Die Geschichte von Pittsburgh zeigt, wie falsch Trump mit seinem Klimabeschluss liegt

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PITTSBURGH
Die Geschichte von Pittsburgh zeigt, wie falsch Trump mit seinem Klimabeschluss liegt | 6381380 via Getty Images
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  • US-Präsident Trump hat den Austritt aus dem Klimaabkommen damit begründet, er wolle den Menschen in Pittsburgh helfen
  • Die Stadt galt lange als Stahl- und Kohlezentrum der USA
  • Doch inzwischen ist Pittsburgh zu einer der Vorreiter beim Klimaschutz geworden

US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag einer Stadt Unterstützung versprochen, die keine Unterstützung wollte.

Im Rosengarten des Weißen Hauses verkündete Trump den Austritt seines Landes aus dem "ungerechten" Pariser Klimaabkommen und sagte dazu: "Ich wurde gewählt, um die Menschen von Pittsburgh zu repräsentieren, nicht von Paris."

Die Antwort aus Pittsburgh kam prompt: "Fakt ist: Hillary Clinton erhielt in Pittsburgh 80 Prozent der Stimmen. Pittsburgh steht zur Welt, und wird das Pariser Abkommen befolgen", twitterte Bürgermeister Bill Peduto.

Pittsburgh, die grüne Vorzeigestadt

Pittsburgh war lange eine Hochburg der Kohlekumpel im sogenannten Rostgürtel der USA. Quasi dem Ruhrgebiet der USA. Der US-Präsident hatte im Wahlkampf versprochen, der Kohle in den USA zu einer Renaissance zu verhelfen.

Dumm nur für Trump, dass die Stadt eine Renaissance der Kohle gar nicht braucht. Pittsburgh hat sich in den vergangenen Jahren zur Vorzeigestadt für die grüne Energiewende in den USA entwickelt - und damit den spektakulären Aufstieg zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten und lebenswertesten Städte der USA geschafft.

Die Geschichte von Pittsburgh zeigt also auch, wie falsch Trump mit seinem rückwärtsgewandten Anti-Klimakurs liegt.

Im 19. Jahrhundert wurde Pittsburgh zum wichtigsten Standort der Stahlindustrie in den USA. Unzählige Fabrikschlote überzogen den Himmel über der Stadt mit dickem Rauch. Noch in den 1940er Jahren lagen die Abgase dicht in den Straßen Pittsburghs, wie Fotos zeigen.

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Stahlfabriken in Pittsburgh 1941, Quelle: Getty

Die Stadt erfand sich neu

In den 1970er Jahren durchlief die Stahlindustrie dann eine tiefe Krise. Hunderttausende Jobs gingen verloren, die Arbeitslosigkeit stieg bis auf 18 Prozent in den 80er Jahren, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Die Stadt musste sich wirtschaftlich neu ausrichten - und setzte auf umweltfreundliche Energie und Gebäude.

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(Pittsburgh heute. Quelle: Getty)

Wenn US-Präsident Donald Trump der “Stahlstadt” also verspricht, Jobs für diesen alten Industriezweig zurückzubringen, dann ist er gut ein halbes Jahrhundert zu spät dran.

Im März lag die Arbeitslosenquote der Metropole bei knapp über 5 Prozent. Also etwa im bundesweiten Durchschnitt der USA.

Die grünsten Gebäude der Welt

Wer nun durch Pittsburgh fährt, sieht keine Schlote, kein Rauch, keine Fabrikhallen. Im Gegenteil, in der Stadt gibt es derzeit 39 sogenannte LEED-Gebäude, also Gebäude, die weniger Wasser und Energie verbrauchen als herkömmliche Bauten.

Damit liegt Pittsburgh im bundesweiten Vergleich der USA auf Platz 8. Eines dieser Gebäude ist das Frick Environmental Center. Zehntausende Besucher im Jahr können hier sehen, wie ein Nullenergiehaus funktioniert, also ein Haus, das nur so viel Energie verbraucht wie es selbst produziert.

Wasser wird wieder aufgefangen und aufbereitet, Wärmepumpen leiten Wärme aus der Umwelt in das Haus und Solarzellen sorgen für Strom, berichtet der US-Blog "Inhabitat".

Pittsburgh profitiert von der Energiewende

Das sieht nicht nur beeindruckend aus.

Auch wirtschaftlich rechnet sich der Fokus auf erneuerbare Energien. Schon über 66.000 Menschen im Bundesstaat Pennsylvania, in dem Pittsburgh liegt, arbeiten in dieser Branche. Die Zahlen werden in den nächsten Jahren weiter steigen, glauben Experten.

In einem Interview mit CNN sagte Bürgermeister Peduto, die Luft in seiner Stadt sei einmal so schlecht gewesen, dass die Straßenbeleuchtung 24 Stunden am Tag schien. “Wenn das Pariser Abkommen jemals einer Stadt Hoffnung gegeben hat”, dann seiner Stadt, sagte der Bürgermeister gegenüber CNN.

Laut der regionalen Tageszeitung “Pittsburgh Post-Gazette” stieg zwischen 2010 und 2015 die wirtschaftliche Produktivität in Pittsburgh um 10 Prozent, die Jahreseinkommen um 9 Prozent und der Lebensstandard der Metropolregion um 13 Prozent.

Laut dem Wirtschaftsmagazin “Forbes” liegt Pittsburgh auf dem 9. Rang der lebenswertesten Städte der USA.

Pittsburgh ist kein "Grabstein in der Landschaft"

Wahr ist aber auch: Der wirtschaftliche Boom von Pittsburgh hängt auch mit dem Erdgas-Boom in den USA und der umstrittenen Förderung mittels Fracking zusammen. Die Lagerstätte wird dabei durch Risse im Gestein erreicht - was Umweltschäden wie verunreinigtes Wasser zur Folge haben kann. Keine umweltschonende Methode also.

Dennoch gilt: Pittsburgh hat wenig gemein mit den “verrosteten Fabriken die wie Grabsteine in der Landschaft liegen”, wie Trump bei seiner Antrittsrede sagte. Solche Aussagen mögen für Städte wie Detroit gelten, nicht aber für Pittsburgh. Die einst so dreckige Stadt als sich als grüne Metropole neu erfunden.

Die Geschichte der Stadt zeigt also auch: Ein Umbruch lohnt sich.

Wenn Trump also Pittsburgh repräsentieren will, muss er nach vorne blicken - und nicht zurück in die Zeit der Industriehöllen.

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