"Eine Ohrfeige für die Menschheit": Die Presse verurteilt Trumps Klimaentscheidung scharf

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DONALD TRUMP
"Eine Ohrfeige für die Menschheit": Die Presse verurteilt den Trumps Klimaentscheidung scharf | Joshua Roberts / Reuters
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  • Die internationale und deutsche Presse verurteilt die Entscheidung von US-Präsident Trump, aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen zu wollen
  • Das könne nicht nur schädlich für das globale Klima sein - sondern zeige auch, wie sehr sich die USA international isolierten

Überrascht dürfte keiner gewesen sein - und doch war der Schock groß: Am Donnerstag hat US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet.

Viele Staatschefs kritisierten die Entscheidung. Auch die Presse fand deutliche Worte für den Rückzug der USA aus den Klimaschutz-Verträgen.

Nicht nur, weil die Entscheidung schlecht für das globale Klima sein könnte. Sondern weil sie auch zeige, wie sehr die USA international an Einfluss verlieren könnten.

"Washington Post": "Trump fordert die Welt auf, ohne uns weiterzumachen"

Die US-Tageszeitung “Washington Post” überschrieb einen Kommentar mit den Worten: “Trump gibt die moralische Macht seines Landes auf”. Mit seiner rückwärtsgewandten Politik und seinen ermüdenden Eskapaden schade der US-Präsident seinem Land sehr: "Er macht die US-Präsidentschaft für den Fortschritt der Welt unerheblich."

Der Austritt aus dem Klimaabkommen sei da nur ein Beispiel, wie Trump den Anschluss an andere Staaten verliert. Der Kommentar verweist auf Trumps Blockade-Haltung auf dem G7-Gipfel. "Energiepolitik ist nur ein weiterer Bereich, in dem Trump den Rest der Welt auffordert, ohne uns weiterzumachen", schreibt die US-Tageszeitung.

"New York Times": "Eine dumme und rücksichtslose Entscheidung"

In einem Kommentar für die US-Tageszeitung "New York Times" rechnet Umweltaktivist Bill McKibben scharf mit Trumps Entscheidung ab. Er nennt sie "eine dumme und rücksichtslose Entscheidung - unsere dümmste seit dem Irakkrieg." Denn der Ausstieg ignoriere zwei zivilisatorische Errungenschaften: die Diplomatie und die Wissenschaft.

Jedes Datenstück beweise, dass Trump sich wie ein Narr verhalte, wenn er den Klimawandel leugnet. "Er besteht schlicht darauf, dass Physik nicht Wirklichkeit ist", schreibt McKibben.

"Aber er sprengt nicht nur die Wissenschaft in die Luft. Das Pariser Klimaabkommen ist eine große Errungenschaft der diplomatischen Kunst, ein Prozess, der viel schmuddeliger abläuft als die Wissenschaft (…)." Während nun alle Nationen daran arbeiteten, die CO2-Emissionen zu begrenzen, macht Trump diesen Schritt, "ein Versuch, unsere besten Hoffnungen für eine brauchbare Zukunft zu unterlaufen und die Vergangenheit wiederherzustellen."

"The Times": "Der Klimawandel ist keine Falschmeldung"

Die britische Tageszeitung "The Times" verurteilt den US-Präsidenten für seine Haltung zum Klimawandel. "Donald Trump hatte mit der Behauptung Wahlkampf betrieben, der Klimawandel sei eine Falschmeldung" - aber das stimme schlicht nicht.

Außerdem bringe die Energiewende langfristig Vorteile: "Die Kosten von Wind- und Sonnenkraftanlagen sind im letzten Jahrzehnt um ein Drittel beziehungsweise um 80 Prozent gesunken. Ein Ergebnis ist, dass Texas heute mehr Windenergie erzeugt als Kanada und Australien zusammengenommen." Die Solarindustrie beschäftige in den USA zwei Mal so viele Mitarbeiter wieder der Kohlesektor. Daran werde sich auch mit Trumps Entscheidung nichts ändern.

"Libération": "Eine Ohrfeige ins Gesicht der Menschheit"

Die französische, linksliberale französische Tageszeitung "Libération" kommentierte am Freitag: Mit seiner "egoistischen Blindheit" habe Trump einen "riesigen Rückschritt" gemacht, als er sich aus dem "größten globalen diplomatischen Deal, der jemals auf den Weg gebracht wurde", zurückzog. Das sei schlicht und ergreifend "eine Ohrfeige ins Gesicht der Menschheit."

Für Optimisten stelle der amerikanische Ausstieg allerdings eine Chance dar: "Der Brexit mobilisiert Europa neu und regt es wieder an, dieser 'Amerixit' könnte den Rest der Welt dazu bringen, sein Ambitionsniveau zu erhöhen."

"De Standaard": "Äquivalent eines ausgestreckten Mittelfingers"

Die belgische Tageszeitung "De Standaard" nennt den Rückzug am dem Abkommen das "Äquivalent eines ausgestreckten Mittelfingers".

Das düstere Fazit: "Europa kann das nicht als erneute Torheit eines Witzbolds abtun. Die einzig mögliche Antwort auf diese Entscheidung ist, die Illusion aufzugeben, dass die transatlantischen Beziehungen unter dem jetzigen Präsidenten tatsächlich noch freundschaftlich sein können."

"Times of India": "Eine Kälte erwartet den Premierminister"

Die indische Tageszeitung "Times of India" fasste die Rede Trumps zum Rückzug vor allem als Angriff auf das eigene Land auf: "Die schrille Rede, gesättigt mit Behauptungen, die USA seien Opfer zu Händen der restlichen Welt, lassen für den baldigen Besuch von Premierminister Nerandra Modi in Washington eine Kälte erwarten."

Trump hatte Indien und auch China vorgeworfen, die Emissionen weiter steigern zu können, während die USA reduzieren müssten. Ein absurder Vorwurf, den das Pariser Klimaabkommen erlaubt es den Staaten, sich eigene Ziele zu setzen. China ist gerade dabei, die eigenen Ziele zu übertreffen.

"Deutsche Welle": "Der Klimaschutz wird es überleben"

In einem Kommentar stellt die "Deutsche Welle" eine Trendwende in der internationalen Politik fest: "Früher war es stets so: Amerika machte nicht mit, deshalb machte China nicht mit, machte Indien nicht mit."

Jetzt scheint die US-Blockade jedoch die anderen Staaten beim Klimaschutz eher zusammen zuschweißen. Der US-Präsident habe wohl nicht gemerkt, wie isoliert er mit seiner Haltung international dastehe.

Es sei eine gute Nachricht, dass die anderen Staaten am Vertrag festhalten würden. "Dennoch trifft die Ignoranz des irrlichternden Mannes im Weißen Haus den Schutz des Klimas hart", kommentiert die "Deutsche Welle". Der Umstieg auf umweltfreundliche Energien werde sich verlangsamen.

Das Fazit des Kommentar: "Mit Donald Trump noch einmal über das Klima zu reden, lohnt sich dagegen kaum. Er will nicht. Damit schadet er seinem Land. Aber der internationale Klimaschutz wird es überleben."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Ein demokratischer Präsident hätte kaum mehr geschafft"

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kommentiert, dass Trumps Ausstieg halb so schlimm sei. Auch sein Vorgänger Barack Obama sei, entgegen dem generellen Eindruck, in der Klimapolitik eher erfolglos geblieben. Die größten Fortschritte auf dem Gebiet hätten sich durch vermehrte Erdgas-Förderung und den Anstieg erneuerbarer Energien erreicht.

"Nichts deutete in seiner Rede darauf hin, dass der Präsident die Förderung erneuerbarer Energien in den Vereinigten Staaten beenden will. Dazu kommt die Förderpolitik einzelner Bundesstaaten und größerer Städte", heißt es in dem Kommentar. Den Trend zu klimafreundlicheren Energien werde Trump also nicht stoppen.

Eine Reduktion der Emissionen werden die USA unter Trump auch erreichen. "Ein demokratischer Präsident hätte kaum mehr geschafft", kommentiert die "FAZ".

"Süddeutsche Zeitung": "Die USA kehren hoffentlich ins Reich der Vernunft zurück"

Die "Süddeutsche Zeitung" erinnert in einem Kommentar daran, dass China weiterhin ein schwieriger Partner bleiben werden - trotz der Rückendeckungen für das Klimaabkommen.

"Die Europäer wären deshalb gut beraten, Distanz zu wahren - und an den Tag zu denken, an dem die USA hoffentlich ins Reich der Vernunft zurückkehren."

Mehr zum Thema: Trumps Klimaentscheidung ist eine krachende Niederlage für seine Tochter Ivanka

Mit Material der dpa

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