Ein Experte erklärt: Daran erkennen Eltern, wenn ihr Kind in der Schule gemobbt wird

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MOBBING
In Deutschland ist Mobbing unter Schülern ein Problem, das immer mehr in den Vordergrund rückt. | iStock
Drucken

Sie verhalten sich ängstlich, ziehen sich zurück oder sind schnell reizbar: Kinder, die in der Schule gemobbt werden, sprechen meist nicht darüber. Lehrer und Eltern sind oft ahnungslos und handeln erst, wenn es meistens schon zu spät ist.

In Deutschland ist Mobbing unter Schülern ein Problem, das immer mehr in den Vordergrund rückt. Laut der aktuellen PISA-Studie der OECD ist jeder sechste 15-jährige Schüler ein regelmäßiges Opfer von Mobbing.

Besonders schlimm ist das sogenannte "Cyber-Mobbing“ geworden, also digitale Schikane im Internet.

Es gibt keine zeitlichen und räumlichen Grenzen mehr

"Dadurch ist die Problematik durchaus komplexer geworden, da es keine räumlichen oder zeitlichen Grenzen des Mobbings mehr gibt", sagt Lennart Sörnsen, Pressereferent der Online-Initiative Juuuport der HuffPost.

Juuuport ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Ziel die Bildung und Erziehung junger Menschen im verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien ist.

Mehr zum Thema: So sehr leiden Kinder unter Mobbing

Die Hilfe erfolgt insbesondere in Form von Beratung und Aufklärung. Das Besondere: Die Jugendlichen erhalten Hilfe von Gleichaltrigen, die im Vorfeld von der Organisation geschult wurden.

Ein Ansatz, der durchaus Sinn macht: Denn aus Scham verschließen sich viele Kinder und Jugendliche, die Mobbing erfahren, ihren Eltern oder Lehrern.

Doch wie können Eltern erkennen, ob ihre Kinder in der Schule und darüber hinaus gemobbt werden?

Mobbing: Ein Systemkomplex mit schweren Folgen

"Viele schirmen sich oft schnell von der Gesellschaft ab oder schwänzen die Schule“, sagt Sörnsen. Dadurch gerieten sie in einen Teufelskreis: Die Noten verschlechtern sich und es entstehe eine soziale Isolation. Die Jugendlichen igeln sich ein und bauen um sich eine unsichtbare Mauer, die niemand durchdringen kann.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt: Das ist das Geheimnis einer glücklichen Kindheit

Auch kann Mobbing dazu führen, dass das Selbstbewusstsein massiv geschädigt wird. Schließlich muss es in ihrer Wahrnehmung ja einen Grund geben, warum sie gemobbt werden - so die trügerische Denkweise.

"Durch die Mobbing-Attacken empfinden viele eine gewisse Hilflosigkeit - ganz besonders beim Cybermobbing“, sagt Sörnsen. Bei manchen Kindern können laut dem Experten auch die Symptome einer Depression auftreten. Schlaflosigkeit, Verstimmungen, Gereiztheit - manchmal kann Mobbing sogar bis zum Suizid führen, warnt Sörnsen.

Während viele Symptome, die durch Mobbing entstehen, rein psychologischer Natur sind, können auch blaue Flecken oder Schürfwunden Indikatoren sein, dass etwas in der Schule vorgefallen ist. Zumindest dann, wenn diese Verletzungen vermehrt und regelmäßig auftreten.

Veränderte Essgewohnheiten können ebenso ein Anzeichen für Mobbing sein. Entweder dem Kind wird das Pausengeld weggenommen oder es stellt sich aufgrund des psychischen Drucks eine dauerhafte Appetitlosigkeit ein. Eltern sollten deswegen genau beobachten, was und wie regelmäßig ihr Kind isst.

Langeweile und Angst

Die Gründe, warum ein Kind oder Jugendlicher andere mobbt, können völlig unterschiedlich sein. Manche der jungen Täter haben oftmals selbst Angst davor, zu einem Mobbing-Opfer zu werden und drehen den Spieß einfach um, indem sie andere zu Opfern machen. Andere piesacken aus purer Langeweile.

Wieder andere finden Spaß daran, Schwächere zu gängeln und die eigenen Überlegenheit zu demonstrieren. Die sozialen Netzwerke wirken sich dabei geradezu wie ein Brandbeschleuniger aus. Sörnsen ist die Problematik bekannt: "Wenn man früher in der Schule gemobbt wurde, dann hatte man zumindest zu Hause seine Ruhe. Das ist heute nicht mehr der Fall", sagt er.

Die Mobbing- Methoden, egal ob im Internet oder auf dem Pausenhof, ließen sich nicht voneinander trennen. Sie gingen eher "Hand in Hand“, sagt Sörnsen.

Was können die Eltern tun?

Die Folgen dieser Schikanen führten zu einem deutlich schlechterem Gesundheitszustand, heißt es in einer Studie der Universität Lüneburg. So sollen 14 Prozent der Mobbing-Opfer unter regelmäßig auftretenden Beschwerden wie Kopf-, Rücken-, Bauchschmerzen oder Schlafstörungen leiden.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Bei den nicht bedrängten Schülern sind es nur vier Prozent. Außerdem seien Mobbing-Opfer häufiger unzufrieden mit ihrem Aussehen und sozial isoliert, heißt es in der Studie. Ausserdem würden sie negativ über sich sich selbst reden.

Das Wichtigste, das Eltern tun können, ist, zunächst behutsam auf das Kind einzugehen. Auch wenn das Kind zuerst abblockt sei es wichtig, nicht gleich aufzugeben, rät Sörnsen. Zusätzlich können sich Eltern Rat von Lehrern oder Pädagogen einholen. Ebenfalls gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen.

Inzwischen haben viele Schulen und auch Eltern damit begonnen, aktiv zu handeln: "Mobbing wird inzwischen viel mehr thematisiert", sagt er.

Mehr zum Thema: Mobbing: Brief einer Mutter an ihr Kind

Es gäbe inzwischen zahlreiche Tagungen, Kompetenzschulungen und sogar Messen, auf denen auf das Thema Mobbing aufmerksam gemacht wird.

"Zuwachs sehen wir dabei von allen Seiten: Eltern, Schulen und den Jugendlichen selbst", sagt Sörnsen.

Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern können sich auf der Internetseite der Online-Beratung Juuuport informieren und austauschen.

Auch auf der Seite des Bundesministeriums für Familie und Jugend können sich Eltern zum Thema Mobbing informieren.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

(lk)