In Deutschland geboren und trotzdem abgeschoben: 14-Jährige während des Unterrichts abgeholt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RANA
Die 14-jährige wurde direkt von der Schule aus zum Flughafen gebracht | Privat: Bivsi Rana
Drucken
  • Eine 14-jährige Nepalesin aus Duisburg wurde während des Unterrichts abgeführt und abgeschoben
  • Die Familie, die seit 19 Jahren in Deutschland lebt, wurde umgehend zum Flughafen gebracht und ausgeflogen
  • Die Mitschüler des Mädchens mussten psychologisch betreut werden

Für die in Deutschland geborene Nepalesin Bivsi Rana kam die Abschiebung vollkommen überraschend.

Die 14-jährige saß am Montag wie gewöhnlich im Unterricht der neunten Klasse des Steinbart-Gymnasiums, als ein Lehrer den Angaben zufolge sie aus der Klasse bracht und im Lehrerzimmer sie über die Gründe der Abschiebung informiert habe.

Dort hatte sie demnach auch die Möglichkeit, sich von ihren Mitschülern zu verabschieden. Dann wurde sie von Mitarbeitern der Ausländerbehörde abgeholt.

Abschiebungen werden in Deutschland immer unangekündigt durchgeführt, erklärte Daniela Lesmeister, Rechtsdezernentin der Stadt Duisburg, der "Rheinischen Post".

Das Mädchen und ihre Mitschüler waren völlig verstört

Angaben der Sprecherin der Stadt Duisburg zufolge, wurde die Familie direkt zum Frankfurter Flughafen gebracht und der Bundespolizei übergeben.

Außerdem bei HuffPost: Afghane soll aus Nürnberger Schule abgeschoben werden – Verletzte bei Demonstration

Die 14-jährige wusste über die drohende Abschiebung offenbar nicht Bescheid und war völlig verstört. Nach Angaben der "Rheinischen Post" fragte sie: "Wie weg, wohin soll ich denn?"

Bivsi konnte sich im Lehrerzimmer laut der Sprecherin der Stadt zwar noch von ihren besten Freundinnen verabschieden, doch viel Zeit blieb nicht.

Die Zentrale Stelle des Landes NRW für Flugabschiebungen hatte für den Nachmittag eine Abschiebung vom Frankfurter Flughafen organisiert.

Mehr zum Thema: Abschiebeverschärfungen: Das bringen de Maizières neue Gesetze

Dass Abschiebungen unerwartet und ohne Vorwarnung durchgeführt werden, ist üblich und durchaus gewollt.

Abschiebungen dürften nicht angekündigt werden, müssten tagsüber stattfinden und würden nicht von der Stadt organisiert, sagte Lesmeister der "Rheinischen Post.

Die Abschiebung war für die gesamte Klasse traumatisch

Die Abschiebung war nicht nur für Bivsi eine traumatische Erfahrung. "Wir mussten am Ende sogar einen Arzt rufen und haben auch unseren Pfarrer und Religionslehrer als helfenden Seelsorger in diese Klasse geschickt", erklärte Ralf Buchthal, Schulleiter des Steinbart-Gymnasiums, der "Rheinischen Post".

Die Lehrerschaft und allen voran der Schulleiter sind wütend über die abrupte Abschiebung. "Schule muss ein Schutzraum für Kinder sein! Niemand darf hier solch ein emotionales Trümmerfeld anrichten", sagte Buchtahl der Zeitung.

Bivsi sei komplett integriert gewesen und spreche perfekt Deutsch, berichtet Buchthaler. Bereits 1998 sind die Eltern aus Nepal nach Duisburg geflohen und haben in Deutschland ihre Kinder bekommen. Bivsis Vater betrieb ein Sushi-Restaurant in Düsseldorf.

Einzig Bivsis 18-jähriger Bruder bleibt von der Abschiebung nach Nepal verschont. Er studiert momentan in Osnabrück.

"Juristisch gab es für die Stadt keine Alternative mehr"

Nach Jahren der Anstrengung sind die Ranas mit ihrer Bitte um Asyl auch vor der letzten juristischen Instanz gescheitert. Bereits 2013 war ihre Aufenthaltserlaubnis abgelaufen.

Nachdem das Bundesamt für Migration den Antrag bereits abgelehnt hatte, erkannten auch das Verwaltungsgericht und das Oberverwaltungsgericht die Fluchtgründe der Familie nicht an.

Mehr zum Thema: US-Regierung bereitet die Abschottung vor - und verschärft die Abschieberegeln dramatisch

Schließlich lehnte auch die angerufene Härtefall-Kommission des Landes NRW ab. "Juristisch gab es für die Stadt keine Alternative mehr," erklärte Rechtsdezernentin Lesmeister der "Rheinischen Post".

Die Eltern und Klassenkameraden des jetzt abgeschobenen Mädchens haben bereits eine Initiative gegründet, die sich darum bemüht, Bivsi wieder nach Deutschland zurückzuholen.

Informationen der "Rheinischen Post" zufolge lebt das Mädchen in Kathmandu und hält per SMS Kontakt mit ihren Freundinnen. "Mir geht es gut. Macht euch keine Sorgen," habe sie versichert.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jp<br />
g

(jg)