Festnahme im Fall der ermordeten Joggerin: So kam die Polizei dem Täter auf die Spur

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  • Im Fall der ermordeten Joggerin Carolin G. hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen
  • Die Auswertung der österreichischen Lkw-Maut brachte die Ermittler auf die Spur des mutmaßlichen Täters

Sieben Monate nach dem Mord an einer Joggerin im baden-württembergischen Endingen hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Der 40 Jahre alte Lastwagenfahrer aus Rumänien soll die 27-Jährige vergewaltigt und getötet haben.

Der Mann lebt und arbeitet in der Umgebung von Freiburg, also nicht weit von Endingen entfernt. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mit.

Der Mann soll außerdem im Januar 2014 eine 20 Jahre alte französische Studentin im österreichischen Kufstein missbraucht und umgebracht haben. Er sitze nun wegen des Verdachts des Mordes und der Vergewaltigung in Untersuchungshaft.

Ein DNA-Abgleich sei positiv ausgefallen, auch die eine Auswertung des Handys bestätigte, dass der Festgenommene im November 2016 am Tatort gewesen sei. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.

Auf die Spur brachte die Ermittler letztlich die Lkw-Maut in Österreich.

Polizei hat 50.000 Mautdatensätze ausgewertet

"Die Spur Nummer 4334 hat uns zum Täter geführt", sagte der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger.

Der Abgleich der Körperspuren von beiden Tatorte in Deutschland und Österreich hatte früh ergeben, dass es sich um ein und denselben Täter handeln muss - aber nicht, wer es ist. In beiden Fällen wurden die Opfer laut Polizei mit einer Eisenstange erschlagen.

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Bernhard Rotzinger, Polizeipräsident von Freiburg (Mitte), während einer Pressekonferenz zum Tod einer 27-jährigen Frau. Quelle: dpa

Und weil nach der Tat in Österreich die Tatwaffe, eine spezielle Hubstange, gefunden worden war, die in Lastwagen zum Einsatz kommt, hatten sich die Ermittler schon recht früh auf die Fernfahrerbranche konzentriert.

Hinzu kam, dass beide Taten in Autobahnnähe und zudem jeweils an einem Sonntag geschahen, wenn für Lastwagen ein Fahrverbot herrscht, wie der Leiter der Sonderkommission "Erle", Richard Kerber, sagte.

Nachdem aus den rund 50.000 Mautdatensätzen in Frage kommende Lastwagen und anhand der Hubstange das Fabrikat herausgefiltert worden waren, hatten die Ermittler Speditionen angeschrieben. "Konkretisiert hat sich die Spur zu dem jetzt Festgenommenen diesen Mittwoch", sagte Kerber.

Ermittlung sei ein "Langstreckenlauf" gewesen

Da habe sich eine Spedition zurückgemeldet, deren Lastwagen in Frage kamen, und Daten von mehreren Fahrern übermittelt. "Die Recherchen ergaben dann mehrere Indizien, die für eine Täterschaft des Festgenommenen sprechen."

Seit dem Mord in Endingen haben die Ermittler laut Kerber knapp 4400 Hinweise verfolgt. "Es war kein Sprint, sondern es war ein Langstreckenlauf, den diese Soko 'Erle' in den letzten Monaten zurückzulegen hatte", erläuterte der Leiter der Kriminalpolizei, Peter Egetemaier.

Im April hatten die Ermittler auch ein Phantombild eines Mannes veröffentlicht. Die Zeichnung war nach der Aussage einer Zeugin erstellt worden, die den Unbekannten am Tag des Mordes in der Nähe des Tatorts gesehen hatte.

"Erhebliche Unterschiede zu ihm bestehen nicht", sagte Kerber mit Blick auf den mutmaßlichen Täter. Gleich erkennen könne man den 40-Jährigen darauf aber auch nicht.

Am Freitag wurde dann der 40-Jährige festgenommen. Gegen ihn sei ein Haftbefehl erlassen worden. Allerdings nur für die Tat in Deutschland. Für die Tat in Österreich könne er rechtlich nicht vor ein deutsches Gericht gestellt werden.

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