“ spricht Bände – seit Jahren werfen Putin und seine Propagandisten allen, die ihn kritisieren, "Russophobie“ vor. Mit dem Wort "Antirussismus“ hilft Gabriele Krone-Schmalz nun, diesen russischen Propaganda-Begriff in Deutschland zu etablieren.

Das Perfide dabei: Sie unterstellt, Verachtung für die Menschen in Russland äußere sich in Kritik an deren Unterdrückung. Dabei ist es umgekehrt: Ein Zeichen für Verachtung ist es, wenn man Menschen, wie so viele Putin-Claqueure hierzulande, de facto die Menschenrechte abspricht – geschickt verklausuliert. Etwa durch Andeutungen, Russen seien nicht reif für westliche Werte oder bräuchten eine "harte Hand“ in Form von Putin.

Weiter fragt Krone Schmalz: "Wie kommt es eigentlich, dass immer gerade die Staaten ins Visier geraten, die den Westen geostrategisch herausfordern?“

Im Falle Russlands kommt das daher, dass Putin ein Nachbarland – die Ukraine – militärisch angegriffen hat. Ein Fakt, den Gabriele Krone-Schmalz gezielt ausblendet und schönredet.

Krone-Schmalz fragt so: "Wladimir Putins Ziele seien expansiv, wird behauptet, er bedrohe Polen und das Baltikum. Doch auf welcher Grundlage werden diese Schlussfolgerungen eigentlich gezogen?“

Auf Grundlage von Putins Angriff auf die Ukraine und der Besetzung der Krim, auf Grundlage von Manövern und Militärplanung, in denen ein Angriff auf das Baltikum geübt wird, auf Grundlage von Scheinangriffen und Grenzverletzungen von Flugzeugen, auf Grundlage von Aussagen hochrangiger Russen, man könne das Baltikum schnell einnehmen, auf Grundlage der Doktrin von Generalstabschef Gerassimow – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Krone Schmalz: "Könnte es nicht auch sein, dass Russland aus der strategischen Defensive heraus handelt und versucht, bestehende Einflusszonen zu halten?“

Ja, das könnte sein. Aber zum einen macht es einen Angriffskrieg nicht harmloser, wenn der Angreifer meint, er verteidige sich nur – die Geschichte zeigt, dass viele Aggressoren so dachten.

Was "Einflusszonen“ angeht, ist das ein Begriff aus einer alten politischen Ära – und eine Demütigung der Menschen in der Ukraine, im Baltikum und anderen Nachbarstaaten Russland. Was würde Frau Krone-Schmalz sagen, wenn ihr Nachbar ihre Ferienanlage zu seinem "Einflussgebiet“ erklären und einen Teil davon besetzen würde?

Weiter schreibt der Verlag: "In ihrem neuen Buch warnt Gabriele Krone-Schmalz vor einem Rückfall in die einfachen Denkmuster und klaren Feindbilder des Kalten Krieges.“

Damit hat sie Recht. Allerdings sollte sie die Warnung in erster Linie an Putin richten, und hätte das schon vor zehn Jahren tun sollen. Stattdessen vertauscht sie Ursache und Wirkung.

Aufgrund der Ankündigung ist zu befürchten, dass die Autorin auch in ihrem neuen Buch – wie schon im Vorgänger-Werk "Russland verstehen“ - mühsam irgendwelche Aussagen und Handlungen aufklauben und dann Vorwürfe daraus kreieren und Putins Taten relativieren wird – nach dem Motto: "Die Amerikaner sind auch böse.“

Um es drastisch auszudrücken: Das Grundmuster von Krone-Schmalz´s Argumentation ist so, wie wenn sich jemand nach Banküberfallen mit Todesfolgen empört über die Kritik an dem Bankräuber. Und darauf verweist, dass es in anderen Ländern auch Bankräuber gibt.

Und dass der arme Täter eine schlechte Kindheit gehabt und von den Mitarbeitern der Bank jahrelang schlecht behandelt und provoziert wurde. All das wird so weit ausgewälzt, dass am Ende dieser Hütchenspielerei der Täter als Opfer dasteht und man gar nicht mehr an die Toten denkt – im Falle der Ukraine mehr als 10.000.

Das Perfide: Mit solchen Argumentationsmustern werden Gewalt und Krieg de facto gerechtfertigt. Und wer Gewalt und Krieg rechtfertigt, macht sich mit schuldig daran.

Mehr zum Thema: Appell von Marina Litwinenko, deren Mann 2006 in London mit dem radioaktiven Polonium ermordet wurde

Wahrscheinlich wird das im September erscheinende Buch wie der Vorgänger, "Russland verstehen", ein Bestseller in Deutschland. Denn es trifft den Zeitgeist in der Bundesrepublik - Probleme zu verdrängen und schönzudenken.

Und auch für Diktatoren und Kriegsverbrecher Sympathien zu hegen, wenn sie nur schön antiamerikanisch sind. Und wenn sie auf "Blut und Boden“ machen wie Putin mit der Krim.

Wie jemand zu Putins Aggression steht, sagt viel darüber aus, ob und wie tief er Demokratie und westliche Werte wie Verzicht auf Gewalt und auf Nationalismus verinnerlicht und unsere totalitäre Vergangenheit aufgearbeitet hat.

Für Diktatur und Angriffskrieg gibt es keine Rechtfertigung. Insofern hält uns Putin einen Spiegel vor – und ist eine personifizierter Lackmus-Test für demokratische Überzeugungen abseits von Lippenbekenntnissen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g