So wütend reagiert der "Rock am Ring"-Chef auf den Abbruch

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"Ich kann nur sagen: Richten Sie ihre Fragen an den Innenminister. Richten Sie die Fragen an die Polizei", sagt Rock am Ring-Festivalleiter Marek Lieberberg. Der, der jetzt auf einer Pressekonferenz eigentlich die Fragen der Journalisten beantworten sollte, weicht aus.

Kurz zuvor ist das Festival Rock am Ring wegen einer bestehenden Terrorgefahr von der Polizei abgebrochen worden.

Und es wird noch unklarer bei Lieberberg: "Sie können Bombenhunde hierherschicken. Sie haben zwölfhundert Beamte vor Ort. Ich denke, wenn das nicht ausreicht, um ein Gelände für sicher zu erklären, dann frage ich mich: Warum hat ein Fußballspiel von Borussia-Dortmund am Folgetag bei den Verdachtsmomenten stattfinden können."

Die Rede seht ihr in diesem Video:

Lieberberg redet sich in Rage: "Warum sind wir die Prügelknaben für die Situation?"

Und dann kommen Worte, die in den nächsten Stunden noch für Diskussionen sorgen werden: Jetzt müsse es Schluss sein mit "This is not my Islam and this is not my Shit".

Wo sind die Demonstrationen?

Jetzt wolle er endlich einmal Demonstrationen sehen, die sich gegen islamistische Gewalttäter richten. "Ich habe bis jetzt noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?"

"Wir zahlen für den Skandal um Amri"

"Wir zahlen für den Skandal um Amri, das sag ich Ihnen hier an dieser Stelle". Gemeint ist Anis Ben Othman Amri, der vergangenen Dezember bei einem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin zwölf Menschen tötete.

Überraschend bekommt Lieberberg Applaus von den anwesenden Journalisten.

Wenig begeistert über die Tirade des Festival-Veranstalters zeigten sich aber einige Nutzer in den sozialen Medien. Dieser Nutzer etwa schrieb auf Twitter:

Dieser Nutzerin wurde es beim Zuschauen der Pressekonferenz schon fast übel:

Manche warfen dem Veranstalter eine Doppelmoral vor:

Hier weist jemand darauf hin, dass selbst in Ausnahmesituationen nicht alles geht:

Andere Menschen brachten hingegen ihre Unterstützung für Lieberbergs Worte zum Ausdruck:

Vielen scheint er aus dem Herzen zu sprechen, etwa diesem Twitter-Nutzer:

Journalist Timo Lokoschat, der "Spiegel Daily" leitet, gab dem Konzertveranstalter ebenfalls Rückendeckung:

Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg ist seit Jahrzehnten im Geschäft. Seit über 30 Jahren organisiert er das Rock am Ring-Festival. Bereits im Vorjahr musste die Veranstaltung vorzeitig abgebrochen werden.

Damals gab es über dem Gelände heftige Gewitter, 71 Besucher wurden bei Blitzeinschlägen verletzt.

Die Behörden schritten ein und setzen dem Konzerten ein Ende.

Danach kritisierte Lieberberg die Behörden für ihre Entscheidung, die er für falsch hielt. "Es hat schon eher an Fahnenflucht erinnert, als sich die Fans ihre Wege über die Felder bahnten und ihr Hab und Gut zurückließen", sagte er damals der Zeitung "Tierischer Volksfreund". Eine "Sternstunde der verantwortlichen Behörden" sei das mit Sicherheit nicht gewesen.

Schutz im Auto vor dem Gewitter

Seine Idee damals: Statt eines Abbruchs hätten die Besucher gewarnt werden sollen, so dass sie für einige Zeit in ihren Autos hätten Schutz suchen können.

Wäre es nach Lieberberg gegangen, hätte man das Festival nach Abzug der Gewitterwolken weiterführen können. "Die Behördenvertreter haben sich aber nicht darauf eingelassen und stoisch auf ihre Sichtweise verwiesen".

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(ks)

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