POLITIK
02/06/2017 18:29 CEST | Aktualisiert 09/06/2017 14:22 CEST

Britischer Journalist nannte Merkel "Anführerin der freien Welt" – jetzt zweifelt er daran

NurPhoto via Getty Images
Britischer Journalist nannte Merkel "Anführerin der freien Welt" – jetzt zweifelt er daran

  • Die Debatte um Abschiebungen nach Afghanistan kratzt am Image der Bundeskanzlerin

  • Der britische Journalist Sunny Hundal nannte Merkel einst "Anführerin der freien Welt"

  • Jetzt äußert er Zweifel: Die Abschiebungen der Bundesregierung seien "traurig"

Als die "New York Times“ Angela Merkel im November das Prädikat "Anführerin der Freien Welt“ verlieh, sorgte das international für Aufsehen.

Viele Medien schlossen sich der Beurteilung an: Merkel sei nach der Wahl von US-Präsident Trump die letzte Vorkämpferin des freiheitlichen Westens.

Auch der britische Journalist Sunny Hundal argumentierte noch im Februar in einem viel diskutierten "Independent“-Artikel, Merkel müsse Demokratie und Freiheit auf der internationalen Bühne verteidigen. Doch nun äußert der Journalist leise Zweifel an der Beurteilung: wegen der lange strikten Afghanistan-Abschiebepolitik der Bundesregierung.

"Ich bin traurig über diese Abschiebungen“, sagte Hundal der HuffPost. Er fordert: "Angesichts der jüngsten Flut von Bombardierungen, muss die Kanzlerin die Abschiebungen permanent stoppen.“

"Die Bürger müssen Vertrauen in das System haben"

Der Brite ist überzeugt: Deutschland müsse bei der Asylpolitik ein Beispiel für den Rest der Welt darstellen. "Die Menschen in Afghanistan gehören zu den wenigen, die wirklich unsere Hilfe brauchen“, sagte Hundal.

Dennoch äußert der Journalist auch Verständnis für die strikter gewordene Rückführungspolitik der Bundesregierung. "Ich verstehe, dass Deutschland die Kontrolle über seine Asylpolitik behalten muss. Es ist wichtig, dass die Bürger Vertrauen in das System haben.“ Deutschland müsse nun eben priorisieren, wer am dringendsten Asyl brauche.

Merkel hatte am Donnerstag erklärt, das Auswärtige Amt werde eine Neubewertung der Sicherheitslage vornehmen.

Bis diese vorliege und die deutsche Botschaft in Kabul wieder voll funktionsfähig sei, solle es Abschiebungen nach Afghanistan nur in bestimmten Fällen geben.

Der Opposition reicht das nicht: Linke und Grüne forderten erneut einen kompletten Abschiebestopp, fanden dafür bei einer Abstimmung am späten Abend im Bundestag jedoch keine Mehrheit. Dafür stellte sich die Koalitionsmehrheit im Parlament hinter die Position ihrer Regierung.

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(ll)

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