Geplante Abschiebung: Afghanischer Schüler entschuldigt sich für Anschlagsdrohungen

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NUERNBERG
Bei der Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen kam es zu blutigen Außeinandersetzungen | dpa
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  • Am Mittwoch kam es zu Tumulten, als der junge Afghane Asef N. aus seiner Klasse abgeführt wurde
  • Asef N. soll im Affekt mit einem Anschlag gedroht haben
  • Laut einer Betreuerin hat sich der junge Mann dafür nun entschuldigt

Aus einer schriftlichen Stellungnahme der Betreuerin des Afghanen Asef N. geht hervor, dass der Schüler im Zuge seiner Verhaftung mit einem Anschlag gedroht haben soll. Der Bericht liegt "Focus Online" exklusiv vor.

Eigenen Angaben zufolge erinnert der Schüler sich nicht an seine im Affekt geäußerten Drohungen - er entschuldigt sich jedoch trotzdem für sein Verhalten.

In Nürnberg war es bei der Abschiebung eines afghanischen Schülers zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Schüler hatten die Abschiebung des 20-Jährigen verhindern wollen.

Asef N. war in einem "emotionalen Ausnahmezustand"

In ihrem Bericht schreib Dagmar Gerhard, Betreuerin der Nürnberger Flüchtlingshilfe, dass die Abführung des Jungen durch das Eingreifen seiner Mitschüler in einer emotionalen Ausnahmesituation resultierte.

Aufgrund der chaotischen emotionalen Stimmung könne es also ein, dass Asef N. im Affekt eine Drohung geäußert hat - erinnern kann sich der 20-jährige Afghane nicht.

„An den Vorwurf, er habe bei der Verhaftung damit gedroht, zurück zu kommen und Deutsche umzubringen, kann Asef sich nicht erinnern. Durch die Sitzblockade und die sich daraus entwickelnden chaotischen Ereignisse geriet er selbst in einen emotionalen Ausnahmezustand", erklärte Dagma Gerhard in ihrem Bericht.

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Ob der Schüler die Äußerungen nun getätigt hat oder nicht - der Betreuerin ist wichtig, dass die Entschuldigung des jungen Mannes gehört wird.

„Sollte Asef in diesem Zustand höchster Erregtheit eine solche Drohung ausgestoßen haben, so tut es ihm leid und er entschuldigt sich dafür. Jedenfalls würde er niemals den Bewohnern des Landes, das ihn aufgenommen und ihm Schutz gegeben hat, Schaden zufügen.“

Die geplante Abschiebung wurde durch das Eingreifen der Schüler gestört

Mit einer Sitzblockade und einer spontanen Demonstration hatten mehrere Hundert Menschen in Nürnberg versucht, die Abschiebung des 20-jährigen Afghanen zu verhindern. Es kam zu tumultartigen Szenen, die Polizei griff mit großer Gewalt ein.

Neun Polizisten wurden verletzt, fünf Menschen vorübergehend festgenommen. Als Reaktion auf den Vorgang gab es massive Kritik von SPD, Grünen, Linken sowie dem Flüchtlingsrat am Vorgehen der Beamten.

Die Polizei wollte den 20-Jährigen am Morgen in einer Berufsschule während des Unterrichts abholen. Mitschüler hätten sich daraufhin auf die Straße direkt vor den Streifenwagen gesetzt und die Abfahrt blockiert, schilderte ein Polizeisprecher.

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