Schüler in Nürnberg blockieren Abschiebung eines afghanischen Mitschülers - Polizei setzt Pfefferspray und Hunde ein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • In Nürnberg haben mehrere Hundert Demonstranten gegen die Abschiebung eines afghanischen Schülers protestiert
  • Die Polizei setzte Pfefferspray, Hunde und Schlagstöcke ein
  • Die tumultartigen Szenen seht ihr oben

Mit einer Sitzblockade und einer spontanen Demonstration haben mehrere Hundert Menschen in Nürnberg versucht, die Abschiebung eines 20-jährigen Afghanen zu verhindern. Es kam zu tumultartigen Szenen, die Polizei musste eingreifen.

Neun Polizisten wurden verletzt, fünf Menschen vorübergehend festgenommen. Als Reaktion auf den Vorgang gab es massive Kritik von SPD, Grünen, Linken sowie dem Flüchtlingsrat.

Die Polizei wollte den 20-Jährigen am Morgen in einer Berufsschule während des Unterrichts abholen. Mitschüler hätten sich daraufhin auf die Straße direkt vor den Streifenwagen gesetzt und die Abfahrt blockiert, schilderte ein Polizeisprecher.

Die Demonstranten organisierten sich in den sozialen Medien

Auf Facebook und Twitter verbreitete sich ein Aufruf, sich an der Schüler-Aktion zu beteiligen. Die Polizei sprach von zeitweise bis zu 300 Teilnehmern.

Die Demonstranten hätten die Einsatzkräfte mit einem Fahrrad und zahlreichen Flaschen beworfen. Einem Beamten sei ein Zahn ausgeschlagen worden. Die Polizei setzte Pfefferspray, Schlagstöcke und Hunde mit Beißschutz ein. Von den Demonstranten sei niemand verletzt worden.

Auch in Duisburg nahmen die Ordnungshüter jemanden direkt aus der Schule mit

Ein ähnlicher Fall hatte sich zu Wochenbeginn in Nordrhein-Westfalen ereignet. Eine 14-Jährige war am Montag während des Unterrichts an einem Duisburger Gymnasium von Mitarbeitern der Ausländerbehörde abgeholt und mit ihren Eltern nach Nepal abgeschoben worden.

Die Familie wurde nach der Abholung zum Frankfurter Flughafen gebracht und dort der Bundespolizei übergeben, wie eine Sprecherin der Stadt Duisburg am Mittwoch sagte. Noch am Montagabend hätten die Eltern und ihre Tochter das Land mit einem Flieger verlassen. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet.

Lehrer informierte die Schülerin über die Abschiebung

Die Schülerin kam den Angaben zufolge in Deutschland zur Welt. Ein Lehrer habe sie am Montag aus der Klasse gebracht und im Lehrerzimmer über die Gründe der Abschiebung informiert, sagte die Sprecherin. Dort hatte sie demnach auch die Möglichkeit, sich von ihren Mitschülern zu verabschieden.

Nach Angaben der Sprecherin war die Aufenthaltserlaubnis der Familie Ende 2013 ausgelaufen. Die letzte Klage der Betroffenen gegen die Entscheidung wurde demnach im März 2016 abgewiesen, kurz danach lehnte auch die Härtefallkommission von Nordrhein-Westfalen einen Antrag ab.

Erstmals sei der Asylantrag vor etwa 15 Jahren abgelehnt worden, sagte die Sprecherin. Danach ging der Fall durch alle Instanzen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

(ll)